Annabell Meyer
Annabell Meyer

Redakteurin

Kfz-Versicherung: Allianz zieht positives Fazit zum Telematik-Tarif

Seit einiger Zeit gibt es in Deutschland Telematik-Tarife bei der Kfz-Versicherung. Als einer der größten Autoversicherer belohnt die Allianz seit Mai vorbildliches Fahren mit Vergünstigungen. Bisher zeigt sie sich zufrieden mit dem Angebot. Doch trotz der großen Sparmöglichkeiten sollten Autofahrer genau abwägen, ob sich ein Telematik-Tarif für sie lohnt.

Veröffentlicht am 8. September 2016



Vor mehr als vier Monaten hat die Allianz ihren Telematik-Tarif für die Kfz-Versicherung, den sogenannten „Bonus Drive“, ins Leben gerufen. Nun bewertet sie erstmals die bisherige Entwicklung. Seit der Einführung Ende April wurden circa 8.000 Telematik-Verträge geschlossen, pro Woche sind es jeweils rund 300 neue Abschlüsse. Für die Kunden fällt das Resultat positiv aus: Durch umsichtiges Fahren werden etwa vier von fünf Allianz-Versicherten in Zukunft von vergünstigten Tarifen profitieren.

Insgesamt kann die Kfz-Versicherung durch den „BonusDrive“-Tarif um 40 Prozent günstiger werden. Mithilfe des benötigten Zubehörs, einer App sowie einem Bluetooth-Stecker, werden für jede Fahrt Daten über das entsprechende Fahrverhalten gesammelt. Anschließend werden diese Informationen bewertet. Am Ende eines Versicherungsjahres wird dann gegebenenfalls ein Rabatt gewährt.

Telematik-Tarife: Wie funktioniert die Datenübermittlung?

Die Telematik-Tarife bei der Autoversicherung stützen sich auf das Sammeln von Fahrtdaten. Neben dem Fahrverhalten werden auch Fahrzeiten, wie Dauer und Zeitpunkt, sowie Fahrtorte, wie innerstädtisch oder außerorts, ermittelt. In der Regel werden die Werte per Mobilfunk an einen externen TÜV-geprüften Empfänger gesendet, der sie analysiert und dem Versicherer eine zusammengefasste Bilanz schickt, den sogenannten „Score“. Dadurch kann die Versicherungsgesellschaft eine entsprechende Einstufung vornehmen. Dabei gilt: Je höher der Score ist, desto höher ist auch die Ersparnis.

Die Datensammlung erfolgt entweder mittels einer zum Tarif gehörenden App in Kombination mit einem Bluetooth-fähigen Telematik-Stick, der in den Zigarettenanzünder des Autos gesteckt wird, oder über eine Black Box, die in den Motorraum eingebaut wird.

Wer profitiert von den Rabatten durch die Telematik-Tarife?

Von den Telematik-Tarifen profitieren besonders Fahranfänger beziehungsweise junge Fahrer. Denn die meisten dieser Angebote sind genau auf diese Zielgruppe ausgerichtet und haben eine entsprechende Altersgrenze. So auch der Tarif der Allianz, der nur bis zu einem Alter von einschließlich 28 Jahren abgeschlossen werden kann. Vorstand Frank Sommerfeld gibt laut Versicherungsmonitor an, dass der Versicherer sein Angebot jedoch bald auf andere Altersgruppen ausweiten will. Derzeit bietet lediglich die VHV auch älteren Autofahrern die Möglichkeit, sich ihre vorbildliche Fahrweise zunutze zu machen.

Bislang konnten Versicherte bei der Kfz-Versicherung unter anderem dann sparen, wenn sie jahrelang unfallfrei waren und damit in eine höhere Schadensfreiheitsklasse überführt wurden. Durch die Telematik-Tarife wird risikoarmes Fahren belohnt. Vor allem junge Autofahrer, für die die Autoversicherung häufig sehr kostspielig ist, werden dadurch entlastet.

Telematik heiß diskutiert: Kosten sparen versus Datenschutz

Verbunden mit den Telematik-Tarifen kochen allerdings häufig Debatten rund um den Datenschutz hoch. Denn die gesammelten Daten geben mitunter sensible Informationen über den Fahrer preis. Zwar betonen die verschiedenen Gesellschaften, dass sie vom externen Empfänger lediglich gebündelte Angaben zum Fahrverhalten bekommen und die persönlichen Daten separat speichern würden. Dennoch sei es für die Versicherer leicht nachzuprüfen, wer wann wie gefahren ist, erläutert Bianca Boss vom Bund der Versicherten gegenüber dem MDR. „Und niemand weiß, ob die Staatsanwaltschaft bei einem schweren Unfall mit Gerichtsprozess nicht doch mal schauen möchte, wie Sie im Allgemeinen als Fahrer unterwegs sind, soweit das die Rechtslage zulässt“, ergänzt sie.

Hinzu kommen die Anschaffungskosten für die entsprechenden Geräte und deren Installation, die der Versicherungsnehmer oft selbst tragen muss. Beispielsweise beträgt die Miete für den Telematik-Stick bei der VHV 6,99 Euro pro Monat.

Kfz-Versicherung: Tarife vergleichen lohnt sich

Grundsätzlich können Autofahrer mithilfe der Telematik-Tarife bei der Kfz-Versicherung Kosten sparen. Allerdings empfiehlt es sich, vor Vertragsabschluss eine genaue Kosten-Nutzen-Abwägung vorzunehmen und den Tarif sorgfältig auszuwählen. Dabei muss die neue Kfz-Versicherung nicht immer gleich ein Angebot mit Überwachung sein. Die Versicherer drehen jedes Jahr an der Preisschraube. Somit kann sich auch der Wechsel der bisherigen Autoversicherung zu einem neuen klassischen Tarif bezahlt machen. Ein Vergleich der verschiedenen Optionen lohnt sich daher.