Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Kfz-Versicherung überwacht Autofahrer: Persönliche Daten gegen Rabatt

Autofahrer stehen jetzt unter Beobachtung. Eine neue Kfz-Versicherung will guten Fahrstil mit Rabatten belohnen. Möglich macht das die Telematik-Technik, die Fahrerdaten aufzeichnet und auswertet. Doch für Versicherte hat der Tarif mit der Blackbox keinen großen Nutzen – auch wenn Versicherer das anders sehen.

Veröffentlicht am 19. November 2013

Zunächst erscheint das Prinzip der neuen Kfz-Versicherung sinnvoll wie einfach. Wer sich durch einen sicheren Fahrstil auszeichnet, soll weniger für seine Autoversicherung zahlen. Seit dem 15. November 2013 bietet die Sparkassen Direktversicherung mit dem Tarif „S-Drive“ Autofahrern eine Kfz-Versicherung, mit der ihre Fahrweise mithilfe einer Blackbox überwacht wird. Versicherte, die sich beim Fahren beobachten lassen, winken am Ende des Jahres fünf Prozent Rabatt oder sogar ein kostenfreier Versicherungsschutz für drei Monate. Doch richtig durchdacht ist die neue Kfz-Versicherung noch nicht.

Wie funktioniert die Kfz-Versicherung mit der Blackbox?

Autofahrer müssen sich für die neue Kfz-Versicherung eine Datenüberwachungsbox ins Auto installieren. Diese funktioniert ähnlich wie das GPS im Handy. Die Blackbox zeichnet fünf Werte auf: Überhöhte Geschwindigkeit, Stadtfahrten, hastiges Bremsen oder Beschleunigen, Nachtfahren und Fahrweise. Je nach Fahrstil werden dem Fahrer Punkte abgezogen, von denen 100 auf einem Konto liegen. Wer beispielsweise zehn km/h zu schnell fährt, verliert 20 Punkte. Den Rabatt erhalten Autofahrer, wenn sie mindestens 80 Zähler übrig haben. Doch bei der Bewertung der Merkmale zeigt sich schon jetzt ein Problem der Überwachung: Nacht- und Stadtfahrten werden negativ beurteilt. Das bedeutet, Versicherte, die in Großstädten leben oder nachts mit dem Auto unterwegs sind, haben durch die Bedingungen gar keine Chance auf einen geringeren Versicherungsbeitrag.

Neue Kfz-Versicherung: Fünf Prozent Rabatt verpuffen

In den USA und anderen EU-Ländern gehören die sogenannten Telematik-Tarife schon längst zum Alltag. Mit der Sparkassen Direktversicherung traut sich nun auch in Deutschland der erste Autoversicherer, einen solchen Tarif einzuführen. Der Anbieter scheint mit seiner Blackbox-Kfz-Versicherung den Nerv der Zeit zu treffen. Denn laut einer Umfrage können sich zwei Drittel aller Kfz-Besitzer vorstellen, sich beim Autofahren überwachen zu lassen, wenn dafür der Beitrag sinkt. Doch der neue Telematik-Tarif hat eine Schwachstelle: Ein Rabatt von fünf Prozent auf die nächste Beitragsberechnung klingt zunächst verheißungsvoll. Doch Versicherte müssen für die Blackbox Miete zahlen – 5,95 Euro im Monat. Der Rabatt wird so durch den Mietpreis aufgefressen.

Telematik-Technik: Privatsphäre in Gefahr

Auch wenn der Anbieter betont, dass bei der Produktentwicklung „Unfallprävention, schnelle Unfallhilfe und Datenschutz“ oberste Priorität hatten, sehen Datenschützer die Kfz-Überwachung kritisch. Aus den Daten können zum Beispiel einige Rückschlüsse gezogen und auf den Versicherten übertragen werden. Der Umgang mit der Privatsphäre ist durch das Bewegungsprofil durchaus negativ zu bewerten. Auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht Nachteile. So müsse unter anderem wissenschaftlich festgelegt werden, was einen guten und einen schlechten Fahrstil auszeichnet.

Autofahrer können Kontostand per Handy verfolgen

Die Daten werden übrigens nicht vom Versicherer ausgewertet. Das übernimmt der Mobilfunkprovider Telefonica (O2). An den Anbieter werden nur die zur Beurteilung des Fahrstils wichtigen Werte übermittelt. Autofahrer mit dieser Kfz-Versicherung können ihren Kontostand jederzeit über Handy per App überprüfen. Baut der Fahrer einen Unfall, soll die Überwachungsbox auch als Notrufmelder dienen. Registriert die Blackbox einen Crash, versucht sie den Fahrer telefonisch zu erreichen. Reagiert dieser nicht, wird automatisch der Rettungsdienst informiert und der Standort des Autos übermittelt.

Fazit: Neue Kfz-Versicherung hat viele Nachteile

Dies scheint der einzige Vorteil des neuen Kfz-Überwachungstarifs zu sein. Zwar wird, wie der Autoversicherer verdeutlicht, kein Versicherter wegen seiner negativen Fahrweise bestraft. Doch nur die wenigsten Kunden werden den Rabatt in ihrem Geldbeutel spüren. Wer wirklich Geld sparen will, sollte sich die Mühe eines Kfz-Versicherungsvergleichs machen. Studien belegen, dass Autofahrer mit einem Wechsel ihrer Autoversicherung in diesem Jahr mehrere hundert Euro einsparen können.

 

Redaktions-Tipp

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