Blaulicht auf Polizeiauto
Annabell Meyer
Annabell Meyer

Redakteurin

Kfz-Versicherung: Was Autofahrer nach einem Unfall beachten sollten

Rund 2,6 Millionen Verkehrsunfälle wurden 2018 laut Statistischen Bundesamt der Polizei gemeldet. Viele Autofahrer wissen allerdings nicht, was nach einem Unfall zu tun ist. Zu den wichtigsten Tipps gehört dabei für die Experten des ZDF WISO-Magazins Ruhe bewahren. Das allein reicht jedoch nicht aus, wenn es im Straßenverkehr gekracht hat.

Ob das leichte Streifen eines anderen Autos auf dem Parkplatz, ein Auffahrunfall an der Ampel oder ein Zusammenprall nach einer missachteten Vorfahrtsregel – Unfälle im Straßenverkehr passieren meist schneller als gedacht. Allein im letzten Jahr haben sich bundesweit im Durchschnitt mehr als 7.100 Unfälle pro Tag ereignet. In knapp 90 Prozent der Fälle endete dies mit einem Sachschaden, ohne dass Personen verletzt wurden.



Den entstandenen Schaden zu regulieren, ist Aufgabe der Kfz-Haftpflichtversicherung. Dabei sollten Autofahrer jedoch beispielsweise darauf achten, die eigene Aussage durch Zeugen zu stützen, damit der Unfallhergang möglichst klar nachvollziehbar ist und die Schuldfrage möglichst eindeutig geklärt werden kann, betonen die WISO-Experten in der heutigen Sendung.

Nicht in Panik verfallen: Diese Schritte sind bei einem Unfall wichtig

Kommt es zu einem Verkehrsunfall, geraten viele Autofahrer schnell in Panik. Denn sie fürchten unter anderem Verletzte oder hohe Kosten. Trotz aller Bedenken ist es jedoch wichtig, die Ruhe zu bewahren. Die Unfallstelle sichern und nach Verletzten schauen, steht dabei an erster Stelle, um weitere Schäden zu vermeiden. Auch wenn bei dem Unfall niemand zu Schaden kam, ist es meist sinnvoll, die Polizei zu verständigen. Die Beamten helfen, den Unfallhergang zu klären und zwischen den Beteiligten zu vermitteln. Weitere Schritte sind:

  • die Kontaktdaten von Zeugen notieren
  • den Schaden dokumentieren, beispielsweise mit Fotos sowie dem Europäischen Unfallbericht
  • mit dem Unfallgegner Kontaktdaten austauschen (Kennzeichen, Adresse, Telefonnummer)

Die Experten raten zudem dazu, bei unklarer Schuldfrage die Verantwortung nicht voreilig auf sich zu nehmen. Denn dies führt im Zweifelsfall zu Problemen mit der Versicherung. Zudem ist das Verlassen des Unfallortes erst erlaubt, wenn die Personalien festgestellt wurden. Andernfalls droht den Beteiligten eine Geld- oder Freiheitsstrafe.

Wofür zahlt die Autoversicherung nach einem Verkehrsunfall?

Für den Schaden nach einem Unfall muss der Verursacher beziehungsweise dessen Kfz-Haftpflichtversicherung aufkommen. Diese übernimmt für den Geschädigten unter anderem die Kosten für:

  • einen Abschleppdienst,
  • das Gutachten eines unabhängigen Kfz-Sachverständigen ab 750 Euro Schadenshöhe,
  • die Reparatur des Unfallwagens,
  • einen Mietwagen oder den Nutzungsausfall des Fahrzeugs, sowie
  • einen Verkehrsrechtsanwalt.

Kamen bei dem Unfall auch Personen zu Schaden, zahlt die Kfz-Haftpflichtversicherung zudem die medizinische Behandlung, Schmerzensgeld sowie gegebenenfalls Folgekosten. Dafür muss der Unfall innerhalb von einer Woche der Versicherung gemeldet werden.

Tipp: Nach einer Schadenregulierung haben sowohl der Versicherer als auch Autofahrer ein Sonderkündigungsrecht. Dies bietet Fahrzeughaltern die Option, sich einen neuen Versicherer zu suchen. Auch wenn der Schutz nach einem Unfall teilweise teurer wird, kann sich ein Wechsel zu einem leistungsstärkeren Versicherer lohnen. Mit einem unverbindlichen Tarifrechner finden Interessierte den besten Mix aus Preis und Leistungen.

Unklare Schuldfrage: WISO-Experten empfehlen Verkehrsrechtsanwalt

Wenn die Schuldfrage klar ist, wird der Schaden von beiden beteiligten Parteien der Autoversicherung des Verursachers gemeldet. Können sich die Unfallgegner jedoch nicht einigen, wer die Verantwortung für den Unfall trägt, muss der Schaden bei beiden Versicherungen angezeigt werden. In diesem Fall entscheidet oftmals ein Gericht, wer die Unfallkosten trägt.

In diesem Fall raten die WISO-Experten dazu, auf die Unterstützung durch einen Verkehrsrechtsanwalt zu vertrauen. Er hilft Verbrauchern nicht nur, ihre Ansprüche durchzusetzen, sondern schützt sie auch vor unberechtigten Forderungen der Gegenseite. Das Honorar für den Rechtsbeistand trägt wiederum die Kfz-Versicherung des Unfallverursachers. Das gilt jedoch nur für die anfallenden Kosten des Geschädigten. Eine Rechtsschutzversicherung hilft Autofahrern, im Zweifel nicht auf den eigenen hohen Anwalts- und Gerichtskosten sitzen zu bleiben.