Familie geht über Zebrastreifen
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Koalition verlängert Kinderkrankentage für Eltern

Die Spitzen von CDU, CSU und SPD haben beim gestrigen Koalitionsausschuss einen großen Maßnahmenkatalog beschlossen. Neben Änderungen beim Wahlrecht und Kurzarbeitergeld sieht dieser Erleichterungen für Eltern vor. Diese dürfen 2020 länger wegen erkrankter Kinder bei der Arbeit fehlen.

  • Derzeit hat jedes Elternteil Anspruch auf zehn Tage Kinderkrankengeld.
  • Angesichts der Corona-Pandemie droht dies jedoch nicht auszureichen.
  • Die Koalition hat sich daher auf eine Verlängerung von fünf Tagen verständigt.

Laufende Nase, ein kurzer Huster – derzeit braucht es in den Kindertagesstätten nicht viel, damit Erzieher Eltern anrufen, um das Kind abholen zu lassen. Die Angst vor einer Ansteckung mit Corona ist groß, sodass der Nachwuchs oftmals übervorsichtig nach Hause geschickt wird. Nicht wenige Erziehungsberechtigte haben daher bereits ihre Kinderkrankentage ausgereizt – also die Zeit, in der sie bezahlt von der Arbeit freigestellt sind. Dabei rücken Herbst und Winter und damit die Grippesaison erst noch an.



Entsprechend sah sich die Regierung zum Handeln gezwungen. Im Zuge des gestrigen Koalitionsausschusses haben sich Union und SPD darauf geeinigt, den Anspruch auf Kinderkrankengeld zu verlängern. Paare haben fünf weitere Tage, bei Alleinerziehenden erhöht sich die Anzahl auf zehn. „Angesichts der Corona-Pandemie kann der bestehende Anspruch in manchen Fällen nicht ausreichen“, so die Begründung. Die zusätzlichen Kinderkrankentage gelten vorerst nur für 2020.

Zusätzlich sieht der Beschluss eine Freistellung von 20 Tage für Personen vor, die sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern.

Kinderkrankengeld nur für gesetzlich Krankenversicherte

Ist das eigene Kind krank und hat das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet, hat jedes Elternteil Anspruch auf zehn Tage Freistellung beim Arbeitgeber. Bei Alleinerziehenden sind es 20 Tage. Dafür ist ein Attest des Arztes ab dem ersten Krankheitstag notwendig. Manche Chefs zahlen für eine gewisse Anzahl von Tagen das volle Gehalt weiter. In der Regel ist es jedoch so, dass bei gesetzlich Krankenversicherten die Krankenkasse mit dem Kinderkrankengeld einspringt. So erhalten Eltern 70 Prozent ihres Bruttogehalts, allerdings nicht mehr als 90 Prozent des Nettogehalts ausgezahlt.

Haben Eltern mehrere Kinder bis maximal zwölf Jahren, erhöht sich der Anspruch auf bis zu 25 Tage, bei Alleinerziehenden auf 50 Tage.

FDP mit ähnlichem Vorstoß

Zuletzt hatte sich der NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) für eine Erhöhung der Kinderkrankentage stark gemacht. Angesichts der Pandemie reicht das aktuelle Kontingent nicht, sagte er vor einigen Tagen gegenüber n-tv. „Wir müssen mehr Rücksicht auf die Familien nehmen. Deshalb wünsche ich mir von Frau Giffey, von Herrn Heil, von Herrn Spahn hier jetzt endlich mal eine vernünftige Lösung“, so Stamp weiter. Im Zuge dessen hatte er eine Bundesratsinitiative angekündigt. Diese scheint es nun nicht mehr zu brauchen.

Wie werden Eltern noch unterstützt?

Die Regierung versucht berufstätige Eltern über verschiedene Maßnahmen vor den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu schützen. Neben den verlängerten Krankentagen für Kinder zählt dazu die Lohnfortzahlung für Erziehungsberechtigte, die während der Kita- und Schulschließungen ihren Nachwuchs betreuen mussten und daher auf der Arbeit fehlten. Mittlerweile haben sie Anspruch auf bis zu zehn Wochen Lohnfortzahlung in Höhe von 67 Prozent des Verdienstausfalls, maximal 2.016 Euro pro Monat.