Rentner auf einer Bank
Hagen Schulz
Hagen Schulz

Redakteur

Können Aktien die Rentenlücke schließen?

Die Aussicht auf den eigenen Ruhestand liegt manchem schwer im Magen. Denn es ist längst nicht sicher, ob die staatlichen Rentenleistungen ausreichen, den gewohnten Lebensstandard halten zu können. Daher schlägt das Deutsche Aktieninstitut nun eine grundlegende Reform des Rentensystems vor. In Zukunft sollen Aktien helfen, sorgenfrei die Rente zu genießen.

Statt wie bisher über Beitragszahlungen in die Rentenkasse sollen die Altersleistungen nun aus Geldanlagen am Kapitalmarkt und den daraus resultierenden Renditen finanziert werden. Unsere Leser haben gefragt, welche Risiken dabei auftreten können und welche Erfahrungen die Länder gemacht, die mit ihrem Rentensystem auf Aktien setzen. Die Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es hier.



Wie funktioniert die Altersvorsorge mit Aktien?

Das deutsche Rentensystem steht aufgrund des demographischen Wandels unter Druck. In einer Studie hat das Deutsche Aktieninstitut (DAI) Vorschläge für eine zukunftssichere Rente herausgearbeitet. Die Experten empfehlen eine Ergänzung der staatlichen Altersvorsorge mit Aktien vor. Monatliche Sparbeträge werden dann direkt am Kapitalmarkt angelegt.

Dafür braucht es eine günstige und unkomplizierte Standardlösung, die klare staatliche Leitlinien hinsichtlich der Anlagestrategie bietet, erklärt das DAI. Gesetzliche Zinsgarantien soll es hingegen nicht geben, um mehr Kapital in Aktien anlegen zu können. Das gesamte System beruht auf Freiwilligkeit. Wer nicht an der staatlichen Geldanlage teilhaben möchte, kann für seine Altersvorsorge weiter die Rentenkasse und die private Altersvorsorge nutzen.

Welche Risiken birgt die aktienbasierte Rente?

Aktien sind Chance und Risiko zugleich. Sie werfen im Optimalfall eine hohe Rendite ab. Andererseits sind Aktien den Launen des Kapitalmarktes ausgesetzt. Das heißt, während einer Rezession oder einer Wirtschaftskrise stehen die Aktienmärkte unter Druck. Anleger können in dieser Zeit viel Geld verlieren.

Anders als bisher wären die Rentenbezüge nach dem DAI-Vorschlag nicht mehr abhängig vom eingezahlten Betrag in Rentenkasse und damit vollends garantiert. Die Rente würde in diesem Fall vom Anlageerfolg abhängen und könnte in Krisenzeiten deutlich geringer ausfallen als erwartet. Erfahrungen aus anderen Ländern, deren Rentensystem stark auf Aktien gestützt ist, zeigen aber, dass die ausgezahlten Renten bisher nie unter die eingezahlten Beiträge gerutscht sind – nicht einmal während der Finanzkrise 2008.

Welche Länder sind Vorreiter auf diesem Gebiet?

Deutschland hängt in Sachen aktienbasierter Rente im internationalen Vergleich weit zurück. Lediglich 25 Prozent der privaten und gesetzlichen Bruttorente eines Durchschnittsverdieners werden über die sogenannten Aktiensparverfahren erwirtschaftet. Europaweite Spitzenreiter sind Dänemark (83 Prozent), die Niederlande (70 Prozent) und Großbritannien (58 Prozent).

Auch in Übersee spielen Aktien bei der Altersvorsorge eine deutlich größere Rolle als hierzulande. In den USA und Kanada machen sie rund die Hälfte der Bruttorenten aus. In Australien sind die Renten gar zu 100 Prozent aktienbasiert.

Wie ist das Rentensystem in Deutschland aktuell geregelt?

Im deutschen Rentensystem gilt das sogenannte Umlageverfahren. Über die gesetzliche Rentenversicherung zahlen die Erwerbstätigen Beiträge in die Rentenkasse. Die Einnahmen daraus werden an die Ruheständler ausgezahlt. Da das Geld aus der Rentenversicherung nicht ausreicht, gibt der Staat Steuergelder hinzu.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer privaten und einer betrieblichen Altersvorsorge. Diese werden vom Staat zum Teil mit steuerlichen Begünstigungen gefördert, wie die Riester-Rente oder die Rürup-Rente

Welche Probleme kommen in Zukunft auf Rentner zu?

Das Umlageverfahren hat aufgrund des demographischen Wandels einen entscheidenden Nachteil: Immer weniger Erwerbstätige müssen immer mehr Rentner finanzieren und das aufgrund der steigenden Lebenserwartung über einen immer längeren Zeitraum. Spätestens der Renteneintritt der Babyboomer-Generation in den 2030er-Jahren wird das gesetzliche Rentensystem überfordern, schätzt das Deutsche Aktieninstitut. 

Die Folge wären weiter sinkende Renten bei steigenden Beiträgen. Schon jetzt liegt das deutsche Rentenniveau von 48 Prozent des Nettoeinkommens deutlich unter dem EU-Schnitt von rund 70 Prozent. Die Aktien-Musterschüler Niederlande und Dänemark kommen sogar auf über 100 beziehungsweise 80 Prozent.