Kranke Person mit Medikamenten
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Krankenkasse: Zusatzbeitrag liegt 2021 im Schnitt bei 1,3 Prozent

Den Krankenkassen fehlen im kommenden Jahr 16 Milliarden Euro. Daher wird der durchschnittliche Zusatzbeitrag 2021 auf 1,3 Prozent angepasst. Eigentlich wäre sogar eine Verdopplung notwendig. Doch aus dem Finanzministerium wird ein höherer Bundeszuschuss fließen. Zudem müssen die Krankenkassen kräftiger sparen.

Zuletzt aktualisiert am 9. November 2020

  • Aufgrund eines drohenden milliardenschweren Defizits erhöht sich der Zusatzbeitrag 2021 auf 1,3 Prozent .
  • Das von Gesundheitsminister Spahn geplante Maßnahmenpaket ließ im Vorfeld wenig Spielraum für Überraschungen beim Krankenkassenbeitrag.

Vor Kurzem wurde bekannt, dass die Krankenkassen im kommenden Jahr auf ein erhebliches Finanzloch zusteuern, sollte die Bundesregierung ihnen nicht mehr Finanzmittel zur Verfügung stellen. Ohne diese müsste der durchschnittliche Zusatzbeitrag auf knapp 2,2 Prozent verdoppelt werden. Bei einem Einkommen von 3.000 Euro würde dies eine jährliche Mehrbelastung von rund 200 Euro für Arbeitnehmer bedeuten.

Die Erhöhung des Zusatzbeitrags 2021 kommt daher nicht überraschend. Im September hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit einem Maßnahmenpaket auf das Krankenkassendefizit reagiert. Dieses sah bereits ein Anpassung des Beitrags vor. Es „ergibt sich ein Anstieg des durchschnittlichen Zusatzbeitrages für das Jahr 2021 um 0,2 Beitragssatzpunkte auf 1,3 Prozent“, zitierte damals der Spiegel aus dem Papier.

Nun wurde der Zusatzbeitrag durch die Bekanntgabe im Bundesanzeiger am 30. Oktober 2020 offiziell gemacht.

Mehr Geld für den Gesundheitsfonds

Das Paket beinhaltet einerseits eine Erhöhung des Bundeszuschusses. Zusätzliche fünf Milliarden Euro will das Finanzministerium an den Gesundheitsfonds überweisen. Der Zuschuss summiert sich 2021 somit auf 19,5 Milliarden Euro.

Andererseits werden die Krankenkassen stärker in die Pflicht genommen, ihre Rücklagen abzubauen. Insgesamt acht Milliarden Euro mehr sollen in den Gesundheitsfonds fließen. Konkret plant Spahn Kassen einzuspannen, deren Rücklagen sich zum 30. Juni auf mehr als 0,4 Monatsausgaben belaufen haben. Rund 66 Prozent der darüberhinausgehenden Summe sollen in den Fonds überführt werden.

Mit Blick auf die Finanzlage der Krankenkasse im ersten Halbjahr wird dies vor allem die Ersatzkassen treffen. Ihr Plus belief sich auf 908 Millionen Euro. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) verbuchten 320 Millionen Euro und die Innungskrankenkassen 46 Millionen Euro.

Zusatzbeitrag steigt 2021 von 1,1 auf 1,3 Prozent

Der höhere Bundeszuschuss und die stärkere Einbindung der Krankenkassen sollen Spahns Vorschlägen zufolge 13 Milliarden Euro bringen. Die restlichen rund drei Milliarden Euro werden über die Erhöhung des Zusatzbeitrags 2021 finanziert. 2020 lag dieser bei 1,1 Prozent. Mit der Anpassung auf 1,3 Prozent müssen Beschäftigte mit einem Einkommen von 3.000 Euro 36 Euro mehr im Jahr für ihre Krankenkasse einplanen.

Verteuerung der Krankenkassen wahrscheinlich

Der vom Bundesgesundheitsministerium festgelegte durchschnittliche Zusatzbeitrag ist für die Krankenkassen nicht verbindlich. Sie können anhand ihrer Ausgaben- und Einnahmenstruktur individuell festlegen, wie hoch ihr Zusatzbeitrag ist. Dieses Jahr verzichtet beispielsweise die AOK Sachsen-Anhalt komplett auf ihn. Sechs weitere Kassen verlangen um die 0,5 Prozent.

Da die Krankenkassen jedoch nur noch einen geringen Teil ihrer Rücklagen behalten dürfen beziehungsweise diesen für einen niedrigen Beitrag nutzen können, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie ihre Zusatzbeiträge erhöhen werden. Ob und wie stark, wird sich Mitte Dezember zeigen, wenn die meisten Kassen ihre Anpassungen zum Jahreswechsel kommunizieren.

Tipp:

Die eigene Krankenkasse lässt sich unkompliziert wechseln. Welche sich als neue Krankenkasse anbietet, zeigt zum Beispiel ein Blick auf den Vergleichsrechner.