20 Euro Schein in der Hand
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Leitung Newsredaktion

Krankenkasse: Zusatzbeitrag wird 2020 auf 1,1 Prozent steigen

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wird 2020 voraussichtlich steigen – von derzeit 0,9 Prozent auf bis zu 1,2 Prozent. Gleichzeitig relativiert Gesundheitsminister Spahn (CDU) die Beitragserhöhung. Viele Krankenkassen hätten genügend Rücklagen, sodass sie ihren Beitrag stabil halten können.

  • Neuesten Schätzungen von Gesundheitsexperten zufolge sollte der durchschnittliche GKV-Zusatzbeitrag 2020 auf bis zu 1,2 Prozent steigen.
  • Wie das Gesundheitsministerium nun mitgeteilt hat, erhöht sich der Zusatzbeitrag auf 1,1 Prozent
  • Da die Krankenkassen ihren Beitrag jedoch selbst bestimmen können, erwartet Gesundheitsminister Spahn zunächst bleichbleibende Gesundheitskosten für Versicherte.

Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2019

Nach Einschätzung des GKV-Schätzerkreises war erwartet gewesen, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag 2020 ansteigen wird. Während das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesversicherungsamt von einer Erhöhung von 0,2 Prozent ausgingen, nannten die Experten der gesetzlichen Krankenversicherung eine Anpassung um 0,3 Prozent. Somit würde der Zusatzbeitrag 2020 zwischen 1,1 Prozent und 1,2 Prozent betragen.

Wie nun bekannt wurde, folgt das Gesundheitsministerium seiner vorläufigen Schätzung. Es teilt aktuell mit, dass der Zusatzbeitrag 2020 bei 1,1 Prozent liegen wird.

Die gesetzlichen Krankenkassen sind allerdings nicht daran gebunden, dieser Erhöhung zu folgen. Sie können den Zusatzbeitrag mit Blick auf ihre Finanzlage selbst festlegen. In diesem Jahr liegen rund 25 der mehr als 100 Krankenkassen mit ihrem Beitragssatz unter dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag.

Aufgrund der hohen Rücklagen schätzt Gesundheitsminister Spahn, dass die „zu zahlenden Beiträge für sehr viele Versicherte unter dem Strich in 2020 gleich bleiben oder sinken“, teilt er der Deutschen Presse-Agentur mit.

Tipp: Mit dem Krankenkassen-Vergleichsrechner finden Interessierte schnell heraus, welche Krankenkasse einen besonders niedrigen Beitrag hat.

GKV-Verband sieht stürmische Zeiten für die gesetzliche Krankenversicherung

Eine andere Einschätzung der finanziellen Lage hat Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes. „Statt sich angesichts der Anzeichen einer eintrübenden Konjunktur und der demografischen Entwicklung zurückzuhalten, hat der Gesetzgeber eine ausgabenträchtige Reform nach der anderen aufgelegt“, so Pfeiffer. Allein das Terminservicegesetz und das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz kosten den Krankenkassen im kommenden Jahr rund fünf Milliarden Euro.

Eine aktuelle Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung warnt zudem vor dem finanziellen Kollaps der gesetzlichen Krankenversicherung. Stellt die Politik nicht die richtigen Weichen, drohen den Kassen bis 2040 rund 50 Milliarden Euro zu fehlen.

Zusatzbeitrag 2020: Arbeitgeber kritisieren Spahns Gesundheitspolitik

Die Beitragssteigerungen bei den gesetzlichen Krankenkassen schlagen auch den Arbeitsgebern auf das Gemüt. „Was wir jetzt erleben, ist die erste teure Quittung für die Ausgabenpolitik dieser Bundesregierung der vergangenen Jahre im Gesundheitswesen“, sagt Steffen Kampeter von der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) gegenüber dem Handelsblatt. Seit diesem Jahr beteiligen sich die Arbeitgeber am Zusatzbeitrag zu 50 Prozent. Eine Erhöhung würde daher auch sie direkt treffen.

Nur knapp ein Dutzend Krankenkassen könnten 2020 günstiger werden

Für 2020 gehen die Experten davon aus, dass rund ein Dutzend der Krankenkassen ihren Beitrag nach unten anpassen wird. Langfristig dürfte jedoch keine Kasse mehr günstiger werden. „Wenn die Einnahmen aufgrund konjunktureller Schwankungen sinken, werden die Krankenkassen ihre heutigen Beitragssätze auf Dauer nicht halten können“, schätzt Jens Bass, Chef der Techniker, die Lage gegenüber dem Handelsblatt ein. Zu den Versicherten, die zumindest noch 2020 von einem sinkenden Zusatzbeitrag profitieren könnten, zählen Mitglieder einiger AOKs sowie von kleineren Betriebskrankenkassen.