Anja Schlicht
Anja Schlicht

Leitung Newsredaktion

Krankenversicherung im Visier: Kommt die Bürgerversicherung light?

Die SPD ist mit ihrer Forderung nach einer Bürgerversicherung gescheitert. Nun möchte sie auf anderen Wegen die Zwei-Klassen-Medizin beenden, etwa durch einheitliche Arzthonorare für Privat- und Kassenpatienten. Dieser Vorschlag wird jedoch nicht nur von der privaten, sondern auch von der gesetzlichen Krankenversicherung kritisiert. Denn für Kassenpatienten könnte es teuer werden.

Veröffentlicht am 30. Januar 2018



  • Um die Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland abzubauen, strebt die SPD eine Angleichung der Arzthonorare an.
  • Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung warnt jedoch vor höheren Versicherungsbeiträgen, die auf Kassenpatienten zukommen würden.
  • Bis Ende der Woche wollen sich CDU/CSU und SPD auf Eckpunkte in der Gesundheitspolitik geeinigt haben.

Seit Jahren setzt sich die SPD für die Zusammenführung der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung zu einer Bürgerversicherung ein. Bei den aktuellen Koalitionsverhandlungen mussten die Sozialdemokraten dieses Ziel jedoch aufgeben. Dennoch kämpft die Partei in den laufenden Koalitionsgesprächen mit der Union weiter dafür, dass die Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland beendet wird. „90 Prozent der Bürger sind gesetzlich versichert. Wir vertreten bei diesen Verhandlungen also 90 Prozent der Bürger“, betont SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Einheitliche Arzthonorare in der Kritik

Um finanzielle Anreize für eine Besserbehandlung von Privatversicherten zu unterbinden, will die SPD die Arzthonorare für Privat- und Kassenpatienten angleichen. Dieser Vorschlag ruft nicht nur Kritik auf Seiten der Ärzte hervor. So betont Andreas Gassen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, dass „alle Bürger eine qualitativ hochwertige und umfassende Versorgung mit Zugang zu neuesten medizinischen Verfahren haben.“ Auch die gesetzliche Krankenversicherung warnt vor negativen Konsequenzen durch einheitliche Arzthonorare für gesetzlich Versicherte.

Keine Vorteile durch gleiche Honorare

„Die Einführung einer einheitlichen Honorarordnung würde 90 Prozent der Menschen derzeit keinerlei Vorteile bringen, aber die Privatversicherten entlasten“, sagt Johann-Magnus von Stackelberg, Vize-Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbands, der dpa. Die Angleichung der Honorare würde Experten zufolge dazu führen, dass der aktuelle Beitrag für Kassenpatienten von durchschnittlich 15,6 Prozent auf bis zu 16,2 Prozent steigen würde. Er weist darauf hin, dass mehr Geld für die Ärzte nicht automatisch bessere Leistungen für gesetzlich Krankenversicherte bedeuten würde.

Ein Gutachten des PKV-Verbands und der Bundesärztekammer zeigt zudem, dass eine Honorarangleichung weder den Ärztemangel auf dem Land noch lange Wartezeiten beim Arzt für Kassenpatienten bekämpfen würde.

Leistungsunterschiede in der gesetzlichen Krankenversicherung

Die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sind überwiegend vorgeschrieben. Die Kassen haben jedoch Spielraum, um Schwerpunkte etwa bei der Versorgung von Schwangeren, beim Zahnarzt oder beim Heilpraktiker zu setzen. Sind Sie mit den Leistungen Ihrer Krankenkasse unzufrieden, prüfen Sie einen Wechsel zu einer leistungsstärkeren Kasse.

CDU bereit für Zugeständnisse in der Gesundheitspolitik

Auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) steht der SPD-Forderung kritisch gegenüber. Zwar möchte er ebenfalls Verbesserung für gesetzlich Versicherte einführen, jedoch nicht über einheitliche Arzthonorare. Stattdessen stellt der Politiker Zugeständnisse bei der Versorgung im ländlichen Raum, bei den Terminservicestellen und beim schnelleren Zugang zum medizinischen Fortschritt in Aussicht, ohne dabei konkret zu werden.

Von Stackelberg schlägt dagegen eine bessere Bezahlung von Landärzten über ein Vergütungssystem vor. Ärzte in überversorgten Regionen würden demnach Abschläge hinnehmen müssen, mit denen Zuschläge an Medizinern in unterversorgten Regionen finanziert werden.

Noch bis zum 4. Februar 2018 wollen CDU/CSU und SPD ihre Koalitionsgespräche fortführen. Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Sozialdemokraten ihre Forderungen durchsetzen können. In den Sondierungsgesprächen haben sich die Parteien zumindest auf eine paritätische Finanzierung der Krankenversicherungsbeiträge geeinigt. Dies würde Kassenpatienten finanziell leicht entlasten.