Frau schaut zum Fenster raus
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Kritik am Umgang der Berufsunfähigkeits­versicherer mit Corona

Rund 100.000 Menschen mit einer Corona-Infektion wurden bisher intensivmedizinisch behandelt. Selbst wenn die Krankheit keinen schweren Verlauf hat, kann sie Betroffene lange beschäftigen: Wer plant, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, stößt derzeit auf einen Flickenteppich. Denn die Versicherer gehen mit Covid-19 unterschiedlich um.

  • Eine Berufsunfähigkeits­versicherung zahlt in der Regel, wenn der Versicherte zu 50 Prozent berufsunfähig wird.
  • Dies gilt auch, wenn die Ursache eine Corona-Erkrankung ist.
  • Kritiker sehen jedoch Schlupflöcher, mit denen Anbieter die Leistung verweigern könnten.

Je mehr Menschen sich mit dem Corona-Virus anstecken, desto mehr rücken die Konsequenzen der Erkrankung ins Bewusstsein. Neben den gesundheitlichen Folgen von Covid-19, vor allem Langzeitbeschwerden, hat die Erkrankung auch Einfluss auf den künftigen und bestehenden Versicherungsschutz. Zuletzt wurde vor allem die Rolle der Berufsunfähigkeitsversicherer diskutiert und wie diese mit dem Post-Covid-Syndrom beim Versicherungsabschluss umgehen.

Wann leisten die Versicherer bei Berufsunfähigkeit durch Covid-19?

Schon Anfang des Jahres bekräftigte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), dass für Kunden mit einer Corona-Infektion „die ganz normalen Regeln gelten.” Wird ein Versicherter berufsunfähig, zahlt die Versicherung. „Das gilt selbstverständlich auch dann, wenn eine Corona-Erkrankung die Ursache für die Berufsunfähigkeit ist.“

Allerdings weist eine Analyse der Beratungsfirma PremiumCircle darauf hin, dass die Anbieter Schlupflöcher haben. Ist ein Kunde beispielsweise in ein Corona-Risikogebiet eingereist, könnte dies als „absichtliches Herbeiführung der Berufsunfähigkeit“ und somit als Ausschlusskriterium für Zahlungen gewertet werden, berichtet Versicherungswirtschaft Heute.

Zudem wird kritisiert, dass die Versicherungsunternehmen derzeit noch keine angepassten Gesundheitsfragen mit Fokus auf Covid-19 stellen. Somit erhöht sich in den Augen der Beratungsfirma das Risiko von Falschangaben beziehungsweise einer vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung.

Umgang mit der Corona-Infektion unterschiedlich

Beim Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung müssen Verbraucher immer Gesundheitsfragen beantworten. Diese klopfen unter anderem ab, ob es in den vergangenen fünf Jahren ärztliche Behandlungen gab. Dazu zählen auch Fragen zu Atemwegserkrankungen, zu denen Covid-19 zählt. Entsprechend müssen Antragsteller diese angeben, sofern sie daran erkrankt waren.

Je nach Schwere der Krankheit gehen die Versicherer unterschiedlich mit dem Antrag um. Dies hat Finanztip im Rahmen einer Umfrage unter den Anbietern herausgefunden.

  • Symptomfrei: Die Mehrheit der Versicherer arbeitet mit einer vierwöchigen Wartezeit. Danach ist die Aufnahme ohne Risikozuschlag oder Ausschlüsse aufgrund von Corona möglich.
  • Leichter Verlauf: Der Vertrag wird für drei Monate und mehr zurückgestellt. Die Versicherer warten so ab, ob es Spätfolgen durch die Erkrankung gibt.
  • Schwerer Verlauf: Die Rückstellung kann bis zu einem Jahr betragen.

Viele Anbieter einer Berufsunfähigkeitsversicherung nennen erst gar keine pauschalen Zeitspannen. Sie behalten sich vor, jeden Fall individuell zu prüfen.

Tipp:

Bei Vorerkrankungen empfiehlt sich die Unterstützung durch einen Versicherungsexperten. Denn dieser kann bei den Anbietern die Absicherungsmöglichkeiten anonym erfragen. Stellen Verbraucher selbst die Anfrage und es kommt zur Ablehnung oder Rückstellung, können andere Versicherer diese Information über ein gemeinsames Datensystem einsehen. Es wird dadurch nicht leichter, bei einem andern Versicherungsunternehmen einen Vertrag zu bekommen.