Geldscheine auf der Hand
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Lebensversicherung: Was kommt 2021 auf Kunden und Versicherer zu?

Es ist paradox: Obwohl die Garantieverzinsung bei der Lebens- und Rentenversicherung mit 0,9 Prozent sehr gering ist, erfreuen sich Lebensversicherungen mit sogenannter Einmalzahlung derzeit großer Beliebtheit. Ob dieser Trend anhält, wenn der Garantiezins 2021 voraussichtlich auf mindestens 0,5 Prozent sinkt, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Der Markt wird sich wandeln.

  • Lebensversicherungen erfreuen sich trotz geringer Garantieverzinsung großer Beliebtheit.
  • 2021 könnte dies jedoch sein Ende haben, wenn der Garantiezins wie empfohlen auf mindestens 0,5 Prozent gesenkt wird.
  • Viele Versicherer haben sich mit ihren Angeboten bereits neu ausgerichtet.

Mehr als zehn Prozent beträgt das Plus an Beitragseinnahmen, das der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für die Lebensversicherungen 2019 verbucht. Der Löwenanteil entfällt dabei auf Verträge mit Einmalbetrag. Dazu zählen Lebensversicherungen, in die Sparer eine größere Summe auf einen Schlag einzahlen, und solche, die neben den laufenden Beiträgen Sondereinzahlungen ermöglichen. Hier legten die Beitragseinnahmen insgesamt um ein Drittel zu.



Lebensversicherungen im Aufwind

Der GDV sieht in dieser Entwicklung einen „klaren Vertrauensbeweis der Kunden.“ Tatsächlich könnte die garantierte Verzinsung ein Grund dafür sein, warum sich immer mehr Verbraucher für eine Lebensversicherung mit Einmalzahlung entscheiden. Denn auf der Bank nimmt der Wert ihres Vermögens inflationsbedingt ab. Wie Comdirect zusammen mit Barkow Consulting ermittelt hat, verloren die Deutschen zwischen Januar und März 2020 pro Kopf 190 Euro auf ihre Spareinlagen bei den Geldinstituten.

„In den ersten drei Monaten 2020 lagen die Zinssätze für Tages- und Festgelder, Girokonten und Spareinlagen bei durchschnittlich 0,14 Prozent. Die Inflationsrate betrug im Quartalsdurchschnitt 1,64 Prozent. Daraus ergibt sich ein Realzins von minus 1,50 Prozent“, so Comdirect. Mit einem Garantiezins von 0,9 Prozent liegt der Realzins bei den Versicherern zwar auch im Minus. Er kann sich jedoch durch Überschussbeteiligungen noch ins Plus bewegen.

Ein anderer Grund für die wachsende Beliebtheit könnten die Negativzinsen sein, die manche Banken bei hohen Spareinlagen verlangen. Die Sparer legen ihr Geld dann lieber sicher dort an, wo sie noch Zinsen auf ihre Einzahlungen bekommen statt welche zu zahlen.

Garantiezins ab 2021 bei 0,5 Prozent?

Ob der Trend anhalten wird, ist jedoch fraglich. Denn der Garantiezins wird 2021 wohl sinken. Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) hat der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Ende Dezember eine Absenkung auf 0,5 Prozent empfohlen. Grund ist das abrutschende Zinsniveau an den Kapitalmärkten. Die Auswirkungen durch die Corona-Pandemie auf die Aktienmärkte finden bei der Entscheidung der BaFin gegebenenfalls auch Berücksichtigung. Der Garantiezins könnte im kommenden Jahr daher noch niedriger als empfohlen festgesetzt werden.

Schon jetzt haben sich einige Versicherer vom Geschäft mit klassischen Angeboten, also solchen mit Garantieverzinsung, verabschiedet. Jüngstes Beispiel ist die Debeka, die vorerst keine Riester-Renten mehr vertreiben will. Die DAV schätzt, dass bisher noch etwa ein Drittel der rund 80 Lebens- und Rentenversicherer auf klassische Produkte setzt.

Fällt der Zins weiter, werden sich die Anbieter noch stärker auf Angebote mit weniger Garantien und mit größerer Fondsbeteiligung konzentrieren, flexible Produkte sind auf dem Vormarsch. Der Markt steht daher vor einem großen Wandel.

Finanztest: Lebensversicherer kämpfen mit Garantieversprechen

Der Garantiezins heißt eigentlich Höchstrechnungszins und gibt an, wie viel Verzinsung die Versicherer maximal zusagen dürfen. Nur selten unterbieten die Unternehmen die Vorgabe. In der Vergangenheit hat dies dazu geführt, dass sich sehr viele Verbraucher für eine Lebensversicherung mit der damals üblichen Verzinsung von drei oder mehr Prozent entschieden haben.

Heute sorgen diese Garantieversprechen, die bis zum Ende der Laufzeit gelten, für Probleme. Laut Finanztest konnten 13 Lebensversicherer in den Jahren 2016, 2017 und 2018 die Garantieverpflichtungen nicht mit Kapitalerträgen finanzieren. Sie mussten Rücklagen nutzen, was sich negativ auf die Überschussbeteiligung auswirkt. Zu den Unternehmen zählen Barmenia, Ergo, HDI und Debeka – der aktuell viertgrößte Lebensversicherer. Finanztest rät daher dazu, bei der Lebensversicherung nur mit der garantierten Leistung zu planen, um böse Überraschungen zu vermeiden.