Lebensversicherung: Wegen Bewertungsreserven kündigen?

Die klassische Lebensversicherung ist nach wie vor sehr beliebt bei den Deutschen. Doch die Versicherer beteiligen ihre Kunden immer weniger an den Bewertungsreserven. Das ARD-Wirtschaftsmagazin plusminus berichtete am gestrigen Mittwoch, welche Möglichkeiten Kunden jetzt haben, denen die Überschussbeteiligung bei der Lebensversicherung gestrichen wird.

Die Lebensversicherung weiterzahlen oder lieber jetzt kündigen? Diese Frage stellen sich dem ARD-Wirtschaftsmagazin plusminus zufolge gerade immer mehr Deutsche. Viele Lebensversicherer haben in den letzten Jahren die Beteiligung ihrer Kunden an Überschüssen massiv gekürzt oder gar gänzlich gestrichen. Wer künftig nur noch wenig von den sogenannten Bewertungsreserven abbekommt, denkt nicht selten über eine Kündigung seiner Lebensversicherung nach. Doch viele Versicherte wissen einfach nicht, ob sie vielleicht doch mehr Geld herausbekommen, wenn sie ihre Lebensversicherung bis zum Vertragsende weiterführen.

Lebensversicherung: Auf Bewertungsreserven bestehen

Die Lebensversicherer halten sich diesbezüglich bedeckt, berichtet plusminus. Viele Versicherer würden den Anteil an den Bewertungsreserven überhaupt nicht mehr in ihren Mitteilungen ausweisen. Das Magazin hat dazu einen verärgerten Kunden interviewt, dessen jährliche Kündigungsfrist bald abläuft. Sein Versicherer, die Allianz, enthalte ihm jegliche Informationen über den heutigen Rückkaufswert seiner Lebensversicherung vor. Die Entscheidung, ob er jetzt kündigen oder die Lebensversicherung doch besser bis zum Ende laufen lassen sollte, werde ihm dadurch deutlich erschwert. Verbraucherschützer empfehlen betroffenen Kunden, auf die Bewertungsreserven zu pochen.

ARD plusminus: Kommt Gesetzesänderung zur Beteiligung an Bewertungsreserven?

Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg legt ratlosen Kunden mit einer Lebensversicherung nahe, bei ihrem Anbieter nicht locker zu lassen. Die Kunden sollten darauf bestehen, „dass ihnen die Zahlen, die Bewertungsreserven genannt werden“, erklärte die Expertin am gestrigen Mittwoch gegenüber dem ARD-Magazin. Denn nur mithilfe der entsprechenden Zahlen habe ein Versicherter auch eine vernünftige Entscheidungsgrundlage zur Hand. Bislang raten die Verbraucherschützer gerade solchen Kunden von einer Kündigung ihrer Lebensversicherung ab, die kurz vor dem Vertragsablauf stehen. Angesichts einer möglichen Gesetzesänderung könnte eine solche Kündigung jedoch schon bald Sinn machen.

Lebensversicherung: Gekürzte Beteiligung an Bewertungsreserven

Die Versicherungswirtschaft hatte bereits im letzten Jahr versucht, die Kundenbeteiligung an den Bewertungsreserven durch eine gesetzliche Neuerung massiv zu kürzen. Der Versuch, eine entsprechende Gesetzesänderung auf den Weg zu bringen, war zuletzt jedoch aufgrund fehlender Zustimmung im Bundesrat gescheitert. Nach der Wahl wolle man dieses Thema allerdings erneut aufgreifen, bestätigte Peter Schwark vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft gegenüber plusminus. Eine Änderung der aktuellen Gesetzeslage könnte dann dazu führen, dass die Kunden künftig deutlich weniger an den Bewertungsreserven beteiligt werden. Bislang sind die Versicherer jedoch noch dazu verpflichtet, ihre Kunden, die kündigen oder deren Verträge auslaufen, zur Hälfte an den Bewertungsreserven zu beteiligen.