Anja Schlicht
Anja Schlicht

Leitung Newsredaktion

Lebensversicherungsreform: Erste Versicherung kappt Gewinne

Man könnte meinen, die Württembergische Lebensversicherung konnte die Verabschiedung der Lebensversicherungsreform am vergangenen Freitag kaum erwarten. Der Anbieter erklärte noch am gleichen Tag als erster Lebensversicherer, dass er die Gewinne in Form von Dividenden für Aktionäre kappen wird. Auch für Versicherte ist das keine gute Nachricht.

Ja, Deutschland ist Fußball-Weltmeister. Vier Wochen lang hat die Nation gezittert, gefachsimpelt und gejubelt. Doch es wird wieder Zeit, sich anderen Themen als dem Fußball zuzuwenden – etwa der Lebensversicherung. Das ist zwar nicht sonderlich spannend, betrifft aber in Anbetracht der rund 90 Millionen abgeschlossenen Verträge viele Bürgerinnen und Bürger.



Die meisten von ihnen haben wahrscheinlich nicht mitbekommen, dass im Schatten der WM ein Gesetz erlassen wurde, mit dem sie einerseits zwar besser geschützt werden sollen. Andererseits bedeutet es jedoch theoretisch für die Kunden, deren Lebensversicherung bald ausläuft, Einbußen. Denn das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) sieht vor, dass die Versicherer die Beteiligung an den sogenannten Bewertungsreserven unter Umständen streichen dürfen. Diese Reserven haben 2013 und 2014 einen erheblichen Teil der Auszahlungen ausgemacht. Ganz praktisch können diese Überschüsse jetzt für Kunden der Württembergischen Lebensversicherung ausbleiben.

Württembergische nutzt Lebensversicherungsreform und streicht Gewinnbeteiligung

In einer kurzen Meldung kündigt die Württembergische Lebensversicherung (WürttLeben) an, im Zuge der beschlossenen Reform der Lebensversicherung „trotz erwarteter Gewinne bis auf weiteres keine Dividende mehr zu zahlen.“ Mit diesem Schritt wolle das Unternehmen die Eigenkapitalbasis weiter stärken. Es geht also um Stabilisierung, was Sinn und Zwecks des Gesetzes ist. Zwar betonte der Versicherer, dass diese Ausschüttungssperre nur Dividendenzahlungen und somit die Aktionäre betrifft, nicht aber die Garantiezusagen an die Kunden. Doch diese Aussage ist ohne Wert, denn schließlich geht es bei der Reform darum, die Garantiezusagen zu sichern. Viel wichtiger ist die Frage, ob die Württembergische auch die Versicherten in die Pflicht nimmt.

Lebensversicherung: Nachteile für Kunden der Württembergischen zu erwarten

Ob die Beteiligung an den Bewertungsreserven für die Versicherten gekürzt oder komplett gestrichen wird, will die Württembergische Lebensversicherung erst in dieser Woche beantworten. Die „Welt“ berichtet allerdings, dass weniger Bewertungsreserven ausgezahlt werden. Dies entspricht der Logik der Reform, meint auch procontra-online. Schließlich „müssen Ausschüttungen an die Aktionäre nur gesperrt werden, wenn der Lebensversicherer sozusagen vorher die Bewertungsreserven für einen zusätzlichen Sicherungsbedarf benötigt.“

 

 

Alternativen zu Lebensversicherung

Wer trotz oder gerade wegen den Neuregelungen am Abschluss einer Lebensversicherung interessiert ist, sollte schnell handeln oder sich nach Alternativen zur Lebensversicherung umschauen. Denn der Garantiezins wird zum 1. Januar 2015 um 0,5 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent gesenkt.

Kündigung der Lebensversicherung kaum noch möglich

Kunden, deren Lebensversicherung jetzt oder in den nächsten Monaten endet, können nur abwarten, ob und wie stark die Württembergische die Reserven kürzt. Ob sich eine Kündigung lohnt, um sich doch noch die höhere Beteiligung zu sichern, ist schwer zu sagen. Denn wer seinen Vertrag vorzeitig endet, dem gehen Schlussgewinnbeteiligungen verloren. Zumal ist fraglich, ob sich die Lebensversicherung noch rechtzeitig innerhalb der Kündigungsfrist kündigen lässt. Wie das Versicherungsjournal berichtet, ist eine Kündigung in 2014 ohne große Einbußen jedoch durchaus möglich. Wer diesbezüglich Fragen hat, sollte sich an seinen Anbieter oder an einen Fachmann, etwa von der Verbraucherzentrale, richten, ehe mit einer übereilten Kündigung mehr Verluste gemacht werden als ohne.