Geldscheine in Brieftasche
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Leitung Newsredaktion

Mehr Geld für die Rentenversicherung: Gutverdiener sollen einspringen

Wie viel Arbeitnehmer jeden Monat für die gesetzliche Rentenversicherung zahlen, hängt vom Einkommen und Bundesland ab. Aufgrund der sogenannten Beitragsbemessungsgrenze fließen maximal rund 640 Euro in die Rentenkasse. Genau hier will der neue SPD-Chef Walter-Borjans ansetzen und höhere Rentenbeiträge von Gutverdienern verlangen.

  • Der neue SPD-Chef stellt den Beitragsdeckel der Rentenversicherung für Besserverdienende zur Diskussion.
  • Er schlägt zudem vor, dass auch andere Einkommen als das Gehalt für die Beitragsberechnung herangezogen werden sollen.
  • Die Ideen des Sozialdemokraten werden von Experten kritisch gesehen.

Die gesetzliche Rentenversicherung steht vor einer Mammutaufgabe: Es gibt nicht nur immer weniger Beitragszahler, die mit ihren Beiträgen das Altersgeld für immer mehr Rentner zahlen. Zudem setzen politische Vorhaben wie die Rente mit 63 und die Mütterrente die Rentenkasse zusätzlich unter Druck. Über kurz oder lang stellt sich daher die Frage, wie die Rentenversicherung langfristig stabil finanziert wird und so auch noch die heutige Generation auf die gesetzliche Rente vertrauen kann.



Für SPD-Chef Walter-Borjans gibt es in dieser Frage zwei Stellschrauben: „Die Deckelung für hohe Einkommen gehört ebenso auf den Prüfstand wie die Einbeziehung der zunehmenden Einkünfte aus Kapital“, sagt er der Rheinischen Post.

SPD-Chef fordert neue Finanzierung der Rentenversicherung

Derzeit liegt die Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Rentenversicherung bei 6.900 Euro monatlich in den alten Bundesländern und 6.450 Euro in den neuen. Wer beispielsweise 9.000 Euro verdient, zahlt daher dennoch nur einen Rentenbeitrag, als hätte er ein Einkommen von 6.900 Euro beziehungsweise 6.450 Euro. Mit einer höheren Bemessungsgrenze oder gar deren Wegfall würden Besser- und Gutverdiener deutlich mehr in die Rentenkasse einzahlen. Walter-Borjans möchte zudem, dass dabei auch Einkommen aus Kapitalvermögen herangezogen wird.

Walter-Borjans‘ Vorschlag ist zu kurz gedacht

Mehr Geld für die Rentenkasse durch eine Ausweitung des Beitragsdeckels und der Einkommensarten klingt zunächst nach einer guten Idee. Allerdings bedeuten höhere Einzahlungen auch eine höhere Rente. Damit würde „die Rentenlast in der Zukunft unverändert steigen, weil die Besserverdienenden einen größeren Anteil an dem künftig zu verteilenden Kuchen erhalten. Für junge und nachfolgende Beitragszahler wäre damit noch nichts gewonnen“, sagt Dr. Jochen Pimpertz vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Für den Ökonom schwingt in dem Vorschlag zudem die Kappung der Rentenansprüche für Besserverdiener mit, andernfalls ließe sich der Anstieg der Rentenlast nicht begrenzen. „Die gesetzliche Rente würde damit aber zu einem stärker umverteilenden Alterssicherungssystem umgebaut – das Ende der ursprünglichen Sozialversicherungsidee“, so Dr. Pimpertz.

Rentenkommission arbeitet bis März an Ideen zur Sicherung der Rente

Der Vorschlag des SPD-Chefs stellt nur eine von vielen Ideen dar, wie die Rente zukunftsgerecht gestaltet werden kann. Die CSU sieht beispielsweise ein Starter-Kit für die Altersvorsorge vor. Spätestens im März werden weitere Konzepte folgen. Denn dann will die Rentenkommission ihre Ergebnisse zur Sicherung der Rente nach dem Jahr 2025 vorstellen.