Rentner sitzt vor großem Fernseher
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Mehr Rente ab Juli: Zehntausende Rentner werden steuerpflichtig

Mehr als 100.000 Rentner werden durch die Rentenerhöhung im Juli steuerpflichtig. Sie müssen also einen Teil ihrer Rente versteuern. Nicht nur das schmälert ihre Rentenanpassung. Auch die hohe Inflation, steigende Energiekosten und fehlende Entlastungsmaßnahmen vom Staat bringen manche Senioren in finanzielle Schwierigkeiten.

  • Durch die Rentenerhöhung im Juli erhalten die 21 Millionen Rentner mehr Geld.
  • Ein Teil von ihnen muss allerdings bedenken, dass sie dadurch steuerpflichtig werden.
  • Wie viel Steuern sie genau zahlen müssen, hängt unter anderem vom Jahr ihres Rentenbeginns ab.

Im Juli steigen die Renten um 5,35 Prozent in den alten Bundesländern und um 6,12 Prozent in den neuen Bundesländern. Nach der enttäuschenden Rentenanpassung im letzten Jahr bedeutet dies eine spürbare Veränderung auf den Konten vieler Senioren. Rund 100.000 Rentner werden von der Erhöhung jedoch einen Teil ans Finanzamt abgeben müssen. Denn ihr Einkommen übersteigt künftig den Freibetrag, sodass sie steuerpflichtig werden.

Das Bundesfinanzministerium rechnet mit rund 730 Millionen Euro mehr Steuereinnahmen durch die Senioren, berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Befreiung von der Rentenbesteuerung gefordert

Für Sören Pellmann von der Linkspartei stellt die Rentenbesteuerung eine zusätzliche Belastung dar. Denn die Rentner kommen schon beim Entlastungspaket der Regierung zu kurz, weil sie als Nicht-Erwerbstätige keine 300 Euro als Energiepauschale erhalten. Die Senioren seien so „doppelt gekniffen“, sagt der Politiker den Funke-Zeitungen. Er fordert daher, dass „kleine und mittlere Renten gerade angesichts der explodierenden Preise von der Steuer befreit werden sollten.“

Auch die Inflation macht den Verbrauchern zu schaffen. Im April lag sie bei 7,4 Prozent und damit über der Rentenerhöhung im Juli.

Ab welcher Höhe ist die Rente steuerpflichtig?

Bereits jetzt sind sechs der 21 Millionen Rentner steuerpflichtig. Wie hoch dabei die Rentenbesteuerung ist, hängt vom Jahr des Renteneintritts ab. Wer beispielsweise 2010 in Rente gegangen ist, muss 60 Prozent des Altersgeldes versteuern. 2020 sind es 80 Prozent. Der einmal ermittelte Rentenfreibetrag bleibt für das gesamte Rentnerleben gleich.

Solange das Einkommen unter dem Grundfreibetrag von 9.984 Euro (Einzelpersonen) bleibt, werden keine Steuern fällig. Rentner können zu diesem Betrag 102 Euro als Pauschale für Werbungskosten und einen Pauschbetrag von 36 Euro für Sonderausgaben addieren. Der Freibetrag erhöht sich für 2022 somit auf 10.112 Euro.

Dazu ein Beispiel:

Ein Rentner erhält bisher eine Rente von 840 Euro im Monat. Damit bleibt er unter dem Freibetrag (840 Euro mal zwölf Monate sind 10.080 Euro). Durch die Rentenerhöhung im Juli steigt das Altersgeld jedoch im Westen auf 884,94 Euro. Im Jahr sind das 10.619,28 Euro. Damit überschreitet der Senior den Freibetrag um 507,28 Euro.

Diese Summe ist steuerpflichtig – jedoch nur der Anteil, der nach Abzug des Rentenfreibetrags übrig bleibt. Der persönliche Steuersatz bestimmt nun, wie hoch die Einkommensteuer genau ist.

Tipp:

Weitere Informationen finden Interessierte auf unserer Seite zur Rentenbesteuerung.