Leere Brieftasche
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Milliardenschweres Finanzloch: Wird die Krankenkasse 2021 teurer?

Versicherte werden Ende Oktober erfahren, wie hoch der durchschnittliche Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) 2021 ist. Während er sich in den letzten Jahren zwischen 0,9 und 1,1 Prozent bewegt hat, droht im kommenden Jahr ein deutlicher Anstieg. Denn die Corona-Pandemie verursacht ein milliardenschweres Finanzloch bei den Kassen.

  • 2021 droht den Krankenkassen ein Defizit von fast 17 Milliarden Euro.
  • Um dieses zu schließen, müsste sich der durchschnittliche Zusatzbeitrag fast verdoppeln.
  • Die GKV-Spitzenverband fordert daher einen höheren Bundeszuschuss, den die Regierung wohl zwangsläufig auch zahlen muss.

Seit 2015 liegt der allgemeine Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung bei 14,6 Prozent. Hinzu kommt ein Zusatzbeitrag, den jede Krankenkasse selbst festlegt. 2020 schwankt dieser zwischen 0 und 2,7 Prozent.



Jedes Jahr bestimmt zudem das Bundesgesundheitsministerium einen durchschnittlichen Zusatzbeitrag auf Grundlage der Berechnungen des sogenannten GKV-Schätzerkreises. Dieser ist wichtig, da Krankenkassen, die mit ihrem individuellen Zusatzbeitrag darüber liegen, ihre Versicherten aktiv auf die Wechselmöglichkeit zu einer günstigeren Krankenkasse hinweisen müssen.

Krankenkassen brauchen 2021 mehr Geld

Aktuell liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag bei 1,1 Prozent. Dabei wird es 2021 wohl nicht bleiben. Denn bei den Krankenkassen zeichnet sich ein milliardenschweres Defizit ab. Berechnungen des GKV-Spitzenverbands zufolge fehlen den Krankenkassen 16,6 Milliarden Euro, um den Beitragssatz im kommenden Jahr stabil zu halten. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, veranschlagen die Kassen allein rund 3,4 Milliarden Euro für pandemiebedingte Mehrausgaben. Dazu zählen die Kosten für einen Impfstoff, Testungen und die Behandlung mit dem Virus erkrankter Personen.

Zusätzlich gehen die Krankenkassen davon aus, im kommenden Jahr aufgrund von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit weniger Beiträge einnehmen. „Um einen flächendeckenden Anstieg der Zusatzbeiträge im kommenden Jahr zu vermeiden, braucht es für 2021 einen extra Bundeszuschuss für den Gesundheitsfonds“, sagt daher Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes.

Nur wenig Spielraum für Erhöhung des Zusatzbeitrags

Derzeit beläuft sich der Bundeszuschuss auf 14,5 Milliarden Euro. In diesem Jahr hat die Regierung allerdings schon weitere 3,5 Milliarden Euro als Reaktion auf die Folgen der Corona-Pandemie gezahlt.

Ohne höheren Bundeszuschuss müsste sich der durchschnittliche Zusatzbeitrag auf 2,19 Prozent nahezu verdoppeln. Soweit wird es aber wohl nicht kommen. Denn Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, die Sozialabgaben auf maximal 40 Prozent zu deckeln. Bei derzeit

  • 18,6 Prozent für die gesetzlichen Rentenversicherung,
  • 3,05 Prozent für die gesetzliche Pflegeversicherung,
  • 2,4 Prozent für die Arbeitslosenversicherung
  • 14,6 Prozent für die gesetzliche Krankenversicherung und
  • 1,1 Prozent Zusatzbeitrag

summieren sich die Abgaben auf 39,75 Prozent. Somit bleibt eine Differenz von 0,25 Prozent, sodass der durchschnittliche Zusatzbeitrag höchstens auf 1,35 Prozent ansteigen dürfte – vorausgesetzt es kommt zu keiner Erhöhung beim Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenbeitrag.

Durchschnittlicher Zusatzbeitrag für 2021 steht im Oktober fest

Angesichts dieser Vorzeichen bleibt abzuwarten, welche Empfehlung der GKV-Schätzerkreis für den durchschnittlichen Zusatzbeitrag im Oktober aussprechen wird. Dieser gibt anhand der Entwicklungen der Ausgaben und Einnahmen eine Prognose für das kommende Jahr ab. Im vergangenen Jahr waren sich die Experten dabei uneins. Die Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums und des Bundesversicherungsamts setzten sich damals mit der Anpassung auf 1,1 Prozent gegen die Vertreter der gesetzlichen Krankenversicherung durch, die eine Erhöhung auf 1,2 Prozent für zutreffender hielten.