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Mindestbeitrag zur Krankenversicherung: Entlastung für Selbstständige

Mit der neuen Großen Koalition (GroKo) wird die gesetzliche Krankenversicherung für viele Selbstständige künftig günstiger. Denn Union und SPD reduzieren den Mindestbeitrag zur Krankenversicherung. Dies zahlt sich vor allem für Selbstständige mit geringem Einkommen aus. Doch Opposition und Wirtschaftsverbände üben Kritik an den Plänen.

Veröffentlicht am 26. Februar 2018

  • Union und SPD wollen Selbstständige durch einen geringeren Mindestbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung finanziell entlasten.
  • Doch trotz der Anpassungen müssen Selbstständige für den Gesundheitsschutz meist tief in die Tasche greifen.
  • Mit einem günstigen Tarif der privaten Krankenversicherung können sie sich oftmals zu geringeren Beiträgen absichern.

Der Mindestbeitrag bei der gesetzlichen Krankenversicherung steht seit Jahren in der Kritik. Denn dieser beträgt mit den Beiträgen zur Pflegeversicherung aktuell mindestens 422 Euro pro Monat. Eine solche Summe können jedoch nur die wenigsten Selbstständigen schultern. Dies ist einer der Gründe, warum sich die Beitragsschulden bei den Krankenkassen auf einen Milliardenbetrag summiert haben und 2017 bei mehr als sechs Milliarden Euro lagen.

Insbesondere bei Solo-Selbstständigen und Kleinunternehmern reicht das Einkommen oftmals nicht aus, um Monat für Monat teilweise fast die Hälfte davon für den Gesundheitsschutz auszugeben. Union und SPD wollen Selbstständige bei der Krankenversicherung allerdings bald entlasten.

Update 06. Juni 2018: Das Bundeskabinett hat heute dem Gesetzentwurf zum GKV-Versichertenentlastungsgesetz (GKV-VEG) zugestimmt. Dieser sieht neben einer gleich aufgeteilten Finanzierung der Krankenkassenbeiträge zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auch die für viele Selbstständige wichtige Anpassung des Mindestbeitrags vor. Sofern der Entwurf den Bundestag im Oktober problemlos passiert, gilt die Anpassung ab dem 1. Januar 2019.

Update 16. Oktober 2018: Kurz vor der Abstimmung im Bundestag hat sich die Koalition auf eine stärkere Entlastung bei der gesetzlichen Krankenversicherung für Selbstständige geeinigt. Das monatliche Mindesteinkommen soll 2019 auf 1.038 Euro sinken. Dies entspricht dem gleichen Einkommen, das für freiwillig Versicherte herangezogen wird. Der Mindestbeitrag würde dann bei rund 145 Euro im Monat zuzüglich des Zusatz- und Pflegebeitrags liegen.

Update 18. Oktober 2018: Der Bundestag hat dem Gesetz heute zugestimmt.

GroKo senkt die Mindestbemessungsgrenze für Selbstständige

Die Große Koalition hat sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf geeinigt, den Mindestbeitrag zur Krankenversicherung künftig zu halbieren, Ursprünglich sollte dieser inklusive Pflegebeitrag bald nur noch rund 210 Euro pro Monat betragen, da die Mindestbemessungsgrundlage für den Krankenkassenbeitrag von aktuell knapp 2.284 Euro auf 1.150 Euro pro Monat gesenkt werden sollte. Mittlerweile hat sich die Regierung auf eine weitere Absenkung geeinigt.

Vonseiten der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es Zuspruch für das GroKo-Vorhaben. Obwohl den Kassen durch die Anpassung schätzungsweise über 750 Millionen Euro jährlich fehlen dürften, begrüßt der GKV-Spitzenverband die Pläne der Koalitionspartner. So sollten sich alle Kosten zur Sozialversicherung nach der Leistungsfähigkeit der Versicherten richten, betont Florian Lanz vom Verband gegenüber der Welt. Zudem sei die ursprüngliche Annahme für die Mindestbemessungsgrenze, wonach Selbstständige im Regelfall Gutverdiener sind, inzwischen überholt, so Lanz.

Anpassungen des Mindestbeitrags reichen für Kritiker nicht aus

Für den Verband der Gründer und Selbstständigen in Deutschland e.V. ist die geplante Absenkung des Mindestbeitrags zur Krankenversicherung jedoch nur ein Teilerfolg. Zwar zeigt sich der Verband zufrieden damit, dass eine Anpassung vorgesehen ist. Allerdings fordert er eine weitere Reduzierung der Bemessungsgrenze auf maximal 450 Euro, wie es bei Angestellten der Fall ist.

Da die GroKo außerdem eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige vorsieht, sorgt die geplante Absenkung des Mindestbeitrags zur Krankenversicherung in den Augen des Verbands keinesfalls für Entlastung.

Wie sinnvoll ist die private Krankenversicherung für Selbstständige?

Im Zuge der hohen finanziellen Belastung durch die gesetzliche Krankenversicherung kommt bei vielen Selbstständigen die Frage auf, ob eine private Absicherung für sie die günstigere Alternative wäre. Da sich die Beiträge für die private Krankenversicherung (PKV) nicht am Einkommen, sondern vor allem an den Leistungen, am Alter und am Gesundheitszustand des Versicherten orientieren, gibt es keinen festen Mindestbeitrag. Insbesondere junge und gesunde Menschen, die keine besonderen Extraleistungen wünschen, können sich somit oft günstig privat krankenversichern.

Die PKV-Beiträge können allerdings mit zunehmendem Alter ansteigen, weil sich in der Regel auch die Krankheitskosten von Versicherten erhöhen. Für Selbstständige, die über eine private Absicherung nachdenken, ist es daher sinnvoll, sich mithilfe eines Experten über verschiedene Tarife zu informieren. Mit seiner Unterstützung finden Interessierte das für sie persönlich beste Angebot.