Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Mund-Nasen-Schutz: Mittel zum Zweck der Immunisierung?

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, dass der Mund-Nasen-Schutz zu milderen Verläufen oder sogar einer Teilimmunisierung gegen die Infektionskrankheit Covid-19 führt. Alle Fragen zum Thema klärt finanzen.de.

Da aktuell noch keine Impfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 existiert, sind Mundschutzmasken das Mittel der Wahl im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus. Durch das Tragen der Maske verhindert der Träger, dass er beim Sprechen und Atmen Tröpfchen und Aerosole versprüht. Somit senkt er das Risiko für Dritte, sich im Falle seiner Erkrankung bei ihm anzustecken.



US-Mediziner haben nun jedoch Hinweise darauf gefunden, dass der Mund-Nasen-Schutz dem Träger selbst auch Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf bieten kann.

Wie könnte die Maske schwere Erkrankungen abwenden?

Die Infektiologin Monica Gandhi von der Universität von Kalifornien geht davon aus, dass die Mund-Nasen-Bedeckung dank ihrer Filterwirkung die Menge aufgenommener Viren begrenzt. Eine geringere Anzahl an Viren führt demnach zu einer asymptomatischen und weniger schweren Erkrankung.

Das berichtet das Ärzteblatt unter Beruf auf Beiträge im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMp2026913) und im Journal of General Internal Medicine (2020: DOI: 10.1007/s11606-020-06067-8).

Bewiesen sei durch Tierexperimente bereits, dass die Schwere der Krankheit durch die Menge aufgenommener Viren beeinflusst wird.

Welche wissenschaftlichen Experimente untermauern die Annahme?

In einer Studie an Hamstern zum neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 fand ein Luftaustausch zwischen dem Käfig infizierter Hamster und dem gesunder statt. Wurde eine chirurgische Maske als Filter im Lüftungsrohr eingesetzt, sank nicht nur die Anzahl der Infektionen. Selbst im Fall eine Infektion verlief die Erkrankung leichter.

Ein solcher Test mit dem Coronavirus ist am Menschen aus ethischen Gründen zwar undenkbar. Eine Studie zur Schweinegrippe am Menschen untermauert die Annahme jedoch. In einem Labor des US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) in Bethesda wurde dazu getestet, welche Viren-Menge in die Nasen gesunder Probanden gebracht werden muss, um eine Grippe auszulösen. Auch hier wurde die Beziehung aus der Dosis verabreichter Viren und der Wirkung beziehungsweise dem Grad der Erkrankung deutlich.

Wie zu Pockenzeiten – Prinzip der Variolation

Dieses Prinzip einer abgeschwächten Infektion wurde in anderer Form schon vor der Erfindung der ersten Impfung der Geschichte angewendet. Im Kampf gegen Pocken entnahmen Ärzte damals Sekret aus den Pusteln genesener Patienten und rieben damit die Haut gesunder Patienten ein, um sie zu immunisieren. Die damit verursachte Pockenerkrankung verlief zumeist deutlich schwächer.

Diese Methode nennt sich Variolation und war im 18. Jahrhundert von Zentralasien über China und das Osmanische Reich bis hin zu Großbritannien und Kolonien in Nordamerika weit verbreitet. Mit Erfindung der Impfung wurde die Variolation aufgrund höherer medizinischer Risiken und möglicher tödlicher Verläufe nicht mehr durchgeführt.

Zwar würde heutzutage kein Mediziner seine Patienten gezielt dem Risiko einer Covid-19-Erkrankung aussetzen, nur um einen milderen Verlauf oder eine Teilimmunität zu erzielen. Moralisch ist dies nicht vertretbar, zumal aktuell unklar ist, ob und wie lange eine Immunität nach überstandener Erkrankung mit SARS-CoV-2 überhaupt besteht.

Der Mund-Nasen-Schutz hat nach Angaben der US-Experten jedoch vermutlich den gleichen Effekt wie die Variolation. Damit scheint ein weiterer sinnvoller Grund für das Tragen der Maske, abseits der Solidarität und Sorge um die Mitbürger, gefunden.