Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Nasenspray-Impfstoff: Kommt jetzt die Kehrtwende in der Impfkampagne?

Im Kampf gegen Corona spielen Impfungen die entscheidende Rolle. Die Entwicklung von Impfstoffen, die als Nasenspray verabreicht werden, könnte die erlahmende Impfkampagne wieder ankurbeln. Wann ein Einsatz möglich ist und welche Rolle Astrazeneca spielt, klärt finanzen.de.

Die deutsche Impfkampagne geht aktuell nur noch schleppend voran. Trotz zahlreicher Diskussionen um mögliche Einschränkungen für jene, die weder geimpft noch genesen sind, nimmt die Impfbereitschaft weiter ab. 61,7 Prozent der Bevölkerung sind inzwischen vollständig geimpft, aktuell kommen nur noch etwa 180.000 Impfungen pro Tag hinzu. Experten warnen, dass dies zu wenig ist, um eine vierte Coronawelle im Herbst zu verhindern.

Warum Nasensprays zur Corona-Bekämpfung?

Hoffnung bietet nun die Entwicklung einer neuen Generation von Corona-Impfstoffen. Diese sollen nicht mehr intramuskulär in den Oberarm gespritzt werden, sondern über eine Art Nasenspray inhaliert werden. Der Vorteil: Der Impfstoff setzt so lokal an einer signifikanten Übertragungsstelle an. „Das Coronavirus dringt über die Atemwege in den Körper ein und richtet bei einer Erkrankung in der Lunge den größten Schaden an“, erklärt Reinhold Förster, Immunologe von der Medizinischen Hochschule Hannover, gegenüber der Tageszeitung Welt, warum der neue Impfstoff zur Inhalation noch effizienter wirken könnte.

Da auch nach der Impfung Viren weiterhin in Mund und Nase eindringen können, kann es manchmal zur Ausbreitung dieser Viren im Körper kommen. Der Geimpfte ist dann trotzdem ansteckend. Über die Inhalationsimpfstoffe erhoffen sich die Forscher eine sterile Immunisierung. Das bedeutet, dass Geimpfte vermutlich auch nicht mehr infektiös, also für Ungeimpfte ansteckend wären.

Welche Vorteile bringt eine Impfung via Inhalation?

Da über die Inhalation das Immunsystem dort mobilisiert wird, wo die Viren auch eintreten, würden so Geimpfte das Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr verbreiten.
Zudem hoffen Experten auf eine gesteigerte Impfbereitschaft da die Barriere zu einer Impfung über ein Nasenspray geringer sein könnte, als über eine Spritze.

„Ich glaube, wir würden beim Impfen noch besser vorankommen, wenn man den Impfstoff nicht spritzen müsste, sondern als Nasenspray verabreichen könnte”, meint auch Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) gegenüber der Rheinischen Post.

Auch die Verwendung als Booster bei nachlassender vollständiger Impfung ist denkbar. Zudem wäre eine Impfung via Inhalation schneller und auch für Kinder – bei Zulassung versteht sich – leichter einsetzbar.

Gibt es diesen Impfstoff schon?

Gegen Masern wurden Inhalationsimpfstoffe 2015 bereits während einer indischen Studie mit über 2.000 Kindern getestet. Gegen die Grippe ist ein Inhalationsimpfstoff für Kinder sogar schon auf dem Markt, der aber nicht für Erwachsene zugelassen ist. Insgesamt betreten die Wissenschaftler mit dem sogenannten intranasalen Impfstoff aber immer noch Neuland. Laut dem medizinischen Fachmagazin Science werden aktuell sieben Inhalationsimpfstoffe gegen Corona getestet.

Besonders hohe Chancen auf eine Zulassung haben laut Immunologe Förster Vektorimpfstoffe. Als Vakzin zugelassene Vektorimpfstoffe sind beispielsweise jene von Astrazeneca, Johnson & Johnson oder auch Sputnik V. Astrazeneca hat bereits einen Impfstoff zum Inhalieren entwickelt und ist somit ein Hoffnungsträger, zur Beurteilung der Wirksamkeit müssen weitere Studien abgewartet werden. Auch Lebend- oder Totimpfstoffe werden zur Inhalation aktuell getestet. Ihnen rechnet der hannoveraner Immunologe aktuell aber eine geringere Chance zur Wirksamkeit zu.

Die Studien zu den neuen Inhalationsimpfstoffen befinden sich allesamt noch in der frühen Testphase. Mit der Studienphase III, die für eine Zulassung nötig wäre, ist in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen. DGIIN-Präsident Karagiannidis ist sich aber zu den neuen Impfstoffen sicher: „Wir sollten diese Entwicklung maximal fördern!” Er appelliert: „Je höher wir jetzt mit den Zahlen steigen, desto weniger Puffer werden wir haben. (…) Wir müssen den Anstieg im Herbst so weit es geht in die Länge ziehen.”