Geld abheben am Automaten
Jenny Gebel
Jenny Gebel

Online-Redakteurin

Negativzinsen: EZB kündigt Ende der Minuszinsen ab September 2022 an

Sparer und Anleger werden sich gestern über die Nachrichten von der Europäischen Zentralbank gefreut haben. So stellte die EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Anhebung der Zinsen in Aussicht. Auf dem Blog der Zentralbank veröffentlichte sie ein Statement mit konkreteren Angaben. Ab dem Spätsommer soll es aufwärts gehen mit den Zinssätzen.

  • EZB-Chefin Lagarde stellte in einem am Montag veröffentlichten Blogbeitrag eine erste Zinsanhebung ab Juli in Aussicht.
  • Bis etwa Ende September könnten die Zinsen wieder über Null liegen und damit die Ära der Negativzinsen beenden.
  • Ein Grund für die Anhebung der Leitzinssätze sei die hohe Inflation.

Eine Zinserhöhung wird schon seit längerer Zeit diskutiert. Bisher war sie jedoch mehr Wunschdenken und kein Zukunftsplan. Am gestrigen Montag (23.05.22) äußerte sich Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), jedoch in einen Blogbeitrag auf der Website der EZB recht konkret zu einer Zinswende der EZB. Demnach erwartet Lagarde, dass die EZB auf ihrer Sitzung im Juli 2022 die Anhebung der Zinssätze ermöglichen könne. Nach aktuellen Annahmen könne die Zentralbank „wahrscheinlich in der Lage sein, die negativen Zinssätze bis zum Ende des dritten Quartals zu beenden.“ Das würde das Ende der Negativzinsen ab Ende September bedeuten.

Zinswende bei der EZB: Bye, Bye Negativzinsen?

Welche Leitzinsen die EZB anheben möchte, geht aus den aktuellen Aussagen noch nicht hervor. „Der“ Leitzins, also der Hauptrefinanzierungszins, liegt seit 2016 bei 0 Prozent. Er ist für Banken wichtig, denn er bestimmt den Zinssatz, zu dem sich die Banken bei der EZB Geld beschaffen können.

Für Sparer ist jedoch der Einlagenzins interessanter. Dieser liegt bei der EZB aktuell bei minus 0,5 Prozent. Der negative Zinssatz hat zur Folge, dass Banken und Sparkassen ein sogenanntes Verwahrentgelt an die Zentralbank zahlen müssen, wenn sie Geldbeträge bei der Zentralbank einlagern. Viele Kreditinstitute haben diese Kosten mittlerweile an ihre Kunden weitergegeben.

Hohe Inflation als Grund für höhere Zinsen

Lagarde begründet die Entscheidung zur Anhebung der Leitzinsen mit der hohen Inflation. Diese ist im Euroraum innerhalb der letzten Monate von 5,1 Prozent (Januar) auf derzeit 7,4 Prozent angestiegen. Die EZB strebt hingegen an, die Teuerungsrate stabil bei 2 Prozent zu halten. Ist dies gelungen, könnten sich die Zinssätze allmählich wieder auf einen neutralen Stand normalisieren, stellt die EZB-Chefin in Aussicht.

Schritt nach vorn in die richtige Richtung

Bundesbank-Präsident und EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel bewertet Lagardes Ankündigung als „richtigen Schritt, um Unsicherheit zu reduzieren“, wie die WirtschaftsWoche berichtet. Angesichts der hohen Inflation müssten die Zentralbanken „der Konjunktur auch die geldpolitische Unterstützung entziehen.“, erklärte Nagel weiter. Die Erwartung, dass die EZB angesichts der Inflation handelt, ist demnach auch im EZB-Rat sehr hoch.

Was bedeutet die Zinsanhebung für Verbraucher?

Eine Anhebung des Leitzinses bedeutet, dass das Aufnehmen eines Kredites teurer wird. Wer einen Kredit aufnehmen will, muss nach der Zinsanhebung mit höheren Kosten rechnen.

Eine Erhöhung des Einlagenzinses ist für Sparer ein Vorteil. Besonders dann, wenn der Zinssatz wieder im positiven Bereich ist. Denn das bedeutet nicht nur, dass wieder mehr Zinsen für Sparguthaben in Aussicht stehen. Auch das Verwahrentgelt beziehungsweise die Negativzinsen, die viele Banken und Sparkassen von Kunden verlangen, haben dann keine Grundlage mehr.