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Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Negativzinsen: Vielen Kunden droht jetzt die Kündigung

Seit Jahren verlangt die Europäische Zentralbank einen Minuszins dafür, dass Banken Geld bei ihr einlagern. Viele Kreditinstitute geben diese Negativzinsen an Kunden weiter. Zuletzt sind es jedoch nicht nur immer mehr Banken geworden. Auch der Ton wird rauer. Wer nicht zustimmt, dass die Bank die Gebühren erheben darf, muss mit Kündigung rechnen.

  • Bestandskunden, die ihre Zustimmung zu den Negativzinsen verweigern, dürfte bald die Kontokündigung ins Haus fliegen.
  • Auch wenn sich manche Banken noch bedeckt halten, wie sie mit Verweigerern umgehen, scheint der Trend in Richtung Kündigung zu gehen.
  • Der Konflikt zwischen Banken und Kunden könnte sich jedoch im Laufe des Jahres von selbst lösen.

Mehr als ein Drittel der Banken erhebt aktuell Gebühren, wenn Kunden mehr Geld als vereinbart auf ihrem Tagesgeldkonto angespart haben. Werden die Negativzinsen neu eingeführt, müssen Bestandskunden der Anpassung zustimmen. Passiert dies nicht, droht ihnen die Kündigung.

Viele vermögende Kunden haben dies bereits zu spüren bekommen. So hat die Postbank mehreren Personen mit Guthaben über 50.000 Euro das Konto gekündigt. „Die Bankverbindung mit den wenigen Kunden, die nach Abschluss eines mehrstufigen Anspracheprozesses mit uns weder eine passende Anlagealternative noch ein Verwahrentgelt vereinbaren wollten, müssen wir zu unserem Bedauern beenden“, kommentiert ein Deutsche Bank-Sprecher das Vorgehen gegenüber der Tagesschau. Die Postbank ist Teil der Deutschen Bank.

Angebotene Anlagealternativen genau prüfen

Bei der Sparkasse Dortmund sind laut Handelsblatt 15 Kunden betroffen, bei weiteren Banken stehe der Schritt kurz bevor. Wie ein Sprecher der ING der Tagesschau mitteilt, werde die Direktbank „bei einer niedrigen vierstelligen Anzahl von Kunden, die auch nach mehrfacher Erinnerung nicht zugestimmt haben, ihnen im April mit einer angemessenen Frist kündigen.“

Viele Banken versuchen Kunden Alternativen anzubieten. Betroffene sollten diese aber mit Blick auf die Kosten genau prüfen. Um das Verwahrentgelt zu vermeiden, können Sparer auch das Geldinstitut wechseln. Viele von ihnen berechnen keine Strafzinsen, andere bieten hohe Freibeträge.

Wer hofft, die Negativzinsen auf juristischem Weg zu umgehen, kann Glück oder Pech haben. Bislang ist die Rechtslage unklar, sodass die Gerichte mal den Banken, mal den Verbrauchern Recht geben.

Beerdigt die Zinswende der EZB die Negativzinsen?

Nicht nur immer mehr Banken entscheiden sich für Negativzinsen. Auch die Freibeträge sinken zusehends. Teilweise sind die Gebühren bereits ab dem ersten Euro fällig. Die zusätzlichen Kosten werden daher für immer mehr Klein- und Durchschnittssparer zum Problem.

Dieses könnte sich allerdings bald von selbst lösen. Kommt es zu der von Experten erwarteten Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB), dürfte den Kreditinstituten die Grundlage für die Gebührenerhebung fehlen. Denn mit dieser geben die Banken den sogenannten Einlagenzins der EZB weiter. Die Europäischen Zentralbank wollte mit dem Zins erreichen, dass die Banken weniger Geld bei ihr lagern und dieses stattdessen in Form von Kredit weitergeben, um die Wirtschaft anzukurbeln.