Mann umarmt Frau von hinten
Julia Meier
Julia Meier

Content-Managerin

Neue Gesetze im Januar 2020: Das ändert sich für Krankenversicherte

Der Jahreswechsel steht vor der Tür und hält für Millionen Krankenversicherte eine Palette diverser neuer Gesetze im Januar 2020 bereit. Ob Beitragsanpassungen bei der gesetzlichen, freiwilligen oder privaten Krankenversicherung, neue Regelungen beim Masernschutz oder Vorteile bei der Zahnvorsorge: 2020 bringt für Versicherte einige Änderungen, auf die sie vorbereitet sein sollten.

Festzuschuss steigt: Kassen beteiligen sich stärker an Zahnarztkosten

Der Besuch beim Zahnarzt kann unter Umständen sehr teuer werden. Daher empfehlen Krankenkassen eine jährliche Vorsorgeuntersuchung, um böse Überraschungen zu vermeiden. Doch selbst dann kann Karies plötzlich zuschlagen, sodass Zahnersatz notwendig wird. Bisher zahlen die Kassen hier 50 Prozent der Regelversorgung. Ab Oktober 2020 erhöht sich der Festzuschuss für Brücken, Kronen oder Prothesen auf 60 Prozent. Für Patienten, die sich jedes Jahr einen Stempel in ihr Bonusheft setzen lassen und so regelmäßige Vorsorge nachweisen, steigt der Zuschuss sogar auf 70 Prozent (bei fünf Jahren) beziehungsweise 75 Prozent (bei zehn Jahren).



Tipp:

Geringverdiener, also Patienten, deren Bruttoeinkommen die Grenze von 1.274 Euro (bei Alleinstehenden) und 1.751 Euro (bei Ehepaaren) unterschreitet, erhalten von den Krankenkassen 100-prozentigen Zuschuss und müssen die Kosten im Fall von Zahnersatz nicht selbst tragen.

Neue Gesetze zum 1. Januar 2020: Terminservicestellen erhalten einheitliche Rufnummer

Über die sogenannten Terminservicestellen bekamen Patienten bislang Hilfe bei der Suche nach einem Facharzt. In Zukunft soll dieses Angebot noch um die Terminvereinbarung unter einer bundesweit einheitlichen Telefonnummer erweitert werden.

So können Patienten rund um die Uhr unter der 116 117, meist innerhalb der nächsten vier Wochen, einen Arzttermin vereinbaren. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie die Untersuchung beispielsweise bei einem Fach-, Haus-, oder Kinderarzt wünschen. Darüber hinaus wird die Patienten-Hotline wie bisher im Rahmen des ärztlichen Bereitschaftsdienstes auch an den Wochenenden besetzt sein und Versicherten im Not- bzw. Akutfall weiterhelfen.

Für freiwillig Versicherte: Mindestbeitrag zur Krankenversicherung steigt

Für freiwillig Versicherte, insbesondere Studenten, hält das neue Jahr ebenfalls Änderungen bereit. Derzeit ist es zwar noch so, dass gesetzlich versicherte Studenten ab dem 15. Fachsemester oder einem Alter von 30 Jahren aus der studentischen Krankenversicherung herausrutschen und sich freiwillig versichern müssen. Doch laut Beschluss des Bundeskabinetts entfällt ab 2020 die Grenze der 14 Fachsemester. Eine Nachricht, von der vor allem Langzeitstudierende profitieren können.

Eine zusätzliche Anpassung, die im neuen Jahr auf freiwillig Versicherte zukommt, ist die Erhöhung des Mindestbeitrags für die Krankenversicherung. Dieser steigt 2020 aufgrund der neuen Bezugsgröße für die Sozialversicherungen. Damit zahlen die Versicherten dann nicht mehr wie bislang 145,37 Euro, sondern 148,63 Euro.

Neue Gesetze 2020: GKV-Zusatzbeitrag steigt auf 1,1 Prozent

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wird laut Bundesgesundheitsministerium 2020 um 0,2 Prozent von derzeit 0,9 auf insgesamt 1,1 Prozent angehoben. Als Gründe für die Erhöhung nennt das Ministerium die wachsenden Ausgaben und Investitionen in Verbesserungen der Versorgung und des medizinischen Fortschritts.

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag dient allerdings nur als Orientierungsgröße für die Haushaltsplanungen der Krankenkassen. Wie hoch der individuelle Zusatzbeitragssatz einer Kasse für ihre Mitglieder tatsächlich ausfällt, legt diese selbst fest.

Private Krankenversicherung: Arbeitgeberzuschuss steigt um 4,6 Prozent

Jährlich kommt es zur Anpassung der Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Krankenversicherung entsprechend der durchschnittlichen Lohn- und Gehaltsentwicklung. Im Jahr 2020 liegt sie bei 56.250,00 Euro beziehungswiese 4.687,50 Euro monatlich. Zusammen mit dem neuen Zusatzbeitrag ergibt sich für kommendes Jahr ein neuer maximaler Arbeitgeberzuschuss für Privatversicherte.

Wer als Angestellter privat krankenversichert ist, kann sich 2020 über einen höheren Zuschuss durch den Arbeitgeber freuen. Denn dieser steigt um 4,6 Prozent, also maximal 376,97 Euro im Monat. Auch der Arbeitgeberbeitrag zur privaten Pflegeversicherung steigt an. Hier erhalten Privatversichert einen monatlichen Zuschuss von maximal 71,48 Euro.

Vor Masern schützen: Impfpflicht tritt ab März 2020 in Kraft

Zur bundesweiten Eindämmung der Masernfälle greift ab dem 1. März 2020 das Gesetz zur Masern-Impfpflicht in Kindergärten und Schulen. Um Kinder, aber auch Angehörige und Lehrer oder Betreuer vor der Erkrankung zu schützen und damit eine Ausbreitung zu verhindern, müssen Eltern vor Kindergarten- oder Schulbeginn eine Impfung gegen Masern nachweisen.

Des Weiteren umfasst die Impfpflicht alle Gesundheits- und Gemeindeeinrichtungen. Damit schließt sie auch das Personal der Kindergärten und Schulen, aber auch Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen und Pflegeheimen sowie Mitarbeiter in Unterkünften für Asylbewohner mit ein. Ausschlaggebend für die Debatte um die Einführung der Masern-Impfpflicht war die hohe Anzahl der Erkrankungen im Jahr 2015. Damals berichtete das Robert-Koch-Institut von rund 2.500 Fällen. Besonders häufig trifft es Kinder zwischen ein und vier Jahren und Erwachsene im Alter von 20 bis 39 Jahren.

Digitale Vorsorgemaßnahmen: Krankenkassen übernehmen Kosten für Gesundheitsapps

Im Rahmen des Gesetzes zur digitalen Versorgung können Gesundheitsapps ab 2020 auf Rezept verschrieben und von den Krankenkassen erstattet werden. Damit ist Deutschland weltweit der erste Staat, der diese Neuerung einführt. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht in den digitalen Lösungen eine Möglichkeit, „den Patientenalltag konkret zu verbessern“. Zu den unterstützten Leistungen zählen beispielsweise Tagebücher für Diabetiker oder Apps für Menschen mit Bluthochdruck. Weitere Informationen darüber, welche Gesundheitsapps genau verschrieben werden, erhalten Patienten bei ihrer Krankenversicherung oder beim zuständigen Arzt.

Neben der Übernahme der App-Kosten plant das Gesundheitsministerium weitere Fortschritte im Rahmen der Digitalisierung. So sollen Patienten künftig eine digitale Diagnose erhalten oder über den elektronischen Weg die Krankenkasse wechseln können.