Hände übereinander gelegt
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Neuregelungen 2020: Betriebsrente, Bußgeld, Wohngeld

Das neue Jahrzehnt wurde wie immer mit ordentlichem Rabatz begrüßt. Pünktlich zur Jahreswende gibt es nicht nur Feuerwerksreste wegzufegen, sondern auch jede Menge Neuregelungen, die Verbraucher 2020 in Sachen Rente, Hartz 4 oder auch Mindestlohn beachten müssen.

Neuregelungen ab April 2020: Flüge werden teurer

Ein neues Jahrzehnt beginnt und mit ihm wählen die meisten Deutschen ihre guten Neujahrsvorsätze. Gesündere, vielleicht sogar vegane Ernährung, weniger Plastikverschwendung – umweltfreundliche Ziele stehen bei vielen ganz oben auf der Liste.



Passend dazu werden zum 1. April 2020 die derzeit geltenden Steuersätze auf Flüge erhöht. Die Luftverkehrsteuer auf innereuropäische Ziele steigt um 5,53 Euro auf 13,03 Euro, mittlere Distanzen bis 6.000 Kilometer werden um 9,58 Euro teurer und bei Fernflügen müssen künftig 17,25 Euro mehr gezahlt werden. Damit will die Bundesregierung umweltgerechtes Verkehrsverhalten fördern, die Mehreinnahmen fließen zudem in die Umsetzung des Klimaschutzprogramms bis 2030 ein.

Im Gegenzug wird Bahnfahren schon ab dem 1. Januar günstiger. Statt 19 Prozent werden in Zukunft nur noch 7 Prozent Steuern auf Bahnfahrkarten im Fernverkehr fällig. Die Deutsche Bahn will diese Steuereinsparung eins zu eins an ihre Kunden weitergeben und sieht von einer Preiserhöhung ab, um Bahnfahren attraktiver zu machen.

Das ändert sich in Sachen Altersvorsorge ab 2020

Bis zu 90 Prozent der Aufwendungen für die Altersvorsorge, etwa der Rürup-Rente oder gesetzlichen Rentenversicherung, können 2020 steuerlich abgesetzt werden. Der Anteil steigt jährlich um zwei Prozent, bis er 2025 die 100 Prozent erreicht. Dies gilt jedoch nur bis zu einem Höchstbetrag, der 2020 bei 22.541 Euro für Alleinstehende liegt, Ehepaare und eingetragene Lebenspartner können zusammen 45.082 Euro steuerlich geltend machen.

Mit den Neuregelungen ab 2020 entfällt zudem die sogenannte Günstigerprüfung für Vorsorgeaufwendungen. Diese führte das Finanzamt zwischen 2011 und 2019 durch, damit in der Übergangsphase vom alten zum neuen Steuerrecht die für den Verbraucher vorteilhaftere Variante angewendet wurde.

Auch für Betriebsrentner gibt es 2020 endlich gute News. Mussten sie bisher den vollen Beitrag zur gesetzlichen Krankenkasse von ihrer Betriebsrente zahlen, gibt es ab 2020 nun einen Freibetrag von 159,25 Euro im Monat.

Im Dezember verabschiedete der Bundestag das entsprechende Gesetz. An der Umsetzung hapert es aber vorerst noch. Laut GKV-Spitzenverband werden viele Betroffene erst ab Mitte 2020 mehr Geld monatlich bekommen, da zunächst noch einige organisatorische Hindernisse überwunden werden müssen. Der Anspruch auf die neue Regelung besteht jedoch ab Januar 2020, sodassdie zu viel gezahlten Krankenkassenbeiträge später automatisch zurückgezahlt werden.

Diese neuen Regelungen betreffen 2020 das Arbeitsleben der Deutschen

Arbeitgeber und -nehmer werden im neuen Jahr mit dem niedrigeren Beitrag zur Arbeitslosenversicherung entlastet. Dieser sinkt um 0,1 Prozentpunkte auf 2,4 Prozent. Deutschlandweit werden Arbeitgeber und Angestellte jeweils circa 600 Millionen Euro pro Jahr einsparen.

Außerdem wird ab Januar der Hartz-IV-Regelsatz um 8 Euro auf 432 Euro erhöht. Eine 1,88 prozentige Erhöhung der Bezüge durch das ALG-II steht ebenfalls Paaren, unter 25-jährigen Kindern der Bedarfsgemeinschaft, Jugendlichen und Kindern zu.

Auch der Mindestlohn steigt weiter an. Wurden 2019 mindestens 9,19 Euro pro Stunde gezahlt, sind es im neuen Jahr 9,35 Euro. Ab 1. Januar 2020 geschlossene Azubiverträge müssen im ersten Lehrjahr eine Mindestvergütung von 515 Euro monatlich bieten, diese soll in den nächsten Jahren kontinuierlich steigen. Doch auch je Lehrjahr wird der Mindestlohn angehoben, im zweiten Lehrjahr müssen 18 Prozent mehr gezahlt werden, im dritten steigt der Lohn um 35 Prozent und im vierten Jahr müssen 40 Prozent über der Mindestvergütung gezahlt werden.

So profitieren Familien und Alleinstehende von den neuen Regelungen 2020

Sowohl Alleinstehende als auch Familien und Paare können sich 2020 bei der Einkommenssteuer über höhere Grundfreibeträge freuen. Ledige können 240 Euro mehr steuerfrei verdienen und landen so bei einem Grundfreibetrag von 9.408 Euro. Für Verheiratete bleibt ein Einkommen bis zu 18.816 Euro steuerfrei im neuen Jahr. Auch der höhere Kinderfreibetrag dürfte gut verdienende Familien freudig stimmen, er steigt von 4.980 Euro auf 5.172 Euro an. Eltern können den Freibetrag anstelle des Kindergeldes nutzen.

Dank des Angehörigen-Entlastungsgesetzes müssen ab 2020 nur noch erwachsene Kinder mit einem Bruttojahreseinkommen von über 100.000 Euro Unterhalt für ihre pflegebedürftigen Eltern zahlen. Die Neuregelung zum Elternunterhalt wurde im November 2019 vom Bundestag beschlossen und gilt ab 1. Januar 2020.

Weitere Neuregelungen: Wohngeld, Bußgelder und Garantiezins

Die Wohngeldreform 2020 soll Haushalte mit geringem Einkommen entlasten. Zukünftig werden daher auch mehr Menschen einen Anspruch auf Wohngeld haben. Laut Schätzungen der Bundesregierung wird die Reform rund 660.000 Haushalte, darunter besonders viele Familien und Rentner betreffen. So werden am 1. Januar 2020 die Leistungen von Wohngeldempfängern erhöht. Zugleich werden mehr Haushalte – rund 180.000 – wohngeldberechtigt sein.

Unter Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wird es zudem in 2020 eine neue Straßenverkehrsordnung und damit einen neuen Bußgeldkatalog geben. Die Bundesregierung hat bereits zugestimmt, Mitte Februar ist eine Entscheidung vom Bundesrat zu erwarten. Das Halten in zweiter Reihe wird dann anstatt mit 15 Euro mit 55 Euro bestraft. Bei Behinderung werden sogar 70 Euro fällig und es gibt einen Punkt in Flensburg. Gleiche Bußgelder gelten für das Parken auf Geh- und Radwegen sowie das Halten auf Schutzstreifen. Wer keine Rettungsgasse bildet, fängt sich zu den aktuellen 200 Euro Bußgeld künftig zusätzlich zwei Punkte in Flensburg ein.

In Sachen Lebensversicherungen gibt es auch keine positiven News im neuen Jahr. So bleibt der Garantiezins stabil – seit 2017 bei 0,9 Prozent – für 2021 stehen die Prognosen sogar schlechter. Experten der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) empfehlen dem Bundesfinanzministerium, den Garantiezins 2021 für Neukunden auf 0,5 Prozent zu senken. Einst bekamen Neukunden einen Garantiezins von 4 Prozent zugesichert, inzwischen werden viele Policen sogar ganz ohne Garantiezins abgeschlossen.