Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Nur wenige Brillenträger erhalten neuen Zuschuss zur Sehhilfe

Vor knapp zwei Wochen ist das Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (HHVG) in Kraft getreten. Dadurch haben mehr Menschen mit Sehschwäche Anspruch auf einen Zuschuss der gesetzlichen Krankenkasse zur Sehhilfe. Doch die neuen Regelungen betreffen nur einen sehr kleinen Personenkreis.

Einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach zufolge tragen in Deutschland mehr als 40 Millionen Menschen eine Brille. Sie dürften sich zunächst gefreut haben, als es im Zuge des neuen Gesetzes zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung hieß, dass die gesetzliche Krankenversicherung Sehhilfen künftig besser erstattet. Doch mit rund 1,4 Millionen Menschen profitiert lediglich ein Bruchteil von der Neuregelung. Nur sie erfüllen die Voraussetzungen für die Brille auf Rezept.

Wann zahlt die Krankenkasse einen Zuschuss zur Brille?

Um Geld von der Krankenkasse zu bekommen, müssen Personen mit einer Sehschwäche eine der folgenden Bedingungen erfüllen:

  • Sehschärfe in der Ferne von 30 Prozent oder weniger mit Brille
  • Bei Kurz- oder Weitsichtigkeit benötigt die Sehhilfe mindestens plus/minus sechs Dioptrien
  • Bei Hornhautverkrümmung müssen es mindestens vier Dioptrien sein

„Wer um die ein bis drei Dioptrien korrigieren muss, hat von der Gesetzesänderung leider nichts“, fasst Andreas Bethke, Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, das Ausmaß der Neuregelung laut Süddeutscher Zeitung zusammen.

Ausgaben für die Brille von der Steuer absetzen

Wie hoch der Zuschuss für anspruchsberechtigte Personen ausfällt, ist indes noch nicht geklärt. Denn der GKV-Spitzenverband muss erst bis Ende 2018 das Hilfsmittelverzeichnis überarbeiten. Bis dahin gelten die alten Festbeträge aus dem Jahr 2008. Das Brillengestell müssen Kassenpatienten weiterhin aus der eigenen Tasche bezahlen.

Personen, die die gesamten Kosten ihrer Brille selbst zahlen müssen, haben einerseits die Möglichkeit, die Ausgaben mit einer ambulanten Krankenzusatzversicherung abzufedern. Andererseits besteht die Möglichkeit, die Aufwendungen in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung abzusetzen. Ob diese vom Finanzamt anerkannt werden, hängt von der individuellen zumutbaren Belastungsgrenze ab, die sich am Jahreseinkommen, am Familienstand und an der Anzahl der Kinder orientiert.