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Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Obergrenze für Einlagensicherung sinkt- wann sind Sparer betroffen?

Erstmals wird eine Obergrenze für die freiwillige Einlagensicherung privater Banken eingeführt. Dies ist eine Konsequenz aus der Insolvenz der Bremer Greensill Bank im März des Jahres. Betroffen von der Reform sind vor allem wohlhabende Kunden.

  • Der Bundesverband deutscher Banken führt stufenweise Obergrenzen der Einlagensicherung von Sparguthaben ein.
  • Betroffen sind Unternehmen und wohlhabende Privatkunden.
  • Ab 2023 können maximal drei Millionen Euro je Privatkunde garantiert werden, ab 2030 nur noch eine Million Euro.

Die Insolvenz der Bremer Greensill Bank im ersten Quartal des Jahres kam die privaten Banken teuer zu stehen: Mit fast drei Milliarden Euro musste der Bundesverband deutscher Banken (BdB) Einleger entschädigen. Gesetzlich sind in Deutschland Einlagen nur bis 100.000 Euro pro Sparer geschützt. Zusätzlich zur gesetzlichen Säule der Einlagensicherung gibt es jedoch auch die zweite Säule der freiwilligen Sicherungssysteme.

Die meisten Banken sichern ihre Kunden freiwillig vor weit höheren Verlusten ab, als es der Gesetzgeber tut. Laut dem BdB liegt der Schutzumfang je Kunde privater Banken durchschnittlich bei 750.000 Euro, wobei einige Institute die Einlagensicherung noch für weit höhere Beträge zusagen.

Bei einer Pleite wie bei Greensill werden die Kunden dann aus dem Einlagensicherungsfonds des BdB entschädigt. Künftig wird es für die Entschädigung je Kunde jedoch Höchstgrenzen geben.

Reform mit achtjähriger Übergangsphase

Die Anpassung auf die neuen Grenzen erfolgt stufenweise. So sind ab Januar 2023 noch maximal fünf Millionen Euro je privatem Sparer gesichert, für Unternehmen gilt die Höchstgrenze von 50 Millionen Euro. Ab 2025 beträgt der Schutzumfang für private Kunden dann noch drei Millionen und für Unternehmen 30 Millionen. Finalisiert wird die Reform 2030, wenn für Privatpersonen eine Obergrenze von einer Million und für Unternehmen von zehn Millionen gilt. Zu beachten ist auch, dass Einlagen von Unternehmen bei einer Laufzeit von mehr als zwölf Monaten künftig nicht mehr gesichert sind.

Von der Reform betroffenen sind somit nur wenige Verbraucher. Auch der BdB stellt in seiner Pressemitteilung fest: „Für 98 Prozent der privaten Sparer ändert sich in der Praxis nichts – ihre Einlagen sind weiterhin in voller Höhe geschützt.”

In der Vergangenheit sei ein großer Anteil der Einlagen nicht an private Sparer, sondern professionelle Einleger geflossen. Das will der Bankenverband mit der Reform unterbinden. Christian Sewing, Präsident des BdB, erklärt die Beweggründe: „Wir fokussieren die Einlagensicherung auf ihre Kernaufgabe: Wir schützen diejenigen, die diesen Schutz wirklich benötigen. Mit der tiefgreifenden Reform ziehen wir die Konsequenz aus den Erfahrungen der Schadensfälle in der jüngeren Vergangenheit. Der Fall Greensill markiert hier eine Zäsur.“

Weitere Änderungen für ausländische Niederlassungen und professionelle Einleger

Ab 2023 erfolgt deshalb eine Anpassung des von der Einlagensicherung geschützten Kreises. Professionelle Einleger, wie Investmentgesellschaften, Versicherungen oder öffentlich-rechtliche Anstalten, können ab 2023 nicht mehr auf die Einlagensicherung setzen. Zuvor ausgenommen waren bereits Bund, Länder und Kommunen. Letztere betraf schon bei der Greensill-Pleite die fehlende Einlagensicherung stark.

Weiterhin auf den Schutz ihrer Einlagen zählen können neben privaten Sparern Stiftungen oder etwa Sozialversicherungen. Zukünftig soll die Einlagensicherung jedoch nur noch für Einlagen innerhalb Deutschlands gelten. Wurden die Einlagen über ausländische Niederlassungen von Mitgliedsinstituten eingeworben, gibt es keine Garantie mehr.

Einlagensicherung bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken

Sparkassen, Landesbanken, Landesbausparkassen sowie Genossenschaftsbanken besitzen eigene Sicherheitssysteme und sichern ihre Einlagen nicht über den Einlagensicherungsfonds des BdB ab.

Gerät eine öffentliche Bank in Insolvenz, tritt der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands GmbH (EdÖ) als Entschädigungseinrichtung ein. Dies geschieht in Höhe der gesetzliche garantierten Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Darüber hinaus können öffentliche Banken über den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands e.V. (ESF) freiwillig zusätzliche Einlagen absichern.

Gerät eine Genossenschaftsbank in finanzielle Schieflage, wird sie von den Mitgliedern des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken gestützt.

Keine Einlagensicherung für Aktien, ETFs und Fonds

Für Wertpapiere gilt die Einlagensicherung nicht. Besorgt sein brauchen Anleger deshalb nicht, denn Wertpapiere sind Eigentum des jeweiligen Anlegers. Die jeweilige Depotbank ist nur treuhänderisch tätig, der Anleger kann sein Eigentum also jederzeit zurückverlangen.

Geht eine Bank in Insolvenz, zählen die Wertpapiere der Anleger als Sondervermögen und nicht zur Insolvenzmasse der Bank. Insolvenzverwalter und Gläubiger haben keinen Zugriff darauf. In der Praxis kann der Transfer der Wertpapiere in das Depot einer neuen Bank zwar einigen Aufwand bereit, gesichert ist der Eigentumsanspruch auf die Wertpapiere aber.