Annabell Meyer
Annabell Meyer

Redakteurin

Online-Plattform will flexibles Reisen im Campingbus zugänglich machen

Carsharing, Coworking und Event-Vermietung: Das Prinzip der Sharing Economy wird immer beliebter. Das gilt auch beim Urlaub, sagt Levin Klocker von Yescapa. Über die Plattform können Interessierte sich von privaten Besitzern ein Wohnmobil mieten und sind so flexibel unterwegs. Dagegen profitieren Vermieter von einer neuen Geldquelle.

Veröffentlicht am 18. Februar 2019



Statt einer Pauschalreise mit Hotel und Co. möchten viele Urlauber lieber flexibel mit dem Wohnmobil unterwegs sein. Doch ein eigener Camper ist teuer – vor allem, wenn er nur wenige Tage im Jahr für den Urlaub genutzt wird.

Hier setzt die Wohnmobil-Vermietung Yescapa an. Die Online-Plattform bringt Wohnmobil-Besitzer mit potenziellen Mietern zusammen. Das bietet für beide Seiten Vorteile. Während Mieter einen entspannten Urlaub verbringen können, decken Vermieter ihre laufenden Kosten für den Camper ab oder verdienen sich sogar noch etwas dazu. Wie genau das Prinzip der Plattform funktioniert, erklärt Levin Klocker von Yecapa im Interview mit finanzen.de.

Wie kam es zu der Idee, Yescapa zu gründen und wie ist bisher die Resonanz auf Ihren Service?

Levin Klocker: Ganz nach dem Motto „Teilen ist das neue Haben“ findet der gemeinschaftliche Konsum immer mehr Freunde. Seit der Gründung 2012 sind wir stetig expandiert und heute die größte private Camper-Sharing Plattform in Europa.

Unsere Community aus Campingfans besteht aktuell aus rund 250.000 Nutzern aus aller Welt. Der Gedanke, attraktive Ressourcen – in unserem Fall Campingfahrzeuge – nicht ungenutzt brach liegen zu lassen, sondern mit anderen Reisenden zu teilen, stößt auf eine durchaus positive Resonanz. Momentan zählen wir über 6.500 Wohnmobile und Camper in Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Großbritannien und Deutschland.

Ihre Plattform bietet Wohnmobilvermietungen in ganz Europa an. Lassen sich im Hinblick auf die Nachfrage in einzelnen Ländern bestimmte Trends erkennen?

Levin Klocker: Allein im Jahr 2018 verzeichneten wir über 100.000 Miettage. Besonders erwähnenswert ist dabei die klare Tendenz der deutschen Reisenden, die am liebsten in Europas Süden fliegen und vor Ort in der Sonne einen Campingbus oder ein Wohnmobil mieten: 2018 buchten 56 Prozent aller deutschen Mieter ein Wohnmobil in Spanien oder Portugal. Der vergleichsweise geringe Anteil von 22 Prozent Buchungen in Deutschland unterstreicht die klare Tendenz der Deutschen, direkt am Reiseziel einen Camper zu mieten.

Gibt es bestimmte Voraussetzungen für Vermieter sowie die jeweiligen Wohnmobile, um Ihre Plattform zu nutzen?

Levin Klocker: Wir prüfen von allen Nutzern diverse Dokumente. Bei den Vermietern sind es etwa der Fahrzeugschein und die aktuelle HU-Bescheinigung, bei Mietern wiederum der gültige Führerschein der entsprechenden Fahrzeugklasse sowie ein je nach Land variierendes Mindestalter.

Oberste Priorität ist, dass jede Vermietung versichert ist und alle Voraussetzungen für unsere Partnerversicherungen erfüllt sind. Wir arbeiten in jedem Land mit entsprechenden Versicherungen zusammen.

Welche Risiken bestehen für Vermieter? Was passiert zum Beispiel, wenn ein Mieter einen Schaden am Wohnmobil verursacht?

Levin Klocker: Zunächst unterzeichnen Mieter und Vermieter einen Mietvertrag mit Übergabe- und Rückgabeprotokoll. Darin werden etwaige Vorschäden festgehalten, sodass die Verantwortlichkeiten klar definiert werden können. Zusätzlich schicken wir im Schadensfall einen Gutachter, der sich die Schäden ansieht und diese dokumentiert.

Wenn der Mieter einen Schaden verursacht, hat er einen Selbstbehalt zu zahlen, der Rest der Reparaturkosten wird von der Versicherung übernommen. So kommen auf den Vermieter keine Kosten zu. Darüber hinaus erhält der Vermieter bei Reiseantritt vom Mieter eine Kaution, um mögliche Schäden oder eine Verschmutzung des Innenraumes abzudecken.

Warum sollten sich Wohnmobilbesitzer entscheiden, ihr Fahrzeug zu vermieten?

Levin Klocker: Ein Wohnmobil ist mit sehr hohen Anschaffungs- und Erhaltungskosten verbunden. Durchschnittlich werden dafür 53.000 Euro ausgegeben. Trotzdem nutzen es die Eigentümer in der Regel nur rund 70 Tage im Jahr. Die restliche Zeit steht es nutzlos herum. Durch die private Vermietung des eigenen Wohnmobils haben Wohnmobilbesitzer die Möglichkeit, ihre Unterhalts- sowie Erhaltungskosten aufzufangen.

Einige Vermieter machen bei hoher Anfrage sogar Gewinn und nutzen das Camper-Sharing als Geldquelle, etwa um sich ein weiteres Fahrzeug anzuschaffen. Zudem fallen für die privaten Vermieter keine Gebühren bei Yescapa an.

Was unterscheidet Ihren Service von anderen Anbietern wie Campanda?

Levin Klocker: Unser Fokus liegt klar auf der privaten Wohnmobilvermietung. Wir haben zwar auch gewerbliche Vermieter auf unserer Plattform. Der Grundgedanke bleibt aber, dass Privatpersonen zusammenfinden, sich über ihre Erfahrungen austauschen und ihre Wohnmobile teilen. Ein weiterer Unterschied ist die europäische Dimension. Im Vergleich zu anderen Anbietern steht bei Yescapa nicht primär der deutschsprachige Raum im Mittelpunkt. Wir zeichnen einen europaweiten Radius.

Wo sehen Sie Yescapa in fünf Jahren?

Levin Klocker: Unser Ziel ist es, die entschleunigte und flexible Reiseform im Campingbus, Wohnmobil oder Kastenwagen so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen. Daher möchten wir unsere Flotte unter Einhaltung unseres Qualitätsstandards bis in fünf Jahren auf 30.000 Fahrzeuge erweitern und in weiteren Ländern einsteigen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Klocker.