Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Ostern in Corona-Zeiten: Was ist erlaubt, welche Bußgelder drohen?

Ostern ist für viele Deutsche ebenso wichtig wie das Weihnachtsfest. Ist eine Fahrt in die Heimat zur Familie nun eigentlich verboten? Welche Bußgelder drohen bei Verstößen der Kontakteinschränkungen? Und was ist mit Ausflügen? Diese und weitere Fragen klärt finanzen.de!

Seit gut einem Monat befindet sich – wer kann – im Homoffice, Kontakte zu Menschen außerhalb des eigenen Haushalts sind eingeschränkt und wöchentlich lauscht die Nation neuen Ansprachen der Kanzlerin. Die Kontaktbeschränkungen treffen viele hart, schließlich ist dieses Wochenende Ostern, ein Familienfest. Doch in diesem Jahr wird es für die meisten Deutschen ganz anders ausfallen.



Während Ärztepräsident Klaus Reinhardt gegenüber der Funke Mediengruppe seine Zweifel äußerte, „dass die Deutschen in diesem Sommer schon wieder Urlaubsreisen machen können”, fragen sich viele, was am Osterwochenende erlaubt ist.

Dürfen Verwandte über Ostern besucht werden?

Rausgegangen werden darf allgemein nur, wenn ein sogenannter „triftiger Grund” vorliegt. Dazu zählt der Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zu einem Arztbesuch, um Bedürftigen zu helfen und glücklicherweise auch, um sich die Beine zu vertreten.

Der Besuch von Freunden oder Familie in einer anderen Stadt oder einem anderen Bundesland scheitert über die Feiertage also an dieser Vorgabe. Einzige Ausnahme hiervon sind Elternteile, die zu ihrem in einem anderen Bundesland lebendem Kind fahren oder Lebenspartner. Sie dürfen auch über Bundeslandgrenzen hinaus reisen, um einander zu sehen.

Zudem gelten weiterhin die Kontaktbeschränkungen. Spaziergänge mit einem Verwandten oder Freund sind also wie gewohnt erlaubt. Mehr als zwei Personen dürfen nur zusammen spazieren, wenn sie in einem Haushalt wohnen. Genaue Vorgaben, wie weit man sich von seiner Wohnung entfernen darf, gibt es bis auf in Sachsen nicht. Im Freistaat ist das Umfeld des Wohnbereiches auf 15 Kilometer begrenzt.

Wie sieht es mit Tagesausflügen und Unternehmungen aus?

Tagesausflüge mit dem Auto sind nicht verboten, benötigen aber ebenfalls einen anerkannten Grund. Gerade an touristischen Zielen werden daher vermehrt Kontrollen durchgeführt. Mehr als zwei Personen dürfen nur in einem Auto sitzen, wenn sie zusammenleben. Die Polizei hat zudem vermehrte Kennzeichenkontrollen angekündigt. So ist es in Niedersachsen – und in einigen Gemeinden Hessens – verboten, den Zweitwohnsitz aufzusuchen. Entsprechende Hinweise finden sich nach Angaben der Behörden häufig am Ortseingang.

Da bundesweit Übernachtungen zu touristischen Zwecken verboten sind, müssen auch Ausflüge mit dem Camper vermieden werden. Campingplätze sind ohnehin geschlossen und Kontrollen sehr wahrscheinlich. Auch für Dauercampern ist eine Übernachtung nicht erlaubt, das Betreten des Campingplatzes hingegen schon.

Ähnlich sieht es für Motorradtrips aus. Liegt kein triftiger Grund, beispielsweise in Form einer Einkaufsfahrt vor, kann es auch hier bei einer Kontrolle zu Problemen kommen.

Anders sieht dies beim Wassersport aus. Kanu oder Bootsfahrten sind erlaubt, die Einhaltung notwendiger Mindest-Abstände wird im Zweifelsfall kontrolliert. Verleihe müssen jedoch geschlossen bleiben.

Appelle an Einsicht und Disziplin

Wer eine Tageswanderung machen möchte, kann dies abseits touristischer Sammelpunkte tun – wenn seine Gemeinde oder sein Bundesland nicht die erlaubte Entfernung vom Wohnbereich begrenzt hat. Josef Klenner, Präsident des Deutschen Alpenvereins, appelliert jedoch an alle Bergsteiger: „Bitte gehen Sie in der momentanen Situation nicht in die Berge.” Bei einem Rettungseinsatz würden die Krankenhäuser und Rettungskräfte in dieser schweren Zeit unnötig extra belastet. Die gleiche Mahnung sprach auch Ingo Roeske von der Wasserwacht Bayern für alle Wassersportler aus, wie die Passauer Neue Presse berichtet.

Der Aufenthalt in Parks zum Ballspiel mit den eigenen Kindern ist wohl grundsätzlich erlaubt, dennoch liegt es stets im Ermessen der örtlichen Polizei, dies zu unterbinden, beispielsweise wenn Mindestabstände nicht eingehalten werden. Grillen und Picknicks im Park sind hingegen untersagt, im eigenen Garten jedoch erlaubt.

Welche Bußgelder drohen bei Nichteinhaltung der Vorschriften?

Die Mehrzahl der Bundesländer hat inzwischen eigene Bußgeldkataloge für Verstöße gegen die Corona-Regelungen eingeführt. Im Zweifel lohnt es, online nach dem Katalog der Region zu suchen. Bundesländer, die bisher keinen eigenen Bußgeldkatalog erstellt haben, bestrafen Regelverstöße nach dem Infektionsschutzgesetz. Danach können Bußgelder in Höhe von bis zu 25.000 Euro verhängt werden, auch Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren sind möglich.

Die Höhe der Bußgelder schwankt von Bundesland zu Bundesland. So müssen Gruppen von mehr als zwei Personen, die nicht in einem Haushalt leben, in Berlin mit Bußgeldern zwischen 50 und 500 Euro rechnen. In Hamburg werden für diesen Verstoß 150 Euro fällig, ebenso in Mecklenburg-Vorpommern. Im Saarland, Rheinland-Pfalz und NRW kostet dieser Verstoß 200 Euro.

Sachsen-Anhalt hat auch Bußgelder für Touristen aus anderen Bundesländern in Höhe von 400 Euro vorgesehen. Über die Feiertage soll dies besonders stark kontrolliert werden. Bei Verstößen gegen das Bewirtungsverbot oder das Verbot von Übernachtungsangeboten werden in Hessen bis zu 5.000 Euro fällig, in Brandenburg wiederum müssen Ladenbesitzer, die ohne Ausnahmegenehmigung öffnen, mit Strafen zwischen 1.000 und 10.000 Euro rechnen. Bei Wiederholungstätern sogar mit bis zu 25.000 Euro.

Was muss bei Einreise nach Deutschland beachtet werden?

Neu sind die saftigen Bußgelder von bis zu 25.000 Euro für Verstöße gegen die Heimquarantäne nach Einreise aus dem Ausland. Das Bundesinnenministerium erarbeitet derzeit eine Muster-Verordnung, die Einreisende verpflichtet, sich nach Ankunft in Deutschland unverzüglich in eine 14-tägige Heimquarantäne zu begeben. Auch ein Besuchsverbot besteht, Verstöße dagegen sollen mit 150 bis 10.000 Euro geahndet werden. Den Beschluss zu einer zweiwöchigen Quarantäne nach Einreise hatte das Coronavirus-Krisenkabinett am Montag gefasst.

Die Redaktion von finanzen.de wünscht Ihnen trotz der schwierigen Umstände ein schönes Osterfest. Bleiben Sie gesund!