Geldscheine auf der Hand
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Pflegebeitrag steigt für Beamte im Juli 2021 um bis zu 50 Prozent

Höhere Leistungen, mehr Pflegebedürftige, mehr Pflegekräfte – die Pflegereformen der letzten Jahre haben nicht nur den Pflegebeitrag für gesetzlich Krankenversicherte erhöht. Auch privatversicherte Beamte spüren die Reformen nun im Geldbeutel. Denn ihr Beitrag für die Pflegepflichtversicherung steigt zum 1. Juli 2021 deutlich.

  • Bis zu 50 Prozent mehr kostet die Pflegepflichtversicherung künftig für Beamte.
  • Monetär bedeutet dies jedoch nur eine Mehrbelastung von bis zu 15 Euro im Monat.
  • Schuld an der Anpassung haben verschiedene Faktoren.

In Deutschland gilt neben der Krankenversicherungspflicht auch eine Versicherungspflicht für die Pflegeversicherung – für jeden privat und gesetzlich Krankenversicherten. Dazu gibt es die soziale Pflegeversicherung für Kassenpatienten und die Pflegepflichtversicherung für Privatpatienten. In beiden sind die Leistungen auf gleichem Niveau.

In der Pflegepflichtversicherung hat der PKV-Verband nun eine Beitragserhöhung für Beamte angekündigt. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, steigt der Beitrag zum 1. Juli 2021 um bis zu 50 Prozent. Doch was zunächst nach einer immensen Anpassung klingt, liegt finanziell im Bereich des Verkraftbaren. So soll die monatliche Zusatzbelastung zwischen 10 und 15 Euro liegen.

In der sozialen Pflegeversicherung hat sich der Beitrag seit 2016 von 2,35 Prozent auf 3,05 Prozent erhöht, was einer Steigerung von rund 30 Prozent entspricht.

Pflegereformen und Niedrigzins treiben Pflegebeitrag nach oben

Ursächlich dafür, dass Beamte ab Juli 2021 einen höheren Pflegebeitrag zahlen, sind einerseits die jüngsten Pflegereformen. Diese haben zu deutlich höheren Kosten geführt. Laut PKV-Verband sind die jährlichen Leistungsausgaben zwischen 2014 und 2020 von knapp 800 Millionen Euro auf rund 1,5 Milliarden Euro gestiegen.

Andererseits macht die geringere Verzinsung der sogenannten Altersrückstellungen die Beitragserhöhung notwendig. Anders als in der sozialen Pflegeversicherung ist nicht das Einkommen für die Beitragshöhe entscheidend, sondern das Alter, der Gesundheitszustand, die Lebenserwartung und die Höhe dieser Rückstellungen. Sinkt deren Verzinsung, müssen Versicherte mehr Geld in die Pflegeversicherung einzahlen, damit das Niveau ihrer Gesamteinzahlungen gleichbleibt.

Diese Verzinsung ist von ehemals 3,5 Prozent auf nun 2,0 Prozent gefallen.

Beitrag für Pflegepflichtversicherung ist gedeckelt

Der Beitrag für die soziale Pflegeversicherung ist durch die Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt. Maximal zahlen Versicherte somit 147,54 Euro im Monat. Gleiches gilt für Versicherte der Pflegepflichtversicherung, allerdings erst nach fünf Versicherungsjahren. Für beihilfeberechtigte Beamte liegt der monatliche Höchstbeitrag sogar noch niedriger, da sich ihr Dienstherr an den Kosten beteiligt. Sie zahlen maximal 73,77 Euro.

Entsprechend macht der PKV-Verband darauf aufmerksam, dass der Beitrag für die Pflegepflichtversicherung für Beamte selbst nach der Erhöhung im Juli 2021 niedriger ist als in der sozialen Pflegeversicherung. Ein Polizeimeister in Hessen (Besoldungsgruppe A7, Stufe 2) zahlt demnach monatlich rund 20 Euro weniger (48,13 Euro zu 27,27 Euro). Bei einer Gymnasiallehrerin in Sachsen (Besoldungsgruppe A13, Stufe 7) sind es sogar über 75 Euro (110,05 Euro zu 33,33 Euro).

Übrigens:

Ein Wechsel des Anbieters aufgrund der Beitragserhöhung ist bei der Pflegepflichtversicherung nicht sinnvoll. Da es sich um einen sogenannten Verbandstarif handelt, sind die Kosten und Leistungen bei allen Versicherern gleich.