Senioren sitzen im Kreis
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Pflegekosten absichern: Pflege-Bahr bleibt Ladenhüter

Seit 2013 zahlt der Staat einen Zuschuss beim Abschluss einer privaten Pflegeversicherung. Doch der sogenannte Pflege-Bahr läuft auch Jahre nach seiner Einführung den Erwartungen hinterher. Angesichts der Nachteile ist dies nicht verwunderlich. Besorgniserregend ist jedoch die weiterhin geringe Nachfrage im Bereich der Pflegevorsorge.

  • Im vergangenen Jahr haben sich gerade einmal rund 40.000 Menschen für den Pflege-Bahr entschieden.
  • Das Interesse an der geförderten Pflegeversicherung nimmt somit weiter ab.
  • Doch auch Tarife ohne Förderung sind weit von einem Nachfrage-Boom entfernt.

Die geförderte Pflegetagegeldversicherung Pflege-Bahr wurde 2013 eingeführt. Versicherte erhalten dabei einen Zuschuss zum Beitrag von fünf Euro pro Monat. Anfangs kam das neue Angebot gut an: Mitte 2014 verbuchten die Versicherer bereits mehr als 400.000 Kunden. Angesichts dieser Zahlen zeigte sich der PKV-Verband optimistisch, bis Ende 2014 die Marke von einer Million Pflege-Bahr-Verträgen zu knacken.



Doch fünf Jahre später muss sich der Verband weiter gedulden. 2019 beläuft sich die Anzahl auf rund 918.000 Pflegeversicherungen, wie die Euro am Sonntag berichtet. Das sind im Vergleich zum Vorjahr lediglich 40.000 Verträge mehr. Die Nachfrage nach den Pflege-Bahr-Tarifen ist damit weiter rückläufig. Doch auch der Bedarf an privaten Pflegeversicherungen ohne Förderung scheint sich in Grenzen zu halten.

Pflege-Bahr: Überwiegen die Nachteile?

Mit dem Pflege-Bahr wollte die damalige gelb-schwarze Koalition den Menschen die Möglichkeit der Pflegevorsorge geben, die aufgrund von Vorerkrankungen oder anderen Faktoren keine private Pflegeversicherung abschließen können. Denn den Pflege-Bahr kann jeder abschließen. Dies führt jedoch dazu, dass die Kosten teils über den von ungeförderten Tarifen liegen. Zudem ist die Leistungshöhe staatlich vorgeschrieben. Im Pflegegrad 5 bedeutet diese ein Pflegetagegeld von 600 Euro im Monat. Die durchschnittlichen Kosten für ein Pflegeheim betragen nach Abzug der Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung jedoch immer noch über 1.800 Euro, so der PKV-Verband.

Den Vorteil, dass jeder die geförderte Pflegevorsorge nutzen kann, erkauft sich der Pflege-Bahr so über geringere Leistungen und höhere Kosten im Vergleich zu Angeboten ohne Förderung. Es ist daher nachvollziehbar, dass sich im vergangenen Jahr nur wenige Menschen für einen Vertrag entschieden haben.

Bedarf der privaten Pflegevorsorge ist bisher gering

Doch nicht nur der Pflege-Bahr scheint kein Kassenschlager zu werden. Auch die Nachfrage nach privaten Pflegeversicherungen ohne Förderung stagniert. Bis 2018 gab es rund 2,8 Millionen Verträge. Ob die drei Millionen-Marke 2019 überschritten wurde, ist angesichts der Entwicklung in den Vorjahren unrealistisch. Dabei weist selbst die Regierung darauf hin, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten deckt, die bei Pflege anfallen. Ziehen Pflegebedürftige in ein Pflegeheim, müssen sie neben dem Eigenanteil auch die Kosten für die Unterbringung und die Verpflegung zahlen. Die Pflegekasse übernimmt lediglich anteilig die Pflegekosten.

So kommt es immer wieder vor, dass Betroffene nicht nur ihre komplette Rente, sondern auch ihre Ersparnisse für die Pflege ausgeben müssen. Doch viele scheinen das Problem auf die lange Bank zu schieben oder wollen sich nicht mit dem Thema Pflegebedürftigkeit beschäftigen – oder sie sorgen anderweitig vor. In Anbetracht der steigenden Anzahl an Pflegebedürftigen bleibt zu hoffen, dass die Thematik mehr in den Fokus rückt, sodass sich Betroffene und ihre Angehörigen im Ernstfall nicht von den hohen Pflegekosten überfordert fühlen.