Frau mit Stock wird gestützt
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Pflegeversicherung droht schon 2022 teurer zu werden

Kinderlose zahlen seit dem 1. Januar 2022 bereits 0,1 Prozent mehr für die gesetzliche Pflegeversicherung. Doch schon bald könnten für alle Versicherten Beitragserhöhungen betroffen sein. Denn die Finanzierung der Pflegekasse ist „auf Kante genäht“, warnt der GKV-Spitzenverband.

  • Die Reserven der Pflegeversicherung sind aufgebraucht.
  • Damit drohen die Beiträge schon im ersten Halbjahr 2022 zu steigen.
  • Ein höherer Steuerzuschuss könnte dem entgegenwirken.

Schon vor Beginn der Corona-Pandemie stand die Finanzierung der gesetzlichen Pflegeversicherung auf unsicheren Beinen, bedingt durch die Leistungsverbesserungen der letzten Jahre sowie den demografischen Wandel und der dadurch steigenden Anzahl an Pflegebedürftigen. Doch Corona hat die Finanzlage verschärft. So übernahm die Pflegeversicherung in den vergangenen zwei Jahren zusätzliche Kosten für die Pflegeheime, damit diese durch Corona-Mehrausgaben nicht in Schieflage geraten.

Beitragserhöhung von 0,3 Prozent notwendig

Die zusätzliche Belastung führt nun zu einem erheblichen Defizit. Der GKV-Spitzenverband geht davon aus, dass die Pflegekassen 2021 zwei Milliarden Euro mehr ausgegeben als eingenommen haben. Im vergangenen Jahr konnte das Minus noch durch Rücklagen ausgeglichen werden. Doch diese sind nun aufgebraucht.

Entsprechend „auf Kante genäht“ startet die Pflegeversicherung ins neue Jahr. Dabei stehen 2022 Mehrausgaben von rund fünf Milliarden Euro an, etwa für eine bessere Bezahlung von Pflegekräften. Nach dem derzeitigen Konstrukt ließen sich diese nur über höhere Eigenanteile für Pflegebedürftige finanzieren. Diese liegen allerdings jetzt schon bei durchschnittlich 2.125 Euro pro Monat, so der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Gernot Kiefer, gegenüber der „Rheinischen Post“.

„Wenn nichts passieren sollte, dann wird bereits im ersten Halbjahr eine Beitragserhöhung von 0,3 Prozentpunkten notwendig sein, um die Finanzierung sicherzustellen“, warnt Kiefer.

Pflegeversicherung soll mehr Steuergelder bekommen

Angesichts der Finanzlage der Pflegeversicherung ist der politische Handlungsdruck groß. Vonseiten Bündnis 90/Die Grünen ist bereits klar, in welche Richtung es gehen muss: „Die Kostensteigerungen waren absehbar und gehen auf verschiedene Ursachen wie den medizinischen Fortschritt und eine älter werdende Gesellschaft zurück. Aber auch darauf, dass den Versicherten Kosten aufgeladen wurden, die eher der Bund über Steuermittel hätte zahlen müssen. Gesamtgesellschaftliche Aufgaben dürfen nicht länger der Versichertengemeinschaft aufgebürdet werden, sie müssen durch Steuermittel finanziert werden“, fordert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Maria Klein-Schmeink.

Erst seit diesem Jahr erhalten die Pflegekassen einen regelmäßigen Steuerzuschuss von einer Milliarde Euro.

Auch gesetzliche Krankenversicherung knapp bei Kasse

Das Geld ist nicht nur in der gesetzlichen Pflegeversicherung knapp. Auch die gesetzlichen Krankenkassen stehen unter Finanzierungsdruck, obwohl sie dieses Jahr fast 30 Milliarden Euro Steuergeld bekommen. Wird für 2023 nicht nachgesteuert, steigt der Krankenkassenbeitrag im kommenden Jahr um fast ein Prozent, mahnt die Vorstandsvorsitzenden des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Schon jetzt hat rund jede fünfte Kasse ihren Zusatzbeitrag für 2022 erhöht. Nur noch eine Krankenkasse kann mit ihrem Beitrag unter 15 Prozent bleiben.