Annabell Meyer
Annabell Meyer

Redakteurin

Pflegeversicherung: Millionen Menschen vertrauen auf private Vorsorge

Bundesweit gibt es derzeit etwa 3,5 Millionen Verträge für eine private Pflegeversicherung. Das sind 60 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Doch die Zahl der Vorsorgenden wird Experten zufolge noch weiter steigen. Denn die gesetzlichen Pflegeleistungen reichen ohne private Vorsorge meist nicht aus. In der Pflege sind daher weiterhin Verbesserungen nötig, auch beim Pflegepersonal.

Veröffentlicht am 4. Januar 2018

  • Seit 2012 ist die Zahl der abgeschlossenen Verträge für eine private Pflegeversicherung um mehr als die Hälfte gestiegen.
     
  • Die zusätzliche Absicherung ist laut Experten unverzichtbar, damit sich Pflegebedürftige vor hohen Pflegekosten schützen.
     
  • Um aus den verschiedenen Möglichkeiten zur Vorsorge den passenden Schutz zu finden, empfiehlt sich ein individuelles Angebot zur Pflegeversicherung.

Die Pflege in Deutschland kann an vielen Stellen verbessert werden. Darum hat die Bundesregierung in den letzten Jahren zahlreiche Veränderungen auf den Weg gebracht. Zu den wohl wichtigsten gehört die Umstellung des Pflegesystems von Pflegestufen auf Pflegegrade, die seit rund einem Jahr greift. Der Pflegebedarf wird damit besser erfasst, sodass pflegebedürftige Menschen genau die Pflegeleistungen bekommen, die sie benötigen.

Trotz dieser Veränderungen sichern sich Millionen Menschen zusätzlich mit einer privaten Pflegeversicherung ab. So gibt es derzeit rund 3,5 Millionen bestehende Verträge. Denn oftmals entsteht Pflegebedürftigen eine gravierende Pflegelücke, wenn sie allein auf die gesetzlichen Leistungen vertrauen. Patientenschützer, Versichertenverbände und Politiker fordern darum aktuell weitere Verbesserungen in der Pflege, sowohl für Betroffene als auch für Pflegende.

Immer mehr Menschen sichern sich privat vor hohen Pflegekosten ab

Die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung, die Personen bekommen, wenn sie ihren Alltag nicht mehr ohne Hilfe gestalten können, reichen bei vielen Betroffenen nicht aus, um die tatsächlichen Pflegekosten zu decken. In vielen Regionen Deutschlands sind beispielsweise die Heimkosten weitaus höher als die Zahlungen aus der Pflegekasse. Um gut versorgt zu sein, müssen Pflegebedürftige daher oft selbst tief in die Tasche greifen.

Dieses Dilemma ist in den letzten Jahren offenbar immer mehr Menschen bewusst geworden. Denn die Zahl der Verträge für eine private Pflegeversicherung hat sich laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschlands unter Berufung auf Daten des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) in den vergangenen fünf Jahren um 61 Prozent erhöht. „Das anhaltend starke Wachstum bei den Pflegezusatzversicherungen zeigt: Immer mehr Menschen wissen, dass die gesetzliche Pflegepflichtversicherung nur einen Teil der Kosten für Pflegedienst oder Heim deckt“, betont PKV-Verbandschef Volker Leienbach gegenüber dem Redaktionsnetzwerk.

Vorsorgewillige haben verschiedene Optionen zur privaten Absicherung

Bei rund einem Viertel der 3,5 Millionen bestehenden Verträge handelt es sich um eine staatlich geförderte private Pflegeversicherung, den sogenannten Pflege-Bahr. Dabei erhalten Versicherte einen Zuschuss, wenn sie sich für die private Vorsorge entscheiden. Da die maximalen Leistungen bei diesen Verträgen jedoch meist zu gering ausfallen, um die Pflegelücke tatsächlich schließen zu können, ist der Pflege-Bahr seit Jahren umstritten.

Daneben haben Vorsorgewillige die Möglichkeit, sich über andere Formen der privaten Pflegeversicherung, wie eine Pflegetagegeld- oder eine Pflegekostenversicherung, finanziell abzusichern. Verschiedene Pflegeversicherung Tests geben dabei eine Übersicht über empfehlenswerte Angebote. Die Stiftung Warentest hält beispielsweise in einem aktuellen Vergleich den Abschluss einer Pflegetagegeldversicherung für ratsam.

Tipp: Damit Sie genau die Pflegevorsorge finden, die zu Ihnen und Ihren Wünschen passt, hilft ein individuelles Angebot eines Experten. Wichtig ist, dass Sie sich möglichst umfassend absichern, um vor hohen Pflegekosten geschützt zu sein.

Bessere Versorgung: Einheitliche Regelungen beim Pflegepersonal gefordert

Neben einer guten finanziellen Absicherung ist es wichtig, dass Pflegebedürftige im Pflegefall bestmöglich versorgt werden. Um dies zu gewährleisten, braucht es ausreichend Pflegepersonal. Darum fordert Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz von der künftigen Bundesregierung einen einheitlichen Mindestpersonalschlüssel für Pflegeheime. Je nach Pflegegrad der Bewohner müsste sich beispielsweise in Pflegeheimen mindestens eine Pflegekraft um fünf Pflegebedürftige kümmern. „Liegt eine Einrichtung unter dieser Mindestvorgabe, muss es einen Aufnahmestopp oder sogar eine Schließung geben“, sagt Brysch gegenüber den Stuttgarter Nachrichten. Darüber hinaus fordert er für jeden Pflegebedürftigen eine Aufstockung der gesetzlichen Pflegeleistungen um mindestens 500 Euro pro Monat.

Um mehr Pflegekräfte zu gewinnen, ist nicht nur die Politik gefordert. Vielmehr sieht Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbands, auch die Bundesagentur für Arbeit in der Pflicht. Diese müsse über Qualifizierungsprogramme neue Anreize für Pflegekräfte schaffen, betont er gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.