Pflichtversicherung für Hausbesitzer schon ab 2015?

Kommt die Pflichtversicherung für Hausbesitzer? Rund ein Jahr nach dem verheerenden Hochwasser in Deutschland scheint die Einführung einer Pflicht-Gebäudeversicherung kurz bevor zu stehen. Mehrere Länder haben bereits ihre Zustimmung ausgedrückt, auch das Verbraucherschutz- und Umweltministerium sprechen sich für die Pflichtversicherung aus.

Veröffentlicht am 23. Juni 2014

Eine Pflichtversicherung, die Hausbesitzer nicht nur vor Schäden durch Sturm, Leitungswasser und Feuer, sondern auch Elementarschäden wie Hochwasserschäden schützt, wird immer wahrscheinlicher. Erst vor kurzem hat sich ein Sprecher aus dem Umweltministerium für die Pflichtversicherung fürs Haus ausgesprochen. Nun hat sich die Umweltministerin selbst zu Wort gemeldet. „Für den Hochwasserbereich können Versicherungslösungen Teil eines Gesamtkonzeptes sein, das gleichzeitig mögliche Schäden verringern und die Anreize zur Eigenvorsorge stärken muss“, sagte Barbara Hendricks (SPD) dem Tagesspiegel. Auch Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) findet, dass der Versicherungsschutz gegen Naturgefahren gestärkt werden sollte. Bei seinem Treffen mit den Kollegen aus den Bundesländern am Mittwoch in Rostock könnte daher schon eine richtungsweisende Entscheidung bezüglich der Pflichtversicherung für Hausbesitzer fallen.

Update 12. September 2014: Der Versicherer Ergo bietet nun auch für Häuser in hochwassergefährdeten Gebieten eine Wohngebäudeversicherung an – allerdings mit einem Selbstbehalt von 10.000 Euro. Erst wenn ein entstandener Schaden durch Naturgewalten diese Summe übersteigt, springt die Ergo ein. Bis dahin zahlen Versicherte die Reparaturen aus der eigenen Tasche. Günstig ist die Absicherung zudem nicht, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Bei einer Versicherungssumme von 300.000 Euro liegt der Jahresbeitrag zwischen 1.300 Euro und 1.400 Euro.

Pflichtversicherung für Hausbesitzer: Mehrere Umsetzungen denkbar

Thüringens Justizminister Holger Poppenhäger (SPD) spricht sich seit längerem für eine Pflicht-Gebäudeversicherung aus. Kurz vor dem Treffen bekräftigt der Politiker noch einmal seine Forderungen. Bereits zur Justizministerkonferenz im Herbst wolle man ein Modell vorschlagen, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Dieses könnte staatliche Zuschüsse zur Pflichtversicherung vorsehen, um die Beiträge zu reduzieren. Bisher haben sich viele Hausbesitzer aus finanziellen Gründen gegen eine Absicherung vor Elementarschäden entschieden haben. Eine andere Überlegung wäre es, vier Risikozonen für Gebäude einzuführen, erläutert Angela Kolb (SPD), Sachsen-Anhalts Justizministerin. Hierbei würden die Beiträge für ein Haus im Wert von 330.000 Euro zwischen 100 und 1.600 Euro im Jahr betragen. Auch Sachen-Anhalt drängt auf eine Pflichtversicherung für Hausbesitzer.

Umweltministerium: Pflichtversicherung nur Teil eines Gesamtpakets

Eine Pflichtversicherung für Hausbesitzer ist kein neuer Gedanke. Viele alte DDR-Verträge beinhalten noch den Schutz vor Elementarschäden, wenn auch zu immer höheren Beiträgen. In der nun anschwellenden Debatte müssen neben der konkreten Umsetzung der Pflichtversicherung auch rechtliche und verfassungsrechtliche Fragen geklärt werden. Zudem soll die Pflicht-Gebäudeversicherung bezahlbar bleiben, appelliert Heiko Maas. Umweltministerin Hendricks macht derweil klar, dass die verpflichtende Absicherung für Hausbesitzer nur ein Teil eines Gesamtpakets sein soll. Durch unterschiedliche Schutzmaßnahmen will sie verhindern, dass es erst gar nicht zu Schäden an Haus und Hof durch Hochwasser kommt. Wann und ob das Paket umgesetzt wird, ist bisher unklar.

Ob die Pflichtversicherung nun kommt oder nicht: Hausbesitzer ohne Gebäudeversicherung setzen sich einer großen finanziellen Gefahr aus. Denn Schäden am Haus verursachen leicht hohe Kosten. Hier hilft nur eine Wohngebäudeversicherung. Selbst wer schon abgesichert ist, sollte regelmäßig vergleichen, ob seine Versicherung noch diejenige mit den besten Konditionen ist.

Pflichtversicherung für Hausbesitzer könnte zu steigenden Beiträgen führen

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wird indes nicht müde darauf hinzuweisen, dass eine Pflichtversicherung nicht notwendig ist, da sich 99 Prozent aller Gebäude auch gegen Elementarschäden absichern lassen. Doch nur jedes dritte Haus ist entsprechend versichert. Einige Hausbesitzer verzichten aus Unbekümmertheit auf den Zusatzschutz, andere können sich die Versicherung einfach nicht leisten. Wer dann wegen Hochwasser sein Hab und Gut verliert, ist doppelt bestraft.

Der GDV befürchtet neben steigenden Beiträgen, dass die Eigenverantwortung der Eigenheimbesitzer durch eine Pflichtversicherung geschwächt wird. Zumindest letzteres will die Regierung verhindern. Hendricks stellt daher Überlegungen an, ob „man die Beiträge für Versicherungen an Maßnahmen zur Eigenvorsorge knüpfen kann“, berichtet der Tagesspiegel.