PKV Beitragserhöhung: 2015 herrscht Ruhe vor dem Sturm

Zu einer erheblichen PKV Beitragserhöhung ist es 2015 nicht gekommen. Zwar haben viele Anbieter ihre Beiträge angepasst. Spürbar teurer wurde es für die meisten Versicherten jedoch nicht. Schon im nächsten Jahr könnte sich das allerdings ändern. Seit Monaten wird diskutiert, wie sich drastische Beitragssteigerungen durch Gesetzesänderungen vermeiden ließen.

Veröffentlicht am 11. Juni 2015



Die PKV Beitragserhöhung 2015 ist im Branchendurchschnitt moderat ausgefallen. Viele Anbieter der privaten Krankenversicherung konnten in einem Großteil oder gar allen Tarifen die Prämien für Bestands- und Neukunden stabil halten. Ob sich dieser Trend im nächsten Jahr fortsetzen wird, daran hegen Experten jedoch schon seit geraumer Zeit Zweifel. Der aktuelle Marktausblick zur privaten Krankenversicherung 2015 der unabhängigen Ratingagentur Assekurata befeuert nun die Befürchtungen zu kommenden Beitragsexplosionen. So betrug die PKV Beitragserhöhung 2015 bei den von Assekurata untersuchten Versicherern im Schnitt zwar nur 2,51 Prozent. Ändert sich jedoch nichts an den Niedrigzinsen auf den Kapitalmärkten, wird es in den kommenden Jahren zu spürbaren Beitragsanpassungen kommen.

PKV Beitragserhöhung wäre schon 2015 nötig gewesen

Grund für die PKV Beitragserhöhungen nach 2015 sind unter anderem die derzeitigen gesetzlichen Regelungen. Denn die Versicherungsunternehmen dürfen die Beiträge nur dann erhöhen, wenn ein „auslösender Faktor“ vorliegt. Dies ist der Fall, wenn die Ausgaben für Tarifleistungen deutlich steigen bzw. die Sterbewahrscheinlichkeit sich ändert. Die Veränderung muss dabei bei fünf Prozent liegen, damit der Krankenversicherer eine Prämienanpassung prüfen lassen kann. Die Niedrigzinsen und die dadurch verringerten Erträge der Unternehmen werden indes nicht als auslösender Faktor berücksichtigt.

Keine PKV Beitragserhöhung 2015: Notwendige Anpassungen aufgeschoben

Die engen Rahmenbedingungen bezüglich der Beitragserhöhung haben zur Folge, dass eigentlich notwendige Anpassungen oft längere Zeit aufgeschoben werden müssen und dann umso höher ausfallen. Die Versicherungsgesellschaften wünschen sich deshalb mehr Handlungsspielraum, um Beitragssteigerungen stetig und dafür moderat gestalten zu können. Für 2016 und 2017 dürfte es jedoch bereits für gesetzliche Anpassungen zu spät sein. Vielen Privatpatienten droht hier eine Beitragserhöhung.

Kommt nach 2015 eine PKV Beitragserhöhung? Rückstellungen könnten Folgen abmildern

Die Ratingagentur analysiert in ihrer Untersuchung auch, wie gut die Versicherungsgesellschaften auf die finanziellen Herausforderungen vorbereitet sind. So haben die Unternehmen über die sogenannte Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) die Möglichkeit, notwendige Beitragsanpassungen einzudämmen bzw. zu verhindern. Die Versicherer konnten hier die Rücklagen seit 2010 deutlich erhöhen. Die Quote stieg bis 2013 von 26,2 Prozent auf 37 Prozent. Für das Jahr 2014 rechnet die Assekurata sogar mit einer weiteren Steigerung auf 43 Prozent. Das bedeutet, dass die Krankenversicherung zum jetzigen Zeitpunkt „umfangreiche Potenziale zur Beitragsstabilisierung“ besitzt.

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Was können Versicherte bei einer Beitragserhöhung tun?

Versicherte können etwa durch einen höheren Selbstbehalt ihre monatlichen Prämien reduzieren. Der Wechsel in den Basis- oder Standardtarif der jeweiligen Gesellschaft sollte indes erst als letzte Mittel erwogen werden. Insbesondere die Beiträge im Basistarif, der zudem nur stark reduzierte Leistungen bietet, liegen üblicherweise auf dem Niveau des Höchstbeitrags in der gesetzlichen Krankenversicherung. Im Jahr 2015 sind das immerhin rund 639 Euro monatlich und damit oftmals teurer als die Prämien im Ausgangstarif des Versicherten.

Beitragserhöhung auch bei GKV erwartet

Gerhard Reichl, der Verfasser der Studie, betont: „Nicht nur die PKV, sondern auch die gesetzlichen Krankenkassen stehen aufgrund perspektivisch steigender Zusatzbeiträge vor Finanzierungsherausforderungen.“ Tatsächlich wird erwartet, dass auch gesetzlich Krankenversicherte in den nächsten Jahren mit Beitragssteigerungen rechnen müssen. Nachdem Anfang 2015 der neue Zusatzbeitrag eingeführt wurde, haben die Krankenkassen wieder ein Stück Beitragsautonomie zurückerhalten. Angesichts steigender Ausgaben im Gesundheitswesen werden die meisten Kassen diese aber für Beitragserhöhungen nutzen müssen, um die anfallenden Kosten zu decken.