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Anja Schlicht
Anja Schlicht

Leitung Newsredaktion

PKV-Beitrags­erhöhung: Wie entwickeln sich 2020 die Kosten für die PKV?

In der Krankenversicherung gehören Beitragsanpassungen zum Alltag, egal ob gesetzlich oder privat versichert. In der privaten Krankenversicherung drohen 2020 jedoch deutliche Beitragserhöhungen. Nach und nach zeigen sich nun erste Tendenzen, wie sich die Kosten zum Jahreswechsel entwickeln werden. Für Neukunden verteuern sich die Tarife teils um 50 Prozent.

Zuletzt aktualisiert am 25. November 2019

  • Privatversicherte werden in diesen Tagen über mögliche Beitragsanpassungen ihrer privaten Krankenversicherung zum 1. Januar 2020 informiert.
  • Generell dürfen die Versicherer die Kosten nur unter bestimmten Voraussetzungen anpassen.
  • Dies führt dazu, dass die Beiträge teils sprunghaft ansteigen.

Privatversicherte der Debeka, AXA, Barmenia und vieler anderer Versicherer werden sich 2020 auf höhere Beiträge einstellen müssen. Denn Experten gehen von deutlichen Beitragsanpassungen aus. Der PKV-Verband hat sogar eine Informationsseite veröffentlicht, auf der er Gründe für die Beitragserhöhung 2020 erklärt. Laut Welt am Sonntag teilte er zudem mit, dass knapp die Hälfte der Versicherten von steigenden Beiträgen betroffen ist. In Einzelfällen zahlen sie 2020 über 100 Euro mehr pro Monat.

Ursächlich sind die gesetzlichen Regelungen, wann die privaten Krankenversicherer ihre Prämien anpassen dürfen. Dazu zählt beispielsweise, dass die Leistungsausgaben um mehr als fünf Prozent von den kalkulierten Ausgaben abweichen. „Dieser Schwellenwert wurde nun vor allem aufgrund der gesetzlich beschlossenen Leistungsausweitungen durch die Pflegereformen überschritten“, so der PKV-Verband.

Sind die Kriterien für eine PKV-Beitragsanpassung erfüllt, müssen die Anbieter alle Faktoren, die zur Beitragsberechnung wichtig sind, an das aktuelle Niveau anpassen. Gerade wenn die Voraussetzungen jedoch über mehrere Jahre nicht gegeben sind, kommt es zu sprunghaften Beitragserhöhungen. 2020 ist dies dem PKV-Verband zufolge bei vielen Beamtentarifen der Fall. Aus diesem Grund fordert er seit vielen Jahren, die Regelungen zu ändern. So hätten die Versicherer die Möglichkeit, die Beiträge jedes Jahr moderat anzupassen statt sprunghaft alle paar Jahre.

PKV-Beitragsanpassung 2020: Wo wird die Krankenversicherung teurer?

Viele Personen mit einer privaten Krankenversicherung haben in diesen Tagen Post von ihrem Versicherer erhalten. Laut dem BAP-Guide von Gewa-Comp sehen dabei unter anderem

  • Debeka,
  • AXA,
  • Allianz,
  • SDK,
  • Continentale und
  • Barmenia

PKV-Beitragsanpassungen in verschiedenen Tarifen vor. Bei Debeka steigen 2020 demnach die Beiträge unter anderem in den Tarifen „NW-SB“ und „NG“, hier jedoch nur für Kinder und Jugendliche.

Bei AXA verteuert sich etwa das „EL BONUS-U“-Angebot. Wer noch in einem älteren Bisex-Tarif versichert ist, muss 2020 höhere Prämien für „ECO 1300“, „EL Bonus“ und „EL N“ zahlen.

Bei der Allianz sind von der Erhöhung ebenfalls Bisex-Tarife betroffen, etwa „2000“, „2037“, „AktiMed Best S“ für Männer und Frauen sowie „AktiMed Best 90“ nur für Männer. Bei der SDK steigen dagegen die Kosten für „A103u“ und „A210u“, wobei hier die Anpassung nur für Erwachsene gilt.

Kinder und Jugendliche mit dem Tarif „Economy-U“ von Continentale werden 2020 voraussichtlich mehr zahlen. Gleiches gilt für den Bisex-Tarif „Economy“, wobei sich auch Männer auf eine Beitragsanpassung einstellen müssen.

Bei der Barmenia sind ebenfalls Bisex-Angebote von der Beitragserhöhung 2020 betroffen. So verteuern sich beispielsweise „easyflex dent 1“ und „easyflex dent 2+“ sowie „easyflex start 1“ und „easyflex start 2+“.

Kostenentwicklung in der PKV für Neukunden

Während es nur wenige Informationen zu der PKV-Prämienentwicklung für Bestandskunden gibt, sind die Zahlen des BAP-Guides bei den Neukunden konkreter. Bei den fünf größten privaten Krankenversicherern fallen die Anpassungen unter anderem für diese Tarife wie folgt aus:

Versicherer Tarifname Anpassung
Debeka „NW-SB“ Beitrag steigt
„NW“ Beitrag steigt für Erwachsene
AXA „EL Bonus-U“ Bis zu 17%
„Komfort Zahn-U“ Bis zu 31% für Kinder und Jugendliche
„Vital300-U“ und „Vital900-U” Beitrags­garantie bis 31. Dezember 2020
DKV „BestMed Eco BME / 1” und „BestMed Krankenhaus BMZ1“ Beitrags­garantie bis 31. März 2021
Signal Iduna „Exklusiv 0“ Bis zu 24%, Beitrags­senkung für Kinder und Jugendliche um bis zu 6%
„Esprit M“ Bis zu 5%
„Komfort-Plus 2“ Bis zu 20% für Kinder und Jugendliche, Senkung um bis zu 4% für Erwachsene
Allianz „AMP100U“ Bis zu 5 % für Erwachsene
„AMP70PU“ Senkung um bis zu 5% für Erwachsene
„AMP90U“ Bis zu 9 % für Erwachsene

Die DKV zählt zu den PKV-Versicherern, die ihre Beitragsanpassungen nicht zum Jahreswechsel, sondern unterjährig durchführen. Insofern bleibt abzuwarten, wie sich die Prämien entwickeln werden.

Laut BAP-Guide erfolgt die bisher höchste Anpassung im Tarif „S1“ von LVM für Jugendliche. Hier steigt der Beitrag um 50 Prozent. Auch andere Versicherer sehen in Einzelfällen Anpassungen von 30 Prozent und mehr vor.

Tipp:

Wer zum Jahreswechsel in die private Krankenversicherung wechseln will, sollte angesichts der Kostenentwicklung individuell zugeschnittene Angebote zusammen mit einem Experten prüfen. Dieser kennt sich mit der Prämienentwicklung der Versicherer bestens aus und kann zudem wichtige Tipps geben, worauf es beim Versicherungsabschluss ankommt.

PKV-Beitragserhöhung 2020: Sonderkündigung und Tarifwechsel prüfen

Privatpatienten, bei denen der PKV-Beitrag 2020 steigt, haben ein Sonderkündigungsrecht. Sie können ihren Versicherer binnen zwei Monaten ab Erhalt der Änderungsmitteilung kündigen. Ein Wechsel der Krankenversicherung ist dabei oftmals nur innerhalb des Versicherungsunternehmens sinnvoll. Gehen Privatversicherte zu einem neuen Anbieter, verlieren sie nicht nur einen Teil ihrer sogenannten Altersrückstellungen, sondern müssen sich auch einer neuen Gesundheitsprüfung stellen. Beides führt dazu, dass der Beitrag beim neuen Versicherer nicht günstiger als bisher ausfallen könnte.

Beim Tarifwechsel innerhalb des Anbieters erfolgt keine Gesundheitsprüfung, wenn die neuen Leistungen dem bisherigen Niveau entsprechen, und die Rückstellungen bleiben erhalten. Interessenten sollten daher ihren Versicherer auffordern, ihnen Versicherungsalternativen zur bisherigen Absicherung zuzuschicken.