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Anja Schlicht
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Redaktionsleitung

PKV: Versicherungspflichtgrenze 2021 steigt wohl auf 64.350 Euro

Wollen Angestellte 2021 in die private Krankenversicherung (PKV) wechseln oder dort bleiben, müssen sie dafür mindestens 64.350 Euro brutto im Jahr verdienen. Dies sieht der Referentenentwurf des Bundesarbeitsministeriums vor. Auch andere Grenzen wie die Beitragsbemessungsgrenze sollen steigen.

  • Damit sich Angestellte privat krankenversichern können, müssen sie 2021 genau 150 Euro mehr im Monat verdienen.
  • Die neuen Werte der Sozialversicherung sind zudem für Selbstständige und Versicherte mit einer Rürup-Rente wichtig.

Angestellte müssen im kommenden Jahr voraussichtlich knapp 2.000 Euro brutto mehr als bisher verdienen, um in die private Krankenversicherung zu wechseln. Denn dem Referentenentwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zufolge soll die Versicherungspflichtgrenze 2021 von bisher 62.550 Euro auf 64.350 Euro steigen, berichtet das Versicherungsjournal. Der auch als Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) bekannte Wert gibt somit einen monatlichen Bruttoverdienst von 5.362,50 Euro vor, ab dem der Wechsel in die PKV möglich ist.



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Neue Beitragsbemessungs­grenzen und Versicherungspflicht­grenze für 2021

Anders als bei Beamten, Selbstständigen und Studenten ist der Zugang zur privaten Krankenversicherung für Angestellte mit ihrem Einkommen verknüpft. Dieses muss über der Versicherungspflichtgrenze beziehungsweise Jahresarbeitsentgeltgrenze liegen. Erst dann steht ihnen der Weg in die PKV frei.

Der Wert ist dabei nicht mit der Beitragsbemessungsgrenze zu verwechseln. Diese gibt an, bis zu welchem Einkommen Renten- und Krankenkassenbeiträge fällig werden. Auch diese Grenze wird 2021 voraussichtlich wie folgt steigen:

Beitragsbemessungsgrenze gesetzliche Krankenversicherung (brutto/Jahr)
  • Alt - 56.250 Euro
  • Neu - 58.050 Euro

Ab 2021 wird demnach ein Einkommen von maximal 4.837,50 Euro für die Berechnung des Krankenkassenbeitrags herangezogen. Wer mehr verdient, muss darauf keinen Beitrag zahlen. Der Höchstbeitrag für die Krankenkasse liegt so bei rund 706 Euro zuzüglich Zusatzbeitrag.

Bei der gesetzlichen Rentenversicherung wird zwischen den neuen und alten Bundesländern unterteilt. Hier ergeben sich folgende Werte:

  • Alt - 82.800 Euro
  • Neu - 85.200 Euro

Anpassungen bei der Rürup-Rente

Die neuen Rechengrößen für die Sozialversicherung sind nicht nur für Angestellte wichtig, die sich privat krankenversichern wollen. Auch für bereits PKV-Versicherte ist die neue Versicherungspflichtgrenze relevant. Denn liegen Arbeitnehmer bisher nur knapp über der Grenze, drohen sie 2021 darunter zu fallen. Sie müssen sich dann wieder gesetzlich krankenversichern.

Auch für die private Altersvorsorge sind die Entwicklungen für das kommende Jahr interessant. So orientiert sich die maximale steuerliche Förderung der Rürup-Rente an der Beitragsbemessungsgrenze der knappschaftlichen Rentenversicherung. Demnach könnte der Höchstbeitrag, den Sparer jährlich einzahlen können, von derzeit 25.046 Euro auf 25.787 Euro steigen. Das Finanzamt würde 2021 davon 92 Prozent berücksichtigen, also maximal 23.724 Euro.

Neuer Mindestbeitrag für Selbstständige für die Krankenkasse

Die neuen Werte haben darüber hinaus Einfluss auf den Mindestbeitrag für Selbstständige in der gesetzlichen Krankenversicherung. Dieser orientiert sich an der sogenannten Bezugsgröße. 2021 soll diese von 3.185 Euro monatlich auf 3.290 Euro steigen.

Das würde bedeuten, dass das Mindesteinkommen von 1.061,67 Euro auf 1.096,67 Euro steigt, das die gesetzliche Krankenkasse bei der Beitragsberechnung ansetzt – unabhängig davon, ob Selbstständige weniger verdienen. Der Monatsbeitrag, den sie daher mindestens an ihre Krankenkasse zahlen müssen, erhöht sich somit voraussichtlich von 148,63 Euro auf 153,53 Euro (ohne Krankengeld und ohne Zusatzbeitrag).

Versicherungspflicht­grenze: Lohnentwicklung entscheidend für Anpassung

Die Rechenwerte für die Sozialversicherung werden jedes Jahr angepasst. Grundlage dafür bietet die Lohn- und Gehaltsentwicklung dieses Jahres im Vergleich zum vergangenen Jahr. Im Oktober wird sich das Bundeskabinett mit dem Referentenentwurf beschäftigen, ehe es vom Bundesrat beschlossen wird.