Rentner auf einer Bank
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Pläne der Rentenkommission: Das soll sich bei der Riester-Rente ändern

Knapp zwei Jahre hatte die Rentenkommission Zeit, Vorschläge zu erarbeiten, wie die Rente zukunftssicher gestaltet werden kann. Während die Empfehlungen für die gesetzliche Rente sehr unkonkret bleiben, sieht es für die Riester-Rente anders aus. Hier haben die Experten sehr genaue Vorstellungen, wie die staatlich geförderte Altersvorsorge verbessert werden kann.

  • Um Bürgerinnen und Bürger eine bessere private Altersvorsorge zu ermöglichen, sollten die Zulage und Steuervorteile bei der Riester-Rente steigen.
  • Wichtig ist es zudem, die Kosten zu reduzieren.
  • Auch die betriebliche Altersvorsorge könnte noch besser gefördert werden, so die Rentenkommission.

Die Große Koalition hat sich zum Ziel gesetzt, die Riester-Rente in dieser Legislaturperiode zu reformieren. Denn die private Altersvorsorge hat deutlich an Attraktivität verloren. Zum Teil geht die Zahl der Versicherten sogar zurück. Doch bisher hat sich hier wenig getan. Die nun von der Rentenkommission gemachten Vorschläge könnten daher für neuen Wind sorgen. So lautet eine Maßnahme, die Kinderzulage zu vereinheitlichen. Bisher bekommen Eltern abhängig vom Geburtsjahr des Nachwuchses 185 Euro oder 300 Euro pro Jahr.



Darüber hinaus empfehlen die Experten, die Grundzulage einerseits zu erhöhen und andererseits an die Lohnentwicklung zu knüpfen. So könnte die Zulage dynamisiert werden. Eine Überlegung ist zudem, die Riester-Rente mit der Rürup-Rente zusammenzulegen.

Riester-Rente: Steuerliche Förderung anpassen

Neben Zulagen profitieren Sparer bei der Riester-Rente über Steuervorteile. Die Beiträge können bis zur Grenze von 2.100 Euro im Jahr abgesetzt werden. Sinnvoller wäre es, den Höchstbetrag an die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung zu koppeln und auf vier Prozent zu begrenzen. 2020 würde dies einen Sonderausgabenabzug von rund 3.800 Euro bedeuten. Riester-Sparer könnten demnach 1.700 Euro mehr absetzen, wenn die Regierung der Rentenkommission folgt.

Beitragsgarantie der Riester-Rente lockern

Ein weiterer Vorschlag richtet sich gegen die Beitragsgarantie: Versicherte erhalten mit Rentenbeginn mindestens ihre eingezahlten Beiträge in Form einer privaten Rente ausgezahlt. In Zeiten von Niedrigzinsen führt dieses Versprechen jedoch dazu, dass die Versicherungsunternehmen nur noch in sehr sichere Anlagen mit sehr wenig Rendite investieren können. Die Folge: Die Riester-Rente büßt an Attraktivität ein und immer mehr Unternehmen ziehen sich aus dem Neugeschäft zurück. Zuletzt hat die Debeka dies verkündet.

Der Rentenkommission zufolge sollten die Garantien so gestaltet sein, dass Renditechancen, Sicherheit und Risiko in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. So könnte beispielsweise nur ein bestimmter Prozentsatz der Beiträge garantiert sein oder die gesamte Beitragsgarantie auch erst im Laufe der Auszahlphase erreicht werden.

Kosten senken

Als weitere Stellschraube sieht die Rentenkommission die Kosten der Riester-Rente. Demnach ließen sich die Vertriebskosten mit einer staatlich organisierten Online-Plattform reduzieren. Dort könnten alle Tarife ohne diese Gebühren gelistet werden. Über die Einführung eines Standardprodukts für die Riester-Rente wäre es zudem möglich, die Abschluss- und Vertragskosten zu senken.

Arbeitsminister Heil will bis zum Herbst Vorschläge zur Umsetzung machen

Neben einer Stärkung der privaten Altersvorsorge könnte die Förderung der betrieblichen Altersvorsorge verbessert werden. Derzeit beteiligt sich der Arbeitgeber bei Geringverdienern zwar schon mehr an der Betriebsrente. Dies gilt jedoch nur für Personen, die maximal 2.200 Euro im Monat verdienen. Die Rentenkommission möchte die Grenze gerne dynamisieren, sodass mehr Geringverdiener motiviert sind, betrieblich vorzusorgen.

Abzuwarten bleibt nun, wie Arbeitsminister Heil (SPD) mit dem Maßnahmenkatalog umgeht. Er hat angekündigt, im Herbst konkrete Umsetzungsvorschläge vorzulegen. Unklar ist zudem, wie sich die Corona-Pandemie und die millionenschweren Hilfspakete der Regierung auf die Pläne auswirken.

Höherer Rentenbeitrag für Kinderlose?

Nicht nur die Rentenkommission hat sich Gedanken über die Altersabsicherung gemacht, sondern auch die Junge Gruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Wie die Welt berichtet, fordert sie eine Erhöhung des Rentenbeitrags für Kinderlose. Bei der gesetzlichen Pflegeversicherung ist dies bereits der Fall. Hier zahlen kinderlose Personen über 23 Jahre 0,25 Prozent mehr.

Die Junge Gruppe sieht einen Beitragszuschlag von einem Prozent für kinderlose Paare vor. Bei einem Kind soll immer noch 0,5 Prozent mehr gezahlt werden. Ab zwei Kindern würde der normale Rentenbeitrag vom derzeit 18,6 Prozent gelten.

Die Linke kritisiert den Vorschlag als „komplett unausgegoren.“ Matthias W. Birkwald, rentenpolitischer Sprecher der Fraktion, verwies darauf, dass Kinderlose häufig in Vollzeit beschäftigt sind und „darum schon heute häufig höhere Rentenbeiträge und mehr Steuern zahlen.“