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Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Private Krankenversicherung 2021: Wo es teurer, wo es günstiger wird

Verbraucher, die im kommenden Jahr in die private Krankenversicherung wechseln, müssen dafür mehr Geld einplanen. Viele Versicherer haben für 2021 eine Beitragsanpassung angekündigt. Welche Änderungen bei einigen der größten Anbieter anstehen, zeigt der BAP-Guide des Informationsdienstleisters Gewa Comp.

  • Viele PKV-Tarife werden 2021 für Neukunden teurer.
  • Bei einigen Angeboten sinken die Prämien.
  • Teils profitieren insbesondere Beamte von günstigeren Beiträgen.

Egal ob privat oder gesetzlich krankenversichert: viele Bürgerinnen und Bürger müssen 2021 mehr für ihre Krankenversicherung ausgeben. In der gesetzlichen Krankenversicherung steigt der durchschnittliche Zusatzbeitrag auf 1,3 Prozent, sodass davon auszugehen ist, dass die Krankenkassen ihren individuellen Zusatzbeitrag ebenfalls erhöhen. Für Privatversicherte steigen die Kosten im Schnitt um acht Prozent, bei der Debeka sogar um mehr als 15 Prozent.

Immer mehr private Krankenversicherer geben nun bekannt, wie die Beiträge für Neukunden aussehen – also Personen, die 2021 in die private Krankenversicherung oder den Versicherer wechseln. Alle großen Anbieter schrauben dabei an den Prämien. Die Kosten gehen jedoch nicht für jeden Tarif nach oben, zum Teil wird es auch günstiger. Wie sich die Beiträge für die Vielzahl der größten Versicherer für einige Tarife entwickeln, zeigt eine Übersicht von Gewa Comp.

Wichtig:

Eine Anpassung sollte kein genereller Grund sein, sich gegen den Anbieter zu entscheiden. Denn trotz der Prämiensteigerung ist es möglich, dass sich die Kosten für die private Krankenversicherung im Vergleich zu anderen weiter auf einem niedrigen Niveau bewegen. Hier hilft ein genauer Tarifvergleich mit einem Experten, um die Krankenversicherung mit den persönlich besten Leistungen zum besten Preis zu finden.

Debeka, AXA und Signal Iduna

Die Debeka ist mit Abstand Deutschlands größte private Krankenversicherung mit über 2,4 Millionen Versicherten. Bisher sind hier nur die Anpassungen für Bestandskunden bekannt. Tendenziell können laut Gewa Comp aber auch die Kosten für die Neukunden-Tarife „N“ und „NW“ steigen.

Bei der AXA sind knapp 800.000 Personen privat krankenversichert. Der Versicherer passt 2021 die Beiträge für Erwachsene für „ELBonus-U“ um durchschnittlich sechs Prozent an. Teurer wird zudem „Vital300-U“ für Kinder und Jugendliche. Der Tarifbaustein „KGSU-U“ wird dagegen günstiger.

Bei der Signal Iduna (über 620.000 Versicherte) stehen für die Tarife „Esprit M“ und „Esprit MX“ Anpassungen um die 2 Prozent über alle Altersgruppen an. Bei anderen Angeboten sieht es nicht so moderat aus. Am höchsten fallen die Änderungen bei „Start-Plus“ mit durchschnittlich 16 Prozent und „Komfort 1“ mit zwölf Prozent für Erwachsene aus. Viele Beihilfetarife für Beamte werden dagegen günstiger: in der Spitze für Erwachsene bis neun Prozent.

Allianz, Continentale, BBKK, Generali und Barmenia

Die Allianz mit knapp 600.000 Mitgliedern hat für ihre privaten Krankenversicherungen „AMP100U“ Steigerungen von sieben Prozent, für „AMP90U“ im Schnitt von acht Prozent angekündigt.

Bei der Continentale (fast 400.000 Kunden) verteuern sich 2021 „Comfort-U“ im Schnitt um zehn Prozent, „SP2“ und „SP1“ um die vier Prozent. Bei vielen Beihilfetarifen sinkt der Beitrag dagegen – zum Teil deutlich um mehr als 40 Prozent.

Die Bayerische Beamtenkrankenkasse (BBKK), Generali und Barmenia kommen alle auf rund 300.000 Privatversicherte. Bei der BBKK steigen die Kosten für „CompactPrivat Start 250 A“ um sechs Prozent und für „CompactPrivat Start 900 A“ um elf Prozent.

Die Generali hat nur für „GesundSmart“ eine fünfprozentige Anpassung angekündigt.

Bei Barmenia betreffen die Änderungen unter anderem die „einsAexpert“-Reihe und „einsAexpert+“-Reihe. Hier geht es in der Spitze um bis zu 16 Prozent nach oben. Einige Beihilfetarife für Anwärter werden dagegen günstiger.

HanseMerkur und Hallesche

HanseMerkur verzeichnet rund eine viertel Million Privatversicherte. Neukunden müssen 2021 für den Tarif „KVS1“ bis zu zwölf Prozent mehr zahlen. Bei „KVS3“ sinkt die Prämie dagegen.

Die Hallesche (über 225.000 Versicherte) passt die Beiträge für „NK.Bonus“ und „NK.2“ im Schnitt um sechs bis sieben Prozent an. Beide Tarife schneiden in Tests zur privaten Krankenversicherung häufig sehr gut ab. An ihnen zeigt sich beispielhaft, dass eine Beitragserhöhung generell kein Ausschluss bei der Wahl der Absicherung darstellen muss, wie eingangs erwähnt.

Laut dem Wirtschaftsmagazin Focus-Money kostet „NK.2“ zusammen mit einem Krankentagegeld und der Pflegepflichtversicherung für einen 35-jährigen Angestellten knapp 600 Euro im Monat. Der Arbeitgeber übernimmt davon die Hälfte. Nach der Erhöhung würde der Tarif 642 Euro kosten. Damit zählt das Angebot noch immer zu den günstigsten Top-Tarifen, die das Magazin bewertet hat. Das Beispiel verdeutlicht, wie wichtig der genaue Vergleich verschiedener privater Krankenversicherungen ist.

Warum wird die private Krankenversicherung 2021 teurer?

Die Krankenversicherer können ihre Prämien nicht nach Belieben anpassen, sondern müssen warten, bis sogenannte auslösende Faktoren erreicht sind. Dazu zählt, wenn die Versicherungsleistungen deutlich höher als ursprünglich kalkuliert sind oder sich die Sterbewahrscheinlichkeit ändert. Dadurch können die Beiträge für mehrere Jahre stabil bleiben, ehe der Schwellenwert überschritten wird. Dann müssen alle Kriterien neu bewertet werden, die die Prämienhöhe ausmachen, zum Beispiel die Verzinsung der Altersrückstellungen. So ergibt sich oft ein sprunghafter Anstieg.