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Jenny Gebel
Jenny Gebel

Online-Redakteurin

Private Krankenversicherung: Drastische Beitragserhöhung 2021 angekündigt

Die Debeka, Deutschlands größte private Krankenversicherung, kündigt für Januar 2021 deutliche Beitragserhöhungen um durchschnittlich 17,6 Prozent an. Rund 2,5 Millionen Vollversicherte sind davon betroffen. Auch andere private Krankenversicherer ziehen die Beiträge 2021 an, im Schnitt geht es um rund acht Prozent nach oben.

  • Die Debeka Krankenversicherung wird die Beiträge ab 01.01.2021 um durchschnittlich 17,6 Prozent anheben.
  • Ein wesentlicher Grund für diesen Schritt sei die Niedrigzinspolitik.

Steigende Kosten bei den privaten Krankenversicherungen sind schon lange ein Thema, auch im Hinblick auf die Auswirkungen der Corona-Krise. Die Mitglieder der Debeka haben nun leider Gewissheit: Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, kündigt die private Krankenversicherung eine kräftige Beitragserhöhung 2021 an. Grund dafür ist jedoch nicht die Corona-Pandemie, sondern die Niedrigzinspolitik und erhöhte Leistungsausgaben.

Um durchschnittlich 17,6 Prozent steigen die Prämien bei Deutschlands größter privater Krankenversicherung ab Januar 2021. Experten vermuteten bereits, dass es im nächsten Jahr höhere Beiträge bei den Krankenversicherungen geben wird. Doch mit einer Erhöhung im zweistelligen Prozentbereich hat offenbar niemand gerechnet.

Niedrige Zinsen Grund für Kostenanstieg

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte der Debeka-Vorstand Roland Weber, dass die Versicherung innerhalb der letzten vier Jahre keine Beitragserhöhung vorgenommen hat. Der sprunghafte Kostenanstieg sei unter anderem auf die Kalkulationsgrundlagen zurückzuführen. Auch die Niedrigzinspolitik führt die Versicherung als Begründung für die starke Beitragserhöhung an.

Wie die Ärztezeitung berichtet, rangieren die Beitragsanpassungen 2021 bei den geschlechtsneutralen Unisex-Tarifen zwischen 10 und 14 Prozent. Bei den älteren Bisex-Tarifen stehen dagegen Steigerungen zwischen 15 bis 20 Prozent an.

Konkret wird es beispielsweise teurer in diesen Tarifen:

  • „N“
  • „NC“
  • „NW“
  • Beihilfe-Tarife wie „B20“, „B30“, „B40“

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Wann kommt es zu einer PKV-Beitragserhöhung?

Private Krankenversicherungen sind dazu verpflichtet, ihre Kostenplanung mit den tatsächlich angefallenen Ausgaben zu vergleichen. Ihre Beiträge dürfen sie nur dann anpassen, wenn die Leistungsausgaben oder die Sterbewahrscheinlichkeit um fünf Prozent oder zehn Prozent (je nach Versicherungsunternehmen) von der ursprünglichen Vorausberechnung abweicht.

So kann es dazu kommen, dass die Beiträge lange Zeit stabil bleiben, ehe die Schwelle überschritten wird. Ist dies schließlich der Fall, werden bei der Berechnung der neuen Prämien alle Faktoren mitgedacht, die diese beeinflussen. Dazu gehören auch die Altersrückstellungen.

Diese Beitragsanteile sparen sich Versicherte an, damit ihre Beiträge im Alter möglichst stabil bleiben. Die Versicherung verzinst diese Summen. Muss der Zins angepasst werden, da der Kapitalmarkt die Erträge nicht mehr hergeben, steigt im Gegenzug der Anteil des Beitrags, der für die Rückstellungen angedacht ist,

Nach Angaben von Procontra online senkt die Debeka den Rechnungszins auf die Altersrückstellung in der Vollversicherung zu Beginn des Jahres von 3,2 Prozent auf 2,3 Prozent.

Leichterer Weg für Arbeitnehmer und Selbstständige

Neben Beamten zählt die private Krankenversicherung der Debeka auch Arbeitnehmer und Selbstständige zu ihren Mitgliedern. Diese Berufsgruppen trifft nicht nur die Beitragserhöhung stärker, denn ihre Prämien liegen deutlich über denen der Beamten. Sie bekommen auch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie mehr zu spüren. Aus diesem Grund wird die Anpassung der Beiträge für sie über zwei Jahre gestreckt erfolgen: zunächst mit 60 Prozent ab Januar 2021 und den übrigen 40 Prozent ab Januar 2022.

Eine weitere Möglichkeit zur Kostensenkung besteht für Versicherte darin, auf Wahlleistungen wie Chefarztbehandlung oder Zweibettzimmer im Krankenhaus zu verzichten. Nach zwei Jahren können wieder ohne Gesundheitsprüfung in das alte Leistungsniveau zurück, wie die Debeka gegenüber der Ärztezeitung erklärt.

Beitragserhöhungen der Debeka halten sich insgesamt in Grenzen

Weitere Beitragserhöhungen und „böse Überraschungen“ werden nicht erwartet, so Roland Weber gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Trotz sprunghafter Anstiege hätte sich die Anhebung der Beiträge bei der Debeka in den vergangenen Jahren in Grenzen gehalten.

Die Versicherung verweist dazu auf eine Studie zur Beitragsentwicklung, die sie beim Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) beauftragte. Demnach erhöhten sich die Prämien bei der Versicherung in der Zeitspanne von 2000 bis 2019 um durchschnittlich 2,8 Prozent pro Jahr. Bei den gesetzlichen Krankenkassen betrug der Anstieg laut IGES hingegen 2,9 Prozent.

PKV-Beitragserhöhung 2021: Welche privaten Krankenversicherer werden teurer?

Die Debeka ist die erste Krankenversicherung, die sich öffentlich zu ihren Beitragsanpassungen 2021 geäußert hat. Insgesamt geht das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) von einer durchschnittlichen Prämienerhöhung von 8,1 Prozent aus – über alle PKV-Anbieter gesehen.

 

Nach und nach werden weitere PKV-Beitragsanpassungen bekannt, etwa:

Versicherer Höhe der PKV-Beitrags­anpassung 2021 Tarife (Auswahl)
Barmenia Rund 11 Prozent keine Angabe
Continentale keine Angabe „Comfort“, „Economy-U“
UKV / BBKK k. A. „Gesundheit­Komfort 900“, „Zahn 3“
Allianz Rund 6 Prozent k. A.
Concordia k. A. „AV2“,„SV1“

Quelle: Gewa Comp BAP-Guide, eigene Recherche

 

Nicht nur bereits privat Versicherte müssen 2021 mehr Geld für ihre PKV einplanen. Auch für Personen, die planen, in die private Krankenversicherung zu wechseln, wird es bei vielen Anbietern teurer. Umso wichtiger ist für sie daher ein individueller Vergleich verschiedener Tarife.

Tipp:

Mit einem Wechsel des Tarifs innerhalb der Versicherung können Versicherte ihre PKV-Kosten senken. Alle aufgebauten Altersrücklagen bleiben erhalten und auf eine erneute Gesundheitsprüfung wird beim gleichen Leistungsumfang verzichtet. Sinnvoll ist es, sich bei der Suche nach einem günstigeren Angebot beim derzeitigen Versicherer von einem Experten unterstützen zu lassen, der sich mit dem Tarifdschungel auskennt.