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Private Krankenversicherung watscht Bürgerversicherung ab

Mit einem Fünf-Schritte-Plan setzt sich die SPD verstärkt für die Einführung einer Bürgerversicherung ein. Das Papier „Der Weg zur Bürgerversicherung“ sieht zwar keine sofortige Abschaffung der privaten Krankenversicherung vor. Langfristig könnte jedoch genau dies geschehen. Entsprechend kritisch sieht der PKV-Verband das Vorhaben und macht auf dessen Nachteile aufmerksam.

Auf die private Krankenversicherung (PKV) kommen in diesem Jahr stürmische Zeiten zu. Gerade im Wahljahr haben viele Anbieter ihre Beiträge erhöht, was die Forderung vieler Kritiker nach Änderungen im Gesundheitssystem verstärkt. Dem Stern zufolge sind die Kosten für den privaten Krankenversicherungsschutz noch nie so stark im Schnitt gestiegen. Noch nie waren zudem mit rund zwei Dritteln der Privatversicherten so viele Menschen von den aktuellen PKV-Beitragsanpassungen betroffen. Die steigenden Kosten nähren den Ruf nach einer Bürgerversicherung – einer einheitlichen Krankenversicherung, in die jeder Bürger einzahlt.

Private Krankenversicherung: Ende auf Raten?

Neben den Linken und den Grünen treibt die SPD das Projekt Bürgerversicherung immer wieder voran. Dabei bedeutete die Einführung einer Bürgerversicherung für die Sozialdemokraten lange Zeit auch die Abschaffung der privaten Krankenversicherung. Doch vergangene Woche wurde bekannt, dass die SPD nun eher eine Angleichung von privater und gesetzlicher Absicherung anstrebt. Dazu listet das Positionspapier „Der Weg zur Bürgerversicherung – Solidarität stärken und Parität durchsetzen“ fünf Schritte auf, wie die einheitliche Krankenversicherung umgesetzt werden soll.

Eine Maßnahme sieht eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung auf das Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung vor. Dies sollte „parallel mit einer adäquaten Anpassung der Versicherungspflichtgrenze einhergehen“, heißt es im Positionspapier. Damit müssten sich viele angestellte Privatversicherte gesetzlich versichern. Zudem wäre der Zugang zur PKV für Beschäftige durch eine höhere Einkommensgrenze schwieriger. Wenn sich allerdings immer weniger, vor allem junge Menschen aufgrund der geänderten Anforderungen privat krankenversichern, gehen der privaten Krankenversicherung langfristig die Versicherten aus. Statt einer sofortigen Abschaffung droht der PKV so ein Ende auf Raten.

PKV-Verband warnt vor Einschnitten durch Bürgerversicherung

Der Fünf-Schritte-Plan der SPD sieht neben einer

  • neuen Beitragsbemessungsgrenze und Versicherungspflichtgrenze
  • eine Wahlfreiheit für Beamte durch Zuschuss bei der gesetzlichen Absicherung,
  • die Einbeziehung weiterer Einkommensarten beim Krankenkassenbeitrag,
  • die Angleichung der Vergütung der Ärzte und
  • eine paritätische Finanzierung des Krankenversicherungsbeitrags vor.

Der PKV-Verband sieht dabei insbesondere die neue Beitragsbemessungsgrenze kritisch. Durch diese „würde der Arbeitgeberanteil an den Krankenkassenbeiträgen um 46,3 Prozent explodieren“, erläutert Stefan Reker, Sprecher des PKV-Verbandes, Versicherungswirtschaft-heute. Zudem drohe mit einer Bürgerversicherung nach SPD-Plänen eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung. Jeder Arztpraxis würden seiner Rechnung zufolge ohne die private Krankenversicherung durchschnittlich 49.000 Euro im Jahr fehlen. „Dieses Geld wird für die Investitionen in Personal und neue Technik dringend benötigt“, so Reker. Entsprechend kann der PKV-Verbandssprecher vor der Einführung der Bürgerversicherung nur warnen.

Wie stürmisch 2017 für die private Krankenversicherung tatsächlich wird, kann wohl erst nach der Bundestagswahl im September gesagt werden. Kommt es dabei zu einer rot-rot-grünen Regierung, könnte es für die PKV allerdings eng werden.