Paar sitzt entmutigt vor Unterlagen
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Rechtsschutz bei Finanztest im Check: Mehrheit der Tarife schwächelt

Mit einer Rechtsschutzversicherung sparen sich Versicherte einige Nerven. Denn ob der Fall vor Gericht geht, viele Gutachten benötigt oder sich in die Länge zieht, kann ihnen gleich sein. Ihr Versicherer übernimmt die anfallenden Kosten. Einige Versicherer sehen jedoch keine allzu guten Leistungen vor, wie ein aktueller Test der Stiftung Warentest zeigt.

  • Stiftung Warentest hat knapp 50 Rechtsschutzversicherungen untersucht.
  • Dabei bemängelt sie vor allem verbraucherunfreundliche Klausel.
  • 20 Tarife erreichen ein gutes Ergebnis, der Rest ist befriedigend und sogar nur ausreichend.

In manchen Fällen lässt sich der Gang zum Anwalt nicht vermeiden, etwa wenn sich Arbeitnehmer zu Unrecht gekündigt fühlen oder Vermieter ihren Mieter beim Auszug auffordern, die gesamte Wohnung zu streichen. Mit einer Rechtsschutzversicherung können Versicherte den Konflikt jedoch gelassen entgegenblicken. Denn die Kosten für den Anwalt und Co. sind über sie abgedeckt. Wie die Stiftung Warentest in ihrem aktuellen Vergleich zeigt, gilt dies jedoch nicht für jeden Versicherer.



Demnach haben manche Anbieter Klauseln in ihren Verträgen, die für den Verbraucher äußerst nachteilig sind. Zu ihnen zählt die Vorerstreckungsklausel. Befindet sich diese in den Versicherungsbedingungen, wird genau geprüft, wann eine Handlung den Rechtsstreit ausgelöst hat.

Die Verbraucherorganisation erklärt dies an einem Beispiel: Eine Versicherte hatte noch keine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen, als sie einen Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente bei ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung eingereicht hat. Dort kommt es nun zu Problemen. Der Rechtsschutz kann jedoch wegen der Klausel verweigert werden, weil zum Handlungszeitpunkt, der nun zum Rechtsstreit führt, noch kein Versicherungsschutz bestand.

Neben dieser Klausel sollten Interessierte auch auf die Klausel zum „verstoßabhängigen Rechtsfall“ achten. In der Untersuchung hat die Stiftung Warentest Tarife abgewertet, deren Versicherungsbedingungen nachteilig sind.

So wurde getestet

49 Rechtsschutzversicherungen von 23 Anbietern wurden für den Vergleich untersucht. Wie üblich setzt die Verbraucherorganisation dabei einen Mindestschutz voraus. Zudem liegt der Fokus wie schon bei der letzten Untersuchung zu 90 Prozent auf den Versicherungsbedingungen. Die restlichen zehn Prozent entfallen auf die Verständlichkeit des Vertrags. Der Musterkunde ist ein 40-jähriger Angestellter mit zwei Kindern, der bereit ist, eine Selbstbeteiligung von 150 Euro zu zahlen.

Die gute Nachricht: Im Vergleich zum Vorgängertest hat sich die Qualität der Versicherer verbessert – keine Rechtsschutzversicherung ist mangelhaft. Dennoch erreicht mehr als die Hälfte kein besseres Urteil als „befriedigend“ oder „ausreichend“, kein Anbieter ist zudem „sehr gut“. Hier ist also noch Luft nach oben.

Welche Rechtsschutz­versicherer überzeugen

20 Tarife werden mit gut bewertet. Die besten Ergebnisse mit der Finanztest-Note 1,9 erreichen:

  • Allianz – „Best“
  • Condor – „Comfort“
  • R+V – „Comfort“

ADAC („Premium“) verpasst mit der Bewertung 2,0 knapp die Top 3.

Auf einen Aspekt weist die Stiftung Warentest hin: „Besonders auffällig sind die großen Preisunterschiede: Einer der besten Tarife, „Best“ der Allianz, kostet mit über 500 Euro etwa doppelt so viel wie der ebenfalls gute Tarif „Optimal“ der WGV (Note 2,3). Ein Preisvergleich lohnt also.“

Darüber hinaus gibt es zwischen den Rechtsschutzversicherungen auch wichtige Leistungsunterschiede. Interessierte sollten daher beim Preisvergleich auch darauf achten, ob die damit einhergehenden Leistungen zum eigenen Leben passen. Wer beispielsweise nicht in Wertpapiere investiert, braucht in diesem Bereich keinen Rechtsschutz.

Tipp:

Weitere Tests finden sich auf der Übersichtsseite „Rechtsschutzversicherung Testsieger“.