Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Reisekostenreform: Abrechnung von Dienstreisen soll einfacher werden

Wenn der Bundesrat der Reform des Reisekostenrechts zustimmt, dürfen sich Verwaltungen, Arbeitnehmer und Arbeitgeber darüber freuen, dass die Reisekostenabrechnung für Dienstreisen zukünftig einfacher wird. Dazu sollen einige Regelungen und Staffelungen entfallen.

Der erste Schritt zu einer Reform des Reisekostenrechts und damit zu einer Vereinfachung des Steuerrechts für rund 35 Millionen Deutsche ist getan: Der Bundestag billigte Mitte dieser Woche ein Modell, das nicht nur Arbeitgeber und Arbeitnehmer entlasten soll, sondern auch den Aufwand der Verwaltungen verringern könnte. Kernpunkt der vereinfachten Abrechnung von Dienstreisen ist eine Änderung der Mindestabwesenheitszeiten, nach denen Arbeitnehmer eine Pauschale für die Verpflegungskostenmehraufwendungen bekommen, wie es im Beamtendeutsch korrekt heißt. Zudem sollen Unterkunftskosten künftig gedeckelt werden. Die Reform sieht auch ein Änderung bei der Unternehmenssteuer vor: Der Verlustrücktrag wird verdoppelt.



Reisekosten einfacher steuerlich geltend machen

Wenn der Bundesrat seine Zustimmung gibt, fällt künftig eine Stufe für die Pauschale der Verpflegungskostenmehraufwendungen weg. Arbeitnehmer auf Dienstreisen können eine Pauschale von 12 Euro in der Steuererklärung ansetzen, wenn ihre Abwesenheit mindestens acht Stunden beträgt. Sind es 24 Stunden, erhöht sich die Pauschale auf 24 Euro. Somit entfällt die Pauschale von sechs Euro bei einer Mindestabwesenheitszeit von 8 bis 14 Stunden. Zudem müssen Mindestabwesenheitszeiten nicht mehr nachgewiesen werden. Für den An- und Abreisetag bei mehrtägigen Dienstreisen kann der Arbeitnehmer jeweils pauschal 12 Euro als Werbungskosten absetzen.

Neue Regelung für Unterkunftskosten auf Dienstreisen

Bei längerfristigen Dienstreisen bzw. Auswärtstätigkeiten an ein und derselben Tätigkeitsstelle sind beruflich veranlasste Unterkunftskosten für maximal vier Jahre unbegrenzt als Werbungskosten abzugsfähig. Danach erfolgt eine Deckelung auf maximal 1.000 Euro im Monat. In Bezug auf Werbungskosten und Dienstwagenbesteuerung sieht die Reform des Reisekostenrechts vor, den Begriff „regelmäßige Arbeitsstätte“ durch „erste Tätigkeitsstätte“ zu ersetzen. Für die Fahrt dorthin gilt dann der beschränkte Werbungskostenabzug bzw. die Entfernungspauschale. Andere Fahrten zu anderen Tätigkeitsstätten sind demnach als Auswärtstätigkeit zu betrachten.

Unternehmenssteuer: Vorteile durch Reform

Im Fall der Unternehmenssteuer haben Unternehmen durch die Reform künftig die Möglichkeit, wesentlich mehr Geld als Verlustrücktrag anzugeben. Mit dem Verlustrücktrag können zu viel gezahlte Steuern erstattet werden, wenn Verluste bei der Ermittlung des Gesamtbetrags der Einkünfte nicht gedeckt werden. Vereinfacht gesagt wird dazu der Verlust mit dem Gewinn des Vorjahres verrechnet. Der Verlustrücktrag soll in Zukunft von 511.500 Euro auf eine Million Euro steigen. Kleinere und mittlere Firmen könnten dadurch entlastet werden. Andere Vereinfachungen der Unternehmenssteuer wurden hingegen aus Kostengründen von der Regierung gestrichen und abgelehnt.

Steuermindereinnahmen von 220 Millionen Euro

Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft betrachtet die Neuregelungen positiv. Besonders die Deckelung der Unterkunftskosten ist „sehr sinnvoll“, da so Streitigkeiten über ortsübliche Mieten und Kosten verhindert werden. Die Vereinfachung des steuerlichen Reisekostenrechts könnte nach Angaben des Deutschen Bundestags zu geringeren Steuereinnahmen in Höhe von 220 Millionen Euro führen.