Frau hält Hand eines Mannes
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Rentenlücke schließen: Inflation fordert mehr Geld für Altersvorsorge

Durch die Inflation müssen die Bürger überall mehr Geld ausgeben. So bleibt weniger für andere Dinge übrig. Experten warnen allerdings davor, bei der Altersvorsorge zu sparen. Gerade hier müssten Verbraucher mehr investieren. Doch schon jetzt können elf Millionen Haushalte nicht für das Alter sparen.

  • Um im Alter den gewohnten Lebensstandard halten zu können, müssen die meisten Menschen privat vorsorgen.
  • Die Inflation stellt jedoch all die vor Herausforderungen, die mit zinsbasierten Produkten sparen.
  • Mehr als zehn Millionen Haushalten fehlt generell das Geld, um die Rentenlücke zu schließen.

Derzeit liegt das Rentenniveau bei rund 48 Prozent. Das bedeutet, eine Person, die 45 Jahre lang das Durchschnittseinkommen verdient hat, bekommt im Rentenalter 48 Prozent ihres bisherigen Einkommens als gesetzliche Rente. Um den gewohnten Lebensstandard zu halten, sind Experten zufolge aber eher 55 Prozent notwendig. Die Rentenlücke müssen Verbraucher über private Vorsorge schließen.

Eine Erhebung des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos zeigt, dass beispielsweise für den Jahrgang 1975 im Schnitt ein Sparbetrag von 170 Euro pro Monat notwendig ist, um die 55 Prozent zu erreichen. Paare ohne Kinder müssten 210 Euro zurücklegen, Alleinerziehende 110 Euro. Doch gerade für Personen mit niedrigem Einkommen ist diese Summe nur schwer stemmbar.

Höhere Kosten für heutige Lebenshaltung – kein Geld für späteren Ruhestand

Die Prognos-Studie im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigt, dass schon jetzt elf Millionen Menschen nicht ausreichend fürs Alter sparen können. „In vier von zehn Haushalten mit Personen im Erwerbsalter ist der finanzielle Spielraum selbst dann zu klein, wenn sie ihr monatlich frei verfügbares Geld vollständig für die Altersvorsorge einsetzen würden“, betont Prognos-Studienleiter Oliver Ehrentraut.

Durch die Inflation müssten Verbraucher eigentlich noch mehr als bisher vorsorgen. Gleichzeitig engt der Kaufkraftverlust „den Spielraum zum Sparen ein“, so GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. So gibt es in Haushalten mit geringem Einkommen oftmals keine unnötigen Ausgaben, auf die zugunsten der Altersvorsorge nun verzichtet werden kann.

Inflation frisst zehn Prozent des Sparvermögens auf

Derzeit liegt die Inflation bei 7,4 Prozent. Dieser hohe Wert ist Gift für Produkte mit Garantieverzinsung, die aktuell bei nur noch 0,25 Prozent liegt. „Der Doppelpack von Inflation und Nullzinsen sorgt für ein noch massiveres Abschmelzen von Ersparnissen und Altersvorsorge“, stellt der Sparkassenverband Bayern gegenüber der Augsburger Allgemeinen fest.

Konkreter macht es der Ökonom Dr. Friedrich Heinemann vom ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung: „Der aktuelle Inflationsschub könnte Geldvermögen, das mit geringen oder überhaupt keinen Zinsen investiert ist, um etwa zehn Prozent im realen Wert verringern.” Für viele dürfte dies einen Rückschlag für die Ruhestandsplanung darstellen.