Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Rettung der Lufthansa beschlossen: Wann bekommen Kunden ihr Geld?

Es ist entschieden: Mit 98 Prozent stimmten die Aktionäre der Lufthansa gestern der Staatsbeteiligung am Unternehmen und damit dem Rettungspaket zu. Was das für das Unternehmen und Verbraucher, die auf Rückzahlungen stornierter Flüge warten, bedeutet, fasst finanzen.de zusammen.

Bei der Lufthansa ging es am Donnerstag ums Ganze. In einer außerordentlichen Hauptversammlung entschieden die Aktionäre darüber, ob sie den Staat für 300 Millionen Euro als Anteilseigner ins Unternehmen einsteigen lassen wollen. Zu Beginn im öffentlichen Teil der Hauptversammlung warb Lufthansa-Chef Carsten Spohr um das Einverständnis der Aktionäre für den Staatseinstieg: „Unsere Unternehmensgeschichte ist geprägt von Höhen und Tiefen“, erklärte Spohr und betonte: „Ich appelliere an Ihre Solidarität.“



Warum war die Zustimmung der Aktionäre zum Staatseintritt so wichtig?

Die Zustimmung erhielt Spohr schließlich mit 98 Prozent der Stimmen, nachdem der Vorstand noch zahlreiche Fragen im privaten Teil der Versammlung zu klären hatte. Hätten die Aktionäre die Staatsbeteiligung am Grundkapital der Lufthansa abgelehnt, wäre auch das ausgehandelte Rettungspaket für die Lufthansa in Höhe von neun Milliarden Euro hinfällig. Die Unterstützung wird zu drei Milliarden Euro durch ein Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziert, den Rest übernimmt der Bund über die für Corona-Hilfen eingerichteten Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF).

Die größte Macht in der Entscheidung hatte Heinz Hermann Thiele. Er hält mit 15,5 Prozent den größten Aktienanteil am Unternehmen. Lange Zeit galt der Großaktionär als scharfer Kritiker der Staatsbeteiligung. Erst am Tag vor der Hauptversammlung erklärte Thiele, dass er für die Beschlussvorlage und damit gegen eine Insolvenz stimmen werde, denn: „Es liegt im Interesse aller Lufthansa-Mitarbeiter, dass das Management zügige Verhandlungen mit den Gewerkschaften über die nötige Restrukturierung führen kann.”

Ohne die Zustimmung des Großinvestors hätte Lufthansa-Chef Spohr die nötige Mehrheit von zwei Drittel der Stimmen für das Rettungspaket nicht erreichen können, da die Präsenz der übrigen Stimmrechtsinhaber nur bei 39,3 Prozent lag.

Was bringt das Rettungspaket für Verbraucher, die auf die Rückzahlung stornierter Flüge warten?

Rund 20 Prozent der Summe des Rettungspaketes stehen Kunden der Lufthansa zu. Sie warten weiterhin auf die Rückzahlung ihrer stornierten Flüge. Laut Angaben des Bayerischen Rundfunks schuldet die Lufthansa Verbrauchern 1,8 Milliarden Euro. Spohr versuchte auf der Hauptversammlung zu beruhigen und betonte, man nehme die „aktuellen Sorgen unserer Kunden ernst“. Spätestens in sechs Wochen solle jeder Kunde, dessen Flug Corona-bedingt ausgefallen ist, sein Geld zurückerhalten.

Zur Rückerstattung der Kosten für die stornierten Flüge ist die Lufthansa eigentlich nach Art. 8 Abs. 1 der EU-VO 261/2004 innerhalb von sieben Tagen nach schriftlicher Aufforderung durch den betroffenen Kunden verpflichtet. Die Lufthansa hatte jedoch wie einige andere Airlines den sonst zumeist automatisierten Rückzahlungsprozess künstlich in die Länge gezogen, da sie die Abwicklung auf einen manuellen Rückzahlungsmechanismus umgestellte.

Zügig ging für Betroffene nur die Umwandlung der Rückzahlung in einen Gutschein. Da dieser jedoch bei Insolvenz der Lufthansa nicht abgesichert wäre und die Reiseplanung durch die Pandemie erschwert wird, ist dies für viele eine wenig lukrative Lösung.

Welche anderen Möglichkeiten gibt es, um sein Geld zurückzubekommen?

Wenn das Abwarten weiterer sechs Wochen, bis der Lufthansa-Chef hoffentlich sein Rückzahlungsversprechen einlöst, keine Option ist, gibt es weitere Möglichkeiten für Verbraucher um jetzt schon an das Geld zu kommen.

Wer über Paypal seine Flüge bezahlt, kann den Käuferschutz aktivieren und über den Bezahldienst sein Geld zurückerhalten. Online finden sich bereits viele erfolgreiche Berichte dazu.

Auch bei Kreditkartenzahlung gibt es Hoffnung. Über sogenannte Chargeback-Verfahren konnten viele Kunden ihre Zahlungen erfolgreich zurückbuchen. Ein Anruf beim Kreditkartenunternehmen beziehungsweise ein Blick auf dessen Website kann dabei helfen.
Durch die Einleitung eines Mahnverfahrens haben viele Betroffene ebenfalls ihr Geld zurückgeholt. Mahnanträge lassen sich online über verschiedene Unternehmen abwickeln. Hierbei besteht das Risiko, dass die Lufthansa gegen die Anträge Einspruch erhebt und damit den Prozess verzögert. Häufig wurde das aber Geld dennoch überwiesen.

Abwarten, Mahnverfahren oder doch der Anwalt?

Letztlich bleibt auch der Klageweg über einen Anwalt. Verbraucher sollten dabei prüfen, ob die Kosten dafür durch eine eventuell bestehende Rechtsschutzversicherung übernommen werden.

Wer den Weg über einen Anwalt geht und keine Rechtsschutzversicherung hat, sollte sich damit jedoch sputen. Gegenüber dem Handelsblatt erklärt Anwältin Marina Sartison von der Düsseldorfer Kanzlei Schumacher + Partner die Dringlichkeit damit, dass Kläger meist in Vorkasse für die Anwaltskosten gehen müssen: „Rutscht die Airline in die Insolvenz, bleibt der Reisende nicht nur auf seinen Ticket-, sondern auch noch seinen Anwaltskosten sitzen.“ Dank des Rettungspaketes der Bundesrepublik sollte eine Insolvenz zunächst jedoch vom Tisch sein.