Kosten durchrechnen
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Riester-Rente: Studie zieht miserable Kostenbilanz

Wieder einmal stehen die Kosten der Riester-Rente in der Kritik – genauer gesagt die der Anbieter, die teils mehr als 30 Prozent des eingezahlten Beitrags einbehalten. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Bürgerbewegung Finanzwende. Nur eine Handvoll von Versicherern ist demnach günstig.

  • Eine Auswertung zeigt, dass die Mehrheit der Riester-Renten zu teuer ist.
  • Während günstige Anbieter 8 Euro von 100 Euro für Kosten einbehalten, sind es beim teuersten 38 Euro.
  • Der Blick allein auf die Kosten bei der Wahl der passenden Riester-Rente reicht jedoch nicht aus.

Laut einer aktuellen Auswertung der Bürgerbewegung Finanzwende fließt bei einem durchschnittlichen Riester-Rentenversicherung Vertrag nahezu jeder vierte eingezahlte Euro in die Kosten. Damit reiht sich die Studie in eine Folge von Analysen ein, die die hohen Kosten der staatlich geförderten Altersvorsorge kritisieren.



Für ihre Untersuchung hat Finanzwende 65 Riester-Rentenversicherungen und 13 Fondssparpläne hinsichtlich des Anteils des Sparbeitrags untersucht, der beim Versicherer bleibt, etwa für Abschlusskosten, Vertriebskosten und Verwaltungskosten. Grundlage der Bewertung ist das jeweilige Muster-Produktinformationsblatt und ein von den Testern festgelegter Musterkunde. Dieser zahlt jährlich 1.200 Euro zusammen mit den Zulagen in seinen Riester-Vertrag und das über 30 Jahre hinweg.

Welche Riester-Renten sind günstig?

Die Regierung rechnet in ihrem aktuellen Rentenversicherungsbericht bei der Prognose des Versorgungsniveaus mit Kosten der Riester-Rente von zehn Prozent. Das Versorgungsniveau gibt wieder, wie hoch das Einkommen von Senioren aus gesetzlicher Rente und Riester-Rente im Vergleich zum Durchschnittsentgelt ist.

Die Auswertung zeigt, dass nur vier Versicherer diese Grenze unterschreiten. Zu ihnen zählen:

  • Hannoversche – Altersvorsorgevertrag AV1 (Zertifizierungsnummer 145)
  • Itzehoher – Vertrauensrente (5.987)
  • SV SparkassenVersicherung – Riesterrente (3.882)

Bei diesen Riester-Renten fließen jeder achte bis neunte von 100 Euro in die Kosten.
Elf bis zwölf Euro sind es unter anderem bei diesen Anbietern:

  • LVM – Privatrente Plus (klassisch) (160)
  • DEVK – Riesterrente (5.969)
  • MyLife – Riester (5.911)
  • R+V – Riesterrente (6.014)

Das Problem dieser Tarife ist allerdings, dass sie die Chancen-Risiko-Klasse 1 haben. Das bedeutet, sie sind stark auf Sicherheit ausgerichtet, was die Renditechancen erheblich mindert.

Diese Riester-Renten sind teuer

Bei jeder dritten untersuchten Riester-Rente werden durch die Kosten 30 Prozent des Sparbeitrags abgezwackt. Am teuersten ist das Angebot „Riester (6.013)“ von Alte Leipziger. 38 Euro von 100 Euro seines Beitrags fehlen dem Versicherten am Ende. Auf 36 Euro pro 100 Euro belaufen sich die Kosten bei diesen Versicherern:

  • Generali – Strategie Plus (5.776)
  • Provinzial NordWest – Garantierente Vario (6.064)

Widerstand gegen Auswertung

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft kritisiert die Berechnungen als „bewusst irreführend“, berichtet das Versicherungsjournal. Dort bemängeln betroffene Versicherer, dass nur die Maximalkosten berücksichtigt wurden und andere, preiswertere Angebote unter den Tisch fallen. Eine Sprecherin von Alte Leipziger ergänzt, dass „die gewählte Methode nicht geeignet ist, die Kosten und vor allem die Leistungsfähigkeit von Riesterverträgen objektiv darzustellen.“

Geförderte Altersvorsorge am Scheideweg

Die Untersuchung befeuert die Diskussion, wie sinnvoll eine Riester-Rente noch ist. Dabei sagt Finanzwende: „Zwar können sich Riester-Sparverträge individuell für Kunden mit hohen staatlichen Zulagen – etwa für Geringverdiener oder mit Kindern – lohnen. Effizienter macht das die Produkte aber nicht.“

Wer an einer Riester-Rente interessiert ist, da er durch die Zulagen deutlich von ihr profitiert, sollte sich sehr genau mit den Kosten beschäftigen. Wichtig ist aber auch der Blick auf die Renditechancen. Ratsam ist es daher, sich bei der Auswahl der persönlich besten Riester-Rente von einem Experten unterstützen zu lassen, der die Marktlage und mögliche Stolperfallen kennt.

Verbraucherschützer klagen gegen Versicherer

Nicht nur um die Kosten während der Sparphase gibt es derzeit viel Wirbel. Zwei aktuelle Urteile der Landesgerichte Kaiserslautern und Dortmund, die die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erreicht haben, sollte Verbraucher mit einem Riester-Banksparplan aufhorchen lassen. Dabei geht es um die Praxis einiger Anbieter, Gebühren bei der Auszahlung des Riester-Sparvertrags in Rechnung zu stellen.

Aus Sicht der Verbraucherschützer sind die entsprechenden Klauseln im Vertrag jedoch unzulässig, da diese nicht über die Höhe dieser Kosten informieren. Die Gerichte folgten dieser Auffassung, allerdings sind die Urteile noch nicht rechtskräftig.

Wann handelt die Regierung?

Kritik an der Riester-Rente gibt es schon lange. Zuletzt stellte vor allem die Niedrigzinsphase ein Problem dar. In Kombination mit der Beitragsgarantie (Versicherte erhalten mindestens ihre eingezahlten Sparbeiträge als Auszahlung wieder), die bei der Riester-Rente gilt, können die Versicherer das Geld vorwiegend nur in sichere Anlagen mit geringen Renditeaussichten investieren. Darunter leidet die Attraktivität der geförderten Altersvorsorge. Um diese zu steigern, arbeitet die Regierung derzeit an einer Reform. Diese könnte unter anderem zu einer Abkehr von der Beitragsgarantie führen.