Paar sitzt entmutigt vor Unterlagen
Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Sberbank stellt Europa-Geschäft ein: Das müssen Anleger wissen

Mickrige Zinsen auf dem Tages- und Festgeld lassen viele Anleger ins Ausland blicken, wo Banken etwas Verzinsung bieten. So auch die russische Sberbank. Doch das Europa-Geschäft des Geldinstituts wurde nun wegen Zahlungsunfähigkeit eingestellt. Die meisten Sparer können jedoch beruhigt sein. Durch die Einlagensicherung verlieren sie ihr Erspartes nicht.

  • Die Sberbank Europe muss aufgrund massiver Zahlungsschwierigkeiten ihr Geschäft einstellen.
  • Rund 35.000 Kunden vor allem in Deutschland bangen nun um ihre Einlagen.
  • Laut Bankenverband belaufen sich die Ersparnisse auf rund eine Milliarde Euro – wovon das meiste geschützt ist.

Die Sberbank ist die größte russische Bank. Somit war sie eines der ersten Ziele der Finanzsanktionen, die unter anderem die USA als Reaktion auf den Krieg Putins gegen die Ukraine erlassen hat. Viele Kunden in Russland haben nach Beginn des Einmarsches massiv Geld abgehoben, um ihre Rücklagen zu retten. Schon am Sonntag warnte die Europäische Zentralbank, dass die Bank möglicherweise vor der Zahlungsunfähigkeit steht. Zuletzt durften Kunden nur noch 100 Euro am Tag abheben.

Am Dienstag untersagte nun die österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) die Fortführung des Geschäftsbetriebs der Sberbank Europe AG. Sie hat ihren Sitz in Österreich, sodass deren Finanzwächter für das Kreditinstitut zuständig sind.

„Die Maßnahmen erfolgen, da die Europäische Zentralbank am 27. Februar 2022 festgestellt hat, dass die Sberbank Europe AG aufgrund der geopolitischen Entwicklungen und massiver Liquiditätsabflüsse in massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt und möglicherweise zahlungsunfähig wird“, heißt es in einer Mitteilung der FMA.

Betroffene Sparer erhalten größtenteils Entschädigung

Für manche Sparer stellte die Sberbank in der Vergangenheit eine gute Alternative dar, um mit ihrem Ersparten überhaupt noch Zinsen zu machen. Zuletzt warb die Bank mit 0,5 Prozent für das Tagesgeldkonto und 1,5 Prozent für das Festgeldkonto ab einer Laufzeit von zwei Jahren – deutlich mehr, als deutsche Banken bieten.

Von der Schließung der Sberbank Europe sind nun rund 35.000 Kunden betroffen. Die Mehrheit kommt aus Deutschland, die ihr Geld bei der Sberbank Direct beziehungsweise der Sberbank Europe angelegt haben. Sie haben dort laut dem Bundesverband deutscher Banken Einlagen in Höhe von rund einer Milliarde Euro. Die gute Nachricht für alle Sparer lautet: Rund 913 Millionen Euro sind abgesichert. Denn hier greift die europäische Einlagensicherung. Guthaben bis 100.000 Euro sind so im Ernstfall geschützt.

Durch die Einstellung des Europa-Geschäfts wurde der gesetzliche Einlagensicherungsfall ausgelöst. Um an ihr Geld zu kommen, müssen die Betroffenen selbst nicht tätig werden. Sie werden in den nächsten Tagen von der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken postalisch angeschrieben. Die Einrichtung übernimmt die Auszahlung der abgesicherten Einlagen im Auftrag der österreichischen Einlagensicherung.