Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Schutz vor Corona durch frühere Erkältungen – ist das möglich?

Forscher haben erste Anhaltspunkte auf eine Kreuzimmunität mit SARS-CoV-2 durch Erkältungen gefunden. Besonders bei Kindern waren Antikörper zu finden, die vor einer Erkrankung mit Covid-19 schützen. Die Erkenntnisse der Studie fasst finanzen.de zusammen.

Bisherige Studien brachten wenig Hoffnung, wenn es um den Antikörper-Schutz vor Erkrankung – oder Wiedererkrankung – mit Covid-19 ging. Schon drei Monate nach überstandener Covid-19-Infektion wiesen Forscher kürzlich ein deutlich gesunkenes Antikörperniveau nach. Auch Untersuchungen zur Kreuzimmunität, also der Frage, ob bestehende Antikörper aus vorangegangenen Virusinfektion vor dem neuartigen Coronavirus schützen können, brachten keine positiven Ergebnisse – bis jetzt.



Welche neuen Erkenntnisse bringt die Studie?

Wissenschaftler des Francis Crick Institutes in London kamen nun in einer im Fachmagazin Science veröffentlichten Studie zu der Erkenntnis, dass eine bemerkenswerte Anzahl von Kindern eine Kreuzimmunität aufweist, die das Eindringen von SARS-CoV-2 in ihre Zellen verhindert. Ihre kreuzreaktiven Antikörper stammen aus vorherigen Infektionen mit verwandten Betacoronaviren. Betacoronaviren sind global weit verbreitet, viele davon lösen nur eine leichte Erkältung aus.

Die in den Blutproben nachgewiesenen kreuzreaktiven Antikörper richten sich vor allem gegen die sogenannte S2-Einheit von SARS-CoV-2. Diese ist eine von zwei Einheiten des Spike-Proteins des Coronavirus. Das Spike-Protein verschafft dem Virus Zugang zur menschlichen Zelle. Die S1-Einheit hilft dabei an der menschlichen Zelle anzudocken, die S2-Einheit ermöglicht das Eindringen und Infizieren der Zelle.

Die S2-Einheit von SARS-CoV-2 hat laut den Forschungsergebnissen eine größere Ähnlichkeit mit dem S2-Anteil bekannter Corona-Erkältungsviren als die S1-Einheit.

Warum haben Kinder häufiger kreuzreaktive Antikörper?

Die Entdeckung der erhöhten Kreuzimmunität bei Kindern erfolgte eher zufällig. Das britische Forscherteam hatte bei der Entwicklung eines neuen Tests zum Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 in einer Vergleichsgruppe Blutproben aus der Zeit vor Covid-19 getestet. Der Antikörpertest fiel überraschenderweise häufiger positiv aus.

Daraufhin untersuchten sie eine größere Anzahl von Blutseren, die vor der Pandemie entnommen wurden. Auch in den neuen Kohorten wurden Antikörper gefunden, die auf SARS-CoV-2 reagierten. Die Blutproben von Kindern wiesen diese dabei mit 43,8 Prozent deutlich häufiger auf als die von Erwachsenen, bei denen nur eine Prävalenz von 5,3 Prozent vorlag.

„Es sind weitere Untersuchung nötig um das zu verstehen, aber es könnte damit zu tun haben, dass Kinder regelmäßiger anderen Coronaviren ausgesetzt sind”, erklärt Studienautor Kevin Ng in einer vom Francis Crick Institute veröffentlichten Meldung.

Möglicher Einsatz in Impfstoffen

Da Kinder und Jugendliche also häufiger mit Erkältungen zu kämpfen haben, wäre die Chance erhöht, dass ein SARS-CoV-2-Angriff noch durch die Immunität einer erst kürzlich vorangegangenen Erkältung mit einem anderen Betacoronavirus abgeblockt wird. Dies könnte auch erklären, warum Kinder nur selten einen schweren Krankheitsverlauf bei Covid-19 aufweisen.

Allerdings appelliert Ng, dass es noch keinen Beweis gebe, dass die Antikörper definitiv eine Infektion mit SARS-CoV-2 beim Menschen verhindern würden. Labortests mit Zellkulturen konnten jedoch zeigen, dass die Zellen dank der kreuzreaktiven Antikörper vor einer Infektion geschützt werden.

Sollten weitere Untersuchungen die Annahmen untermauern, könnte dies für die Forschung an Impfstoffen wichtig sein. So könnte die S2-Einheit der Betacoronaviren als Bestandteil von Impfstoffen nicht nur vor Covid-19, sondern auch vor Erkältungen schützen.