Person mit Fitness-Tracker
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Smartwatches: Helfen die Fitness-Tracker bei der Corona-Früherkennung?

Smartwatches und Fitness-Tracker können durch die Überwachung verschiedener Vitalfunktionen schon vor den ersten Krankheitszeichen eine Corona-Infektion aufdecken. Wie Forscher die Möglichkeiten der Smart-Devices genutzt haben, erklärt finanzen.de.

Viele Fitnessbegeisterte nutzen inzwischen smarte Geräte, um ihre sportlichen Fortschritte zu messen. US-Forscher kamen in verschiedenen Studien zu der Annahme, dass solche Smartwatches und Fitnesstracker bei der Eindämmung des Coronavirus helfen können. Dank der Überwachung der Herzfrequenz könne eine Infektion schon einige Tage vor den ersten Symptomen erkannt werden.

Wie sind die Forscher zu den Erkenntnissen gekommen?

Wissenschaftler der Universitätsklinik Mount Sinai in New York hatten zwischen April und September letzten Jahres in der „Warrior Watch Study” 297 Krankenhausmitarbeiter mit Apple Watches ausgestattet. Mittels einer für die Studie entwickelten App, die die Teilnehmer auf Uhren und iPhones laden mussten, wurde über den Puls die sogenannte Herzfrequenz-Variabilität (HRV) überwacht. Bei gesunden Menschen variiert der Abstand zwischen zwei aufeinander folgenden Herzschlägen etwa eine Zehntelsekunde. Liegt eine Infektion vor, dann sinkt diese Variabilität.

„Die Uhr zeigte signifikante Veränderungen der Herzfrequenz-Variabilität bereits bis zu sieben Tage, bevor die Teilnehmer einen positiven Nasen-Rachen-Abstrich hatten”, erläutert Studienautor Robert P. Hirten im Blog der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Klinikum.

Diese HRV-Veränderungen normalisierten sich interessanterweise 7 bis 14 Tage nach der Covid-19-Diagnose wieder. Ein Unterschied zu nicht infizierten Menschen war also nur zu Beginn der Erkrankung festzustellen.

Gelingt mit Smartwatches der Durchbruch im Corona-Management?

Für die Studienautoren sind die Erkenntnisse ein echter Meilenstein. “Eine der großen Herausforderungen bei Covid-19 ist, dass viele Menschen asymptomatisch sind, was heißt, dass sie keine Symptome haben, aber dennoch ansteckend sind”, so Hirten. Für ihn steht fest: „Einen Weg zu entwickeln, welcher identifiziert, ob Menschen krank sind – bevor sie überhaupt wissen, dass sie sich infiziert haben – das wäre ein echter Durchbruch im Covid-19-Management.”

Die Autoren zeigten sich überzeugt von den Möglichkeiten des Bereiches Digital Health im Kampf gegen die Pandemie. Vor der Studie zum Coronavirus arbeitete Dr. Hirten bereits an der Überwachung der Herzfrequenz-Variabilität mittels Smartwatches, um Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zukünftig rechtzeitig vor Ausbrüchen warnen zu können.

Weitere Studie stützt die Annahmen

Auch an der Stanford University in Kalifornien konnte ein Forscherteam Zusammenhänge zwischen der HRV und einer Corona-Infektion finden. In einer Pilotstudie im November hatten die Forscher die Vitalwerte von 5.300 Studienteilnehmern beobachtet. 32 steckten sich im Untersuchungszeitraum mit dem Coronavirus an. Die gesammelten Daten der von den Studienteilnehmern getragenen Fitness-Tracker (überwiegend von Fitbit, Garmin oder Apple) werteten die Wissenschaftler mit einer eigens zur Corona-Detektion entwickelten App aus: In 63 Prozent der Fälle hätte die App eine Infektion mit dem Coronavirus bereits ermittelt, bevor sich Symptome zeigten.

Inzwischen testet das Team der Stanford University die App in der Phase II mit 10 Millionen neuen Usern. Die App ist für Android und iOS erhältlich. Nutzer der Geräte von Fitbit, Garmin, Apple Watch, Oura oder Motiv werden dafür innerhalb der USA und Kanadas aktuell noch rekrutiert.