Mann und Frau verschränken Arme
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

So streiten die Deutschen: Wer legt sich wo mit wem an?

Gerechtigkeit und Fairness sind den Deutschen wichtig. Und so zanken sie sich wenn nötig auch gerne bis vors Gericht. Ein Viertel der Bundesrepublik ist nach Auswertungen des „Streitatlas 2019“ in Gerichtsprozesse verwickelt, jeder zweite Streit dauert länger als ein Jahr. Doch worüber zoffen sich die Deutschen und gibt es Unterschiede nach Alter, Geschlecht oder Bundesland?

Streit mit dem Arbeitgeber, Stress wegen dem Strafzettel, Ärger in der Familie: die Gründe vor Gericht zu ziehen, sind zahlreich und die Deutschen scheuen sich nicht, im Zweifel um ihren Standpunkt zu kämpfen. Die Versicherungsgruppe Generali hat in einer neuen Studie fast 400.000 Streitfälle ausgewertet und dabei spannende Erkenntnisse gewonnen.



Worum wird sich am meisten gestritten?

Im Bundesdurchschnitt geht es am häufigsten um private Angelegenheiten. Rund 38 Prozent der Klagen erfolgen in Familiendingen, Reisekostenerstattungen und anderen privaten Gründen. Gleich darauf geht es – wer hätte es in der Autoromantiker-Nation anders erwartet – in Sachen Straßenverkehr am meisten rund. 26 Prozent aller bundesweiten Streitfälle richten sich gegen Bußgelder bei Geschwindigkeitsüberschreitung, Verkehrsunfälle oder Mängel am neuen Fahrzeug. Schuld daran ist natürlich auch der Dieselskandal.

Platz drei belegt die Arbeit. Hier sind 13,1 Prozent der Streitursachen zu verbuchen. Davon dreht sich ein knappes Drittel um Lohnzahlungen, aber auch Arbeitszeugnisse oder Kündigungen können zum Streitgrund werden. Überraschend abgeschlagen auf dem vierten Platz finden sich Dispute im Bereich Wohnen, Mieten oder mit den Nachbarn – allerdings nur im Bundesdurchschnitt, doch dazu später mehr. Auf dem fünften Platz der häufigsten Streitgründe reiht sich schließlich Ärger mit den Behörden ein.

Ost, West, Nord oder Süd: Wo sind die meisten Streithähne angesiedelt?

Die gut 390.000 ausgewerteten Streitfälle lassen einige Rückschlüsse ziehen, besonders dazu, wo am meisten gestritten wird. Generell ist der Norden streitlustiger als der Süden und der Westen zankt sich mehr als der Osten.

Im Vergleich der Bundesländer sieht es in Bayern mit Abstand am friedlichsten aus. Nur rund 21 von 100 Bayern streiten sich vor Gericht. Am meisten Stunk gibt es in den Großstädten, allen voran Berlin. Sieht man von den Stadtstaaten ab, ist das Donnerwetter in Nordrhein-Westfalen am heftigsten. Generali berichtet: Sieben der Top-10-Streit-Städte liegen in NRW.

Randale-Hauptstadt: Was lässt die Berliner an die Decke gehen?

Die Hauptstädter lassen sich definitiv nicht so leicht unterbuttern, knapp 30 Prozent der Berliner streiten sich jährlich bis vors Gericht. Arm aber sexy gepaart mit extremer Gentrifizierung führt dazu, dass die Hauptstadt in Sachen Wohn- und Mietstreitigkeiten 50 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegt. Nach privaten Gründen und Streitigkeiten im Straßenverkehr belegen Wohn- und Mietgründe hier den dritten Platz.

Im grünen Bereich liegt hingegen besonders das ehemalige Ostberlin. Im Westen, rund um Mitte, Charlottenburg oder auch Wilmersdorf, wird sich jedoch besonders gerne gestritten. Hier haben über 33 Prozent der Einwohner jährlich Ärger. In Gatow streitet sich sogar mehr als jeder dritte Bewohner, doch auch im Stadtteil des schönen Schloss Bellevues, Tiergarten, liegt die Quote mit 36,3 Prozent besonders hoch. Bei so viel Streitlust ist ein guter Rechtsschutz wichtig. Der muss zum Glück nicht teuer sein.

Sind Männer streitlustiger als Frauen und wirkt das Alter besänftigend?

Menschen zwischen 46 Jahren bis 55 Jahren streiten sich mit 27,5 Prozent am meisten. Doch die Jungen holen auf: Ihr Anteil ist seit der letzten Studie vor zwei Jahren um 9,8 Prozent gestiegen und liegt nun bereits bei 23,7 Prozent. „Jung“ ist hierbei jedoch relativ zu sehen, gehören dazu doch alle unter 36-Jährigen.

Typische Geschlechterklischees finden sich in der Verteilung der Streitigkeiten wieder. 66,5 Prozent aller Streitfälle werden von Männern gefochten. Frauen bekommen ihren Zorn hingegen häufiger ohne Gerichtsprozess in den Griff: Nur 33,5 Prozent werden von ihnen ausgetragen. Am häufigsten streiten Männer sich über Verkehrs- und Mobilitätsthemen, während es für Frauen überwiegend um private sowie Strafangelegenheiten geht.