Jemand wird geimpft
Aileen Rost
Aileen Rost

Texterin - Copy Writerin

Spritze gegen Corona: Wann beginnt der Impf-Marathon?

Der Sprint um den Corona-Impfstoff dürfte bald entschieden sein: Unter anderem erzielte das Pharma-Unternehmen Biontech in zehntausenden Tests eine hohe Wirksamkeit gegenüber dem Virus. Deutschland stellt sich nun auf einen Impf-Marathon ein. finanzen.de fasst zusammen, ab wann und wie voraussichtlich geimpft werden kann.

Wie weit ist die Impfstoffentwicklung?

In Deutschland forschen gleich drei Unternehmen um die Wette: IDT Biologika, Curevac und Biontech. Letztere beantragten bereits die Notfallzulassung ihres Impfstoffes und reichten alle Studienergebnisse zur Review ein. Mehr als 43.000 Probanden nahmen an dieser Studie teil, wobei eine Testgruppe ein Placebo erhielt, eine weitere den neu entwickelten Impfstoff. Dieser wurde in zwei Dosen verabreicht.



Eine Wirksamkeit von 95 Prozent war das Ergebnis – auch Christian Drosten, Virologe der Berliner Charité, zeigt sich von der hohen Erfolgsquote beeindruckt. Moderna steht als US-Unternehmen mit seinem hoch wirksamen Impfstoff ebenfalls kurz vor der Zulassung.

Wie geht es nun weiter?

Liegt die Zulassung tatsächlich im Dezember vor, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) es in Aussicht stellt, kann noch in diesem Jahr mit der geplanten Massenimpfung begonnen werden. Risikogruppen und medizinisches Personal sollen zuerst geimpft werden, anschließend diejenigen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten oder viel Kontakt zu anderen Menschen haben. Dazu zählen Polizisten, Lehrer und Politiker. Im Sommer 2021 könnten dann auch alle anderen den Impfstoff erhalten, zuletzt Kinder und Schwangere.

Hessens Impfstrategie als Blaupause?

Mit Blick auf eine kurzfristige Immunisierung seiner Einwohner stellte die Landesregierung in Hessen diese Woche bereits eine Impfstrategie vor. Vier von sechs Millionen Menschen sollen bestenfalls geimpft werden, um die Gemeinschaft schützen zu können. Das entspricht einer Impfquote von bis zu 70 Prozent. Um diese Dimension zu händeln, bedarf es einer sorgfältigen Vorbereitung, meint Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Diese sieht in Hessen wie folgt aus:

Landesweit sollen bis Mitte Dezember 30 Impfzentren in Kreisen beziehungsweise kreisfreien Städten aufgebaut werden. In diesen sollen bis zu 1.000 Impfungen pro Tag durchgeführt werden, um innerhalb von acht Monaten das geplante Impfziel von vier Millionen Einwohnern zu erreichen. Die Umsetzung liegt bei den Gesundheitsämtern sowie dem Katastrophenschutz.

Allerdings ist die Strategie auch mit hohem logistischem Aufwand verbunden: Es müssen einerseits Termine koordiniert und Ärzte akquiriert werden – Ruheständler und Teilzeitkräfte etwa können als Aushilfen fungieren. Andererseits müssen Wege gefunden werden, die immense Menge an Impfdosen an ihr Ziel zu bringen und dort richtig zu lagern. Soll heißen: Es braucht Fuhrparks und Systeme, die die Kühlung der Impfstoffe gewährleisten.

Ob die Politik diese Hürden bis Mitte Dezember deutschlandweit überwinden kann und vor allem finanzielle Anreize für das unterbezahlte Praxis- und Klinikpersonal bereitstellt, das am Ende den Impfmarathon begleitet, bleibt abzuwarten.