Strandliegen am Meer
Josephien Albrecht
Josephien Albrecht

Content-Managerin

Staatsgarantie für Pauschalreise-Gutscheine: Eine gute Entscheidung?

Bisher schienen Gutscheine für coronabedingt abgesagte Pauschalreisen wenig lukrativ für den Kunden. Die am Donnerstag vom Bundestag beschlossene Staatsgarantie soll Verbraucher nun auch bei Insolvenz des Veranstalters absichern. Eine gute Lösung für alle?

Die Reise-Industrie ist neben der Gastronomie eine der am meisten von der Corona-Pandemie betroffenen Branchen. Um die Liquidität der Reiseveranstalter zu bewahren, hatte sich die Tourismusbranche für Gutscheine statt Rückzahlungen eingesetzt.



Gutschein statt Geld zurück bei Reiseausfall – ist das überhaupt legal?

Bei Nichtdurchführung der Reise bekommt der Urlauber nach der Europäischen Pauschalreiserichtlinie EU 2015/2302 sein Geld innerhalb von 14 Tagen zurückerstattet. Da dies in der Realität der Pandemie bei massenhaften Reisestornierungen kaum umsetzbar und auch finanziell schwer für die Branche zu stemmen ist, waren Forderungen nach einer Gutscheinpflicht laut geworden. Da dies jedoch eine Schwächung des Verbraucherschutzes bedeuten würde, erteilte die EU-Kommission entsprechenden Anträgen durch die deutsche Bundesregierung eine Absage. Andere Mitgliedsstaaten der EU haben wegen der Einführung von Gutscheinregelungen inzwischen sogar mit EU-Vertragsverletzungsverfahren zu kämpfen.

Durch das Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Pauschalreisevertragsrecht, das am Donnerstagnachmittag vom Bundestag beschlossen wurde, umgeht die Bundesregierung nun die Ablehnung der Gutscheinlösung durch die EU, ohne mit geltendem Recht zu brechen.

Wie macht die Staatsgarantie Gutscheine für Verbraucher attraktiv?

Die Gutscheinausstellung statt Rückerstattung erfolgt weiterhin nur freiwillig, wenn sich der Kunde dazu bereit erklärt. Bisher erschien die Wahl eines Gutscheins jedoch nur wenig lukrativ, da dieser bei Insolvenz des Reiseveranstalters schließlich nicht abgesichert ist. Hier springt nun der Staat ein. Im Falle der Insolvenz soll der Verbraucher gemäß § 5 Abs. 6 des COVID-19-AbmilderungsG-E eine staatliche Garantie des vollen Reisewertes erhalten.

Mit diesem Versicherungsschutz schafft der Gesetzgeber einen attraktiven Anreiz für Reisende, sich statt einer Auszahlung doch für die zumeist auch schneller verlaufende Ausstellung eines Gutscheins zu entscheiden. Die Regelungen gelten für Urlauber, die ihre Pauschalreise vor dem 8. März gebucht haben.

Laut des Gesetzes wird durch die Regelung „ein fairer Interessenausgleich erreicht”, da Reiseveranstalter so weiter wirtschaften können und den Fortbestand ihres Unternehmens sicherstellen, Verbrauchern jedoch auch keine Nachteile entstehen. Entscheiden sich Kunden gegen den Gutschein, haben sie weiterhin Anspruch auf die Rückerstattung ihrer Zahlungen.

Ein fairer Interessenausgleich für alle?

Zwar ist das neue Gesetz ein gelungener Versuch des Gesetzgebers, die verbraucherunfreundliche Gutscheinpflicht zu umgehen und die Reisebranche dennoch zu unterstützen. Im Interview mit dem Tourismusfachmagazin fvw erklärte FIT-Reisen Group Geschäftsführer Nils Asmussen aber, warum es für Reiseveranstalter dennoch viele Schwierigkeiten mit sich bringt. Laut Asmussens Kalkulation könnte das Gesetz der Reisebranche Zusatzkosten von circa 250 Millionen Euro bescheren. Ursache dafür ist die Umwandlung der bisher ausgestellten Gutscheine, die häufig manuell erfolgt. Denn das Gesetz gilt rückwirkend für alle Verbraucher, die ihren Urlaub vor dem 8. März 2020 gebucht haben.

Auch die von vielen Veranstaltern erteilten Boni für Kunden, die sich für einen Gutschein statt Rückzahlung entschieden hatten, müssen nun separat in nicht abgesicherte Gutschriften geändert werden. Hinzu kommt, dass Asmussen damit rechnet, dass bis zu 60 Prozent der Kunden den Gutschein gar nicht bis 2022 nutzen werden. In diesem Fall muss der Veranstalter das Geld zurückzahlen, da die Absicherung durch den Staat zeitlich bis Ende 2021 begrenzt ist.
„Wir wollen abgesicherte Gutscheine, doch die Kombination aus rückwirkendem Wandlungsrecht und kurzer Laufzeit wird Reiseveranstalter stark belasten”, erklärt der FIT-Geschäftsführer die Lage seiner Branche.