Anja Schlicht
Anja Schlicht

Redaktionsleitung

Steigende Mieten: Mieterbund warnt vor heiklem Wohnungsmarkt

Hohe Mietpreise machen es bereits jetzt vielen Studenten, Älteren und Geringverdienern schwer, eine bezahlbare Wohnung in Großstädten zu finden. Der Präsident des Deutschen Mieterbundes warnt, dass durch die Mieterhöhungen bald auch Gutverdiener Probleme bei der Wohnungssuche bekommen werden.

Veröffentlicht am 12. November 2012

Um in Universitäts- und Großstädten eine preiswerte Wohnung zu finden, brauchen Wohnungssuchende viel Geduld: Geduld beim Lesen der Wohnungsanzeigen und in den langen Warteschlangen während einer Wohnungsbesichtigung. Denn günstige Wohnungen werden immer seltener, stattdessen steigen die Kosten für die Miete und die Energiepreise. Nach Ansicht von Franz-Georg Rips, Präsident des Deutschen Mieterbundes, haben viele Menschen „massive Probleme, eine bezahlbare Wohnung zu finden“. Daher befürchtet er auch, dass viele Ballungszentren „auf eine mittlere Katastrophe“ zusteuern, wie er gegenüber dem „Focus“ sagte.

Neue Wohnungskonzepte gefordert

Erste Ansätze, um die Mieter zu entlasten, gibt es bereits. So setzen sich verschiedene Bundesländer dafür ein, dass ab 2013 der Vermieter die Kosten für den Makler übernehmen soll, die in Großstädten normalerweise der Mieter zu tragen hat. Doch Rips fordert mehr: „Schon bei der Bundestagswahl 2013 wird es – neben der Energiefrage – auf die Wohnungsfrage ankommen“. Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück scheint sich dieser Problematik zuzuwenden. Er kündigte am Samstag auf einem SPD-Landesparteitag an, sich für günstigere Wohnungen einzusetzen. Dazu müsse der soziale Wohnungsbau wiederbelebt werden.

Mieterhöhungen gefährden „stabile soziale Lage unserer Gesellschaft“

Noch, so Rips, verteilen sich die Bevölkerungsgruppen in den Zentren der Großstädte „gut durchmischt, das ist ein Ausdruck für die stabile soziale Lage unserer Gesellschaft“. Doch wenn bestimmte Bevölkerungsschichten aufgrund hoher Mieten keinen Wohnraum mehr finden, drohen die Verhältnisse zu kippen. „Niemand sollte die soziale Sprengkraft unterschätzen“, so die eindringliche Warnung des Mieterbund-Präsidenten. Auf Dauer werden selbst Normal- und Besserverdiener Probleme bekommen, das Geld für die hohen Wohnungskosten aufzubringen.

Steigende Mieten mit sinkenden Renten aufbringen

Doch nicht allein die steigenden Mietkosten sind ein Problem. Auch die wachsende Altersarmut befeuert die Thematik, dass Menschen mit geringer Rente kaum noch Wohnraum in Großstädten finden. „Wenn die Menschen künftig weniger Rente bekommen, aber immer höhere Wohnkosten zahlen müssen, dann ist das ein brandgefährlicher Zustand“, so Rips gegenüber dem „Focus“. Ob die geplante Lebensleistungsrente der Bundesregierung dem entgegenwirken kann, bleibt im Angesicht der angedachten Aufstockung der Rente auf 700 Euro fraglich.

Wohnungskosten um bis zu 10,4 Prozent gestiegen

Fakt ist: Die Mieten sind in den letzten Jahren in Universitäts- und Großstädten stark angezogen. 2011 sind die Mietpreise in Berlin im Schnitt um 7,4 Prozent gestiegen, in Hamburg um 7,5 Prozent und in Greifswald sogar um 10,4 Prozent. So ist der Appell von Rips an die Politik verständlich. Denn Handlungsbedarf besteht, wenn die Innenstädte nicht zu Zentren luxussanierter Wohnungen und im Zuge der kaum erschwinglichen Mietkosten zunehmend leerer werden sollen.